Geringere Anlagenverfügbarkeit belastet Ergebnis der MVV-Umweltsparte

Der Mannheimer Energieversorger MVV hat im Geschäftsjahr 2024/25 (1.10.-30.9.) wie schon im Jahr zuvor einen deutlichen Ergebnisrückgang verbucht. Wie der Konzern am Donnerstag bekannt gab, verringerte sich das bereinigte operative Ergebnis (Adjusted Ebit) gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf 360 Mio. €. Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2023/24 hat es sich sogar mehr als halbiert. Auch der Konzernumsatz ging wegen rückläufiger Großhandelspreise um 15 Prozent auf 6,1 Mrd. € zurück. Dennoch zeigt sich die Unternehmensführung zufrieden mit einem „soliden Ergebnis in herausforderndem Umfeld“. Auch konnte der Anfang des Jahres prognostizierte Ergebnisrahmen von 350 bis 400 Mio. € eingehalten werden.

„In den Jahren 2023 und 2024 gab es diverse Sondereffekte, die für ein außergewöhnlich gutes Ergebnis gesorgt haben. Uns war klar, dass sich diese nicht wiederholen werden“, kommentierte Vorstandschef Gabriël Clemens den erwarteten Ergebnisrückgang. Zudem verwies er auf Ergebnisrückgänge im Projektentwicklungs- und Umweltgeschäft, die auch durch höhere Ergebnisbeiträge in den Geschäftsfeldern Erzeugung und Netze nicht gänzlich kompensiert werden konnten.

Tatsächlich entwickelte sich das Ergebnis des Berichtssegments „Neue Energien“, dem neben Wind, PV und Projektentwicklung auch die Geschäftsfelder Umwelt Deutschland und Umwelt UK und damit die Abfallbehandlungsanlagen, Biomasse(heiz)kraftwerke sowie Biomethan- und Biogasanlagen des Konzerns zugeordnet sind, schlechter als vorausgesagt. Sahen die ursprünglichen Prognosen für das Geschäftsjahr 2024/25 eine „deutliche“ Ergebnisverbesserung im Segment Neue Energien vor, lag das Adjusted Ebit der Sparte mit 80 Mio. € letztlich nur halb so hoch wie im Jahr zuvor. Neben nicht wiederholbaren Sondereffekten des Vorjahres, beispielsweise Veräußerungserlöse, und einem gegenüber dem Vorjahr deutlich niedrigerem Windaufkommen begründet MVV den Ergebnisrückgang vor allem mit einer geringeren Anlagenverfügbarkeit und niedrigeren Stromerlösen.

Abfallanlieferungen insgesamt um 80.000 Tonnen gesunken

So führte die niedrigere Anlagenverfügbarkeit im Umweltgeschäft dazu, dass der Konzern insgesamt weniger Abfälle verwertet hat. Laut Geschäftsbericht wurden den dem Segment Neue Energien zugeordneten thermischen Abfallbehandlungsanlagen und Biomassekraftwerken an den deutschen Standorten Mannheim, Leuna, Offenbach und Königs Wusterhausen sowie den britischen Anlagen in Plymouth, Ridham Dock und Dundee insgesamt 2,09 Mio. Tonnen verwertbare Restabfälle angeliefert. Das waren 91.000 Tonnen bzw. vier Prozent weniger als im Vorjahr.

Weitere Abfallanlieferungen in Höhe von 156.000 Tonnen weist der Bericht für das Berichtssegment „Kundenlösungen“ aus, welches die Ersatzbrennstoffkraftwerke in Korbach und Gersthofen einbezieht. Hier ergibt sich im Vorjahresvergleich ein Anstieg um 11.000 Tonnen bzw. acht Prozent. In Summe ergibt sich damit ein Rückgang der Abfallanlieferungen im MVV-Konzern um 80.000 Tonnen auf 2,25 Mio. Tonnen.

MVV-Abfallanlagen erzeugten weniger Wärme und Strom

Die geringere Anlagenverfügbarkeit begründet auch die rückläufige Wärmeerzeugung der thermischen Abfallbehandlungsanlagen (TAB). Laut Bericht haben die TAB-Anlagen des Konzerns im Geschäftsjahr 2024/25 mit rund 2.000 Mio. kWh rund 13 Prozent weniger grüne Wärme erzeugt als im Vorjahr. Auch die Stromerzeugungsmenge ging um 14 Prozent auf 253 Mio. kWh zurück.

Demgegenüber konnten die Biomasse- und Biogasanlagen der MVV Energie AG die Stromerzeugungsmengen um ein Fünftel auf 397 Mio. kWh und die Wärmeerzeugungsmengen sogar um mehr als das Doppelte auf 321 Mio. kWh steigern. Die Zunahme bei der Stromerzeugung begründet der Konzern im Wesentlichen mit einer höheren Anlagenverfügbarkeit. Der Zuwachs bei den Wärmemengen beruhe vor allem auf der gestiegenen Wärmeauskopplung durch das Biomasseheizkraftwerk in Mannheim. Wie berichtet, wurde dieses im Oktober letzten Jahres an das Fernwärmenetz angeschlossen.

Unter Einbezug der At-equity-bilanzierten Unternehmen verfügte MVV zum Ende des Berichtsjahres über eine Stromerzeugungskapazität aus erneuerbaren Energien – neben TAB- und Biomasse-/Biogasanlagen fallen hierunter noch die Bereiche, Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft – in Höhe von 763 MWel. Das waren 85 MWel mehr als im Vorjahr. Die grüne Wärmeerzeugungskapazität blieb konstant bei 832 MWth.

Sowohl die grüne Strom- als auch Wärmeerzeugung will MVV künftig noch weiter ausbauen. Erst kürzlich hat der Konzern mit dem Baustart einer weiteren Abfallverbrennungsanlage in England den Startschuss für die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte gegeben. Wie berichtet, soll die Anlage „Medworth“ in Wisbech im Südosten des Landes ab 2029 jährlich rund 625.000 Tonnen Restabfall verwerten. Die Gesamtinvestition beziffert MVV auf rund eine halbe Mrd. €.

MVV-Führung schraubt Pläne zur BECCUS-Umrüstung etwas zurück

Die Anlage in Wisbech soll auch das MVV-Portfolio im Bereich CO2-Abscheidung erweitern. So verfolgt der Konzern eigenen Angaben zufolge einen „ambitionierten“ Pfad zum Ausbau von BECCUS (Bioenergy Carbon Capture, Utilisation and Storage). Geplant sei, einige der MVV-Bioabfallvergärungs-, Biomethan-, Biomasse- und thermischen Abfallbehandlungsanlagen bis 2035 technologisch so umzurüsten, dass CO2 mithilfe geeigneter Technologien dauerhaft der Atmosphäre entzogen werden kann. Auf diese Weise sollen Biomasse- und TAB-Anlagen langfristig zu großen industriellen CO2-Senken werden.

Allerdings ist die MVV-Führung in ihrer Wortwahl zu den BECCUS-Investitionen etwas zurückhaltender als im Vorjahr, als es noch hieß, man wolle bis 2035 alle Bioabfallvergärungs-, Biomethan-, Biomasse- und TAB-Anlagen umrüsten. Dazu passend betont der Konzern im Jahresbericht auch die zunehmenden Planungsunsicherheiten hinsichtlich der langfristigen, nachhaltigen Investitionen in Anlagen zur Strom- oder Wärmeerzeugung.

Zwar bekräftigte Clemens bei der Präsentation der Geschäftszahlen den Konzernanspruch, die Transformation der Energieversorgung entlang des Mannheimer Modells – also mit dem Fokus auf Wärmewende, Stromwende und grüne Kundenlösungen – weiter umzusetzen. Auch plane die MVV ihre Gesamtinvestitionen im neuen Geschäftsjahr nochmals auf 501 Mio. € zu erhöhen. „Es geht uns darum, Resilienz zu zeigen und weiter in die Energiezukunft zu investieren“, so der Vorstandschef.

Allerdings agiere der Konzern dabei „nicht im luftleeren Raum“. Politik und auch die Kunden müssten „mitziehen“. „Aber wenn die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten bestehen bleiben und sich die Kunden dementsprechend weiter zurückhalten, werden wir darauf reagieren müssen“, so Clemens und weiter: „Wenn sich nicht schnell einiges ändert, werden wir unseren ambitionierten Zeitplan überprüfen müssen.“

Für die Transformation des Wärmesektors sprach sich Clemens für eine zügige Umsetzung der EU-Gasbinnenmarkt-Richtlinie in nationales Recht aus. Weiterhin forderte der MVV-Vorstandsvorsitzende einen schrittweisen Übergang des Förderregimes für erneuerbare Energien. Denn ein abrupter Wechsel gefährde den weiteren Ausbau. Und auch bei der anstehenden Novelle des Gebäudeenergiegesetzes solle die Bundesregierung Brüche vermeiden, um Sicherheit für bestehende und künftige Projekte zu bieten.

Für das neue Geschäftsjahr 2025/26 rechnet die Konzernführung mit einem weiteren Ergebnisrückgang. Prognostiziert wird ein Adjusted Ebit zwischen 200 und 240 Mio. €.

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