Voraussichtlich ab März wird in der ersten Anlage von Green Hydrogen Technology (GHT) auf dem Gelände des baden-württembergischen Entsorgers ETG Synthesegas und dann Wasserstoff aus nicht-recycelbaren Abfällen erzeugt. Noch vor der Inbetriebnahme hat sich das Augsburger Startup jetzt gemeinsam mit der Westfalen AG, die Industriegase produziert und Kraftstoffe vertreibt, strategisch aufgestellt, um die Technologie zügig auszurollen. Durch die Kooperation sei die Abnahme von Wasserstoff aus mehreren weiteren Waste-to-Hydrogen-Anlagen gesichert, erklärte GHT-CEO Robert Nave. Das Interesse in der Entsorgungsbranche sei groß. Mit einigen mittelständischen Unternehmen laufen bereits konkrete Gespräche über die nächsten Standorte.
Ziel der Zusammenarbeit mit der Westfalen-Gruppe sei es, alle Teilnehmer der Wertschöpfungskette miteinander zu verbinden und eine größtmögliche Effizienz bei Produktion, Transport und Vertrieb von umweltfreundlichem Wasserstoff zu erreichen. Bei bisher etablierten Herstellungsverfahren seien die Kosten sehr hoch, heißt es in einer Pressemitteilung – und das bremse den Markthochlauf. Hier wollen GHT und Westfalen AG ansetzen: „Der in den Anlagen dezentral hergestellte Wasserstoff ist Teil eines Kreislaufs und liegt preislich deutlich unterhalb von Wasserstoff aus der herkömmlichen Elektrolyse mit erneuerbarem Strom“, sagte Nicolas Dohn, Head of Hydrogen bei der Westfalen AG. „Das wird die Nachfrage ankurbeln, dem Produzenten Abnahmesicherheit und unseren Kunden Gewissheit bei der Versorgung geben.“
Zur Belieferung von Käufern aus Industrie und Mobilität verfügt die Unternehmensgruppe aus Münster über eine eigene Wasserstoff-Trailerflotte. Neben wirtschaftlichen Vorteilen punktet das GHT-Verfahren den Angaben zufolge vor allem ökologisch: Der Wasserstoff aus Reststoffen sei durch die integrierte CO2-Verflüssigung umweltfreundlich, da Emissionen, die durch die alternative Abfallverbrennung entstehen, unmittelbar vermieden werden. Das flüssige Kohlendioxid will Westfalen-Gruppe ebenfalls vermarkten.
Die erste kommerzielle GHT-Anlage mit einer jährlichen Verarbeitungskapazität von ca. 1.200 Tonnen biogener Abfälle wird derzeit wie berichtet in Ebersbach bei Stuttgart aufgebaut. Der dort erzeugte Wasserstoff – etwa 100 Tonnen pro Jahr – geht an den Kölner Wasserstoff-Lkw-Vermieter Hylane als Partner. Für künftige Projekte sei das Verfahren grundsätzlich beliebig skalierbar, wobei GHT aber gerade in der Dezentralität der Anwendung einen entscheidenden Vorteil sieht. Weitere Anlagen sollen darauf ausgelegt werden, etwa 400 Tonnen Wasserstoff aus 4.800 Tonnen Reststoffen pro Jahr herzustellen. Die Investitionskosten schätzt Nave laut früheren Angaben auf zehn bis zwölf Mio €. Rheinenergie werde die Anlagen auch als Contracting-Lösung anbieten, sodass Entsorgungsunternehmen Zugang zur Technologie erhalten, ohne vorab investieren zu müssen.
Durch die neue Kooperation mit der Westfalen AG werde die Umsetzungsgeschwindigkeit einer breiteren Markteinführung beschleunigt: „Für die kommenden vier oder fünf Anlagen können wir ohne weiteres eine Nachfragesicherheit durch Westfalen abbilden“, so Nave gegenüber EUWID. „Stand heute ist, dass wir gerade aktive Gespräche mit über zehn Entsorgern führen.“ Spätestens im Herbst will GHT verkünden, wo die nächste Projektierung stattfinden wird.




