GVSS-Expertenempfehlung zum Umgang mit asbesthaltigen Abstandhaltern

Der Gesamtverband Schadstoffsanierung (GVSS) hat eine Expertenempfehlung zum Umgang mit asbesthaltigen Abstandhaltern und Mauerstärken in Stahlbetonbauwerken vorgelegt. Die Schrift mit dem Diskussionsstand vom 31. Oktober richtet sich an Planer, Gutachter, Behörden und die Entsorgungswirtschaft und soll eine fachliche Grundlage für standardisierte Verfahren bei Erkundung, Rückbau, Aufbereitung und Entsorgung von asbestbelastetem Betonabfall schaffen.

Wie der GVSS darlegt, fallen bei dem Rückbau von Stahlbetonbauwerken wie Brücken, Kraftwerken, Industrieanlagen und Parkhäusern jedes Jahr in Deutschland Betonabfälle von mehreren Mio. Tonnen an. Dieses Material sei grundsätzlich als Ausgangsstoff für Recyclinggesteinskörnungen geeignet, seine Verwertung werde aber zunehmend durch Schadstoffbelastungen – insbesondere Asbest – eingeschränkt. Das größte Problem stellten asbesthaltige Abstandhalter und Mauerstärken dar, die zwischen den 1960er-Jahren und dem ab Ende Oktober 1993 greifenden Asbestverwendungsverbot großflächig im Stahlbeton eingesetzt wurden. Weitere potenzielle Asbestvorkommen ergäben sich aus Spezialmörteln, Fugendichtstoffen sowie Beschichtungs- und Abdichtungssystemen.

Bislang wurde häufig versucht, geringfügig asbesthaltiges Betonabbruchmaterial mit behördlicher Genehmigung im Erdbau oder im Schottertragschichtaufbau der jeweiligen Bauprojekte weiter zu verwenden. Diese Praxis bewertet der GVSS allerdings kritisch, da sie keine langfristige Lösung darstelle und dem in der europäischen Chemikalienverordnung REACH definierten Ziel der vollständigen Ausschleusung technischer Asbestprodukte aus dem Wirtschaftskreislauf widerspreche. Mit ihrer Expertenempfehlung will die GVSS endgültige Lösungswege aufzeigen und Leitlinien für regelkonformes Handeln geben.

Erste erfolgversprechende Pilotprojekte zur Asbestentfrachtung

Laut Verband fehlen derzeit noch marktreife Technologien für die gezielte Entfernung von asbesthaltigen Abstandhaltern im Rahmen der Sanierung und Aufbereitung. Erste Pilotprojekte und großtechnische Erprobungen laufen laut GVSS jedoch bereits an und zeigten Potenziale auf. Es sei daher zu befürworten, dass das Trennungsgebot nach REACH weiterverfolgt und mögliche Aufbereitungstechniken, etwa die händische Sortierung oder Waschverfahren mit Dichtetrennung, zur Marktreife entwickelt werden.

Ein zentraler Bestandteil der Empfehlungen ist daher die Entwicklung valider technischer Standards, um die Erkundung, Bewertung und Separierung asbesthaltiger Komponenten reproduzierbar und rechtssicher durchführen zu können. Dies betrifft insbesondere die Methodik der Schadstofferkundung, die Beurteilung der Trenneffizienz und die Dokumentation von Restbelastungen im Recyclingmaterial.

Weitere Schwerpunkte der Publikation liegen auf Hinweisen zur Arbeits- und Umweltsicherheit sowie der Bewertung verschiedener Rückbau- und Abbruchverfahren – vom konventionellen Baggerabbruch über Kernbohrungen und Sägeverfahren bis zum Einsatz von Höchstdruckwasserstrahlen – hinsichtlich Asbestfreisetzung und Genehmigungspflichten.

Insgesamt bietet die Expertenempfehlung laut GVSS damit eine erste fachlich fundierte Grundlage für den Umgang mit asbesthaltigen Abstandhaltern und Mauerstärken. Der Verband regt an, dass diese im weiteren Prozess mit den Akteuren der Bestandsbausanierung, den Genehmigungsbehörden und der Recyclingwirtschaft unter der Zielsetzung, das Recycling von Betonabbruchmaterial auch unter Berücksichtigung bestehender Schadstoffrisiken zukunftsfähig zu gestalten, beraten wird.

Die GVSS-Expertenempfehlung ist hier abrufbar.

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