
Der finnische Energieversorger Fortum will an seinem Batterierecyclingstandort Kirchardt im Landkreis Heilbronn die Kapazitäten erhöhen. Wie das Unternehmen mitteilt, wurde die entsprechende Erweiterungsgenehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) bereits im Februar erteilt. Demnach darf die Anlage jetzt täglich bis zu 25 Tonnen ausgediente Lithium-Ionen-Batterien verarbeiten statt zuvor zehn Tonnen pro Tag. Der maximale Jahresdurchsatz war bisher mit 3.000 Tonnen angegeben.
Wie berichtet hat Fortum das baden-württembergische Werk in unmittelbarer Nähe wichtiger Zentren der deutschen Automobilindustrie im März 2023 in Betrieb genommen. Seit dem Start seien dort etwa 450 verschiedene Batterietypen aus Elektroautos zerlegt worden. „Die neue Genehmigung ermöglicht es uns, Monat für Monat immer größere Mengen anzustreben, wodurch wir die wachsende Nachfrage nach nachhaltigem Batterierecycling deutlich besser bedienen können“, sagt Frank Stumpf, Director Battery Recycling Services bei Fortum. Auch die Lagerkapazität für gefährliche Abfälle steigt den Angaben zufolge von ursprünglich erlaubten 50 Tonnen auf nun 250 Tonnen.
Der Standort, an dem laut Unternehmen 20 Mitarbeiter beschäftigt sind, ist auf die zertifizierte Vorbehandlung und mechanische Demontage ausgedienter Lithium-Ionen-Energiespeicher ausgerichtet. Die Kapazitätserweiterung in Kirchardt sei auch notwendig, um künftig ausreichend Material für die geplante Schwarzmasse-Produktion im thüringischen Artern bereitstellen zu können, erklärt Stumpf auf EUWID-Anfrage.
Start der Schwarzmasseproduktion in Artern im Jahr 2027 unrealistisch
Für die Thüringer Anlage hatte Fortum im Juni 2024 einen Bauantrag gestellt. Aufgrund zahlreicher Einwände kam es jedoch wie berichtet zu Verzögerungen des dafür angesetzten Erörterungstermins. Nachdem dieser schließlich im Dezember desselben Jahres stattfand, hat das zuständige Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) laut Stumpf weitere Unterlagen und Erläuterungen in erheblichem Umfang angefordert. Diese seien eingereicht worden – nach deren Prüfung habe sich aber weiterer Klärungsbedarf ergeben, an dem Fortum aktuell arbeite und auf einen Abschluss in den kommenden Tagen hoffe.
„Das außerordentlich lange Genehmigungsverfahren hat den Gesamtprozess und die Investitionsentscheidung natürlich stark verzögert“, so Stumpf. Aufgrund der unklaren Situation könne Fortum derzeit keine weiteren Umsetzungsschritte im Projekt unternehmen. Eine Inbetriebnahme im ursprünglich anvisierten Jahr 2027 sei damit nicht mehr realistisch.
Zur weiteren hydrometallurgischen Aufbereitung von Schwarzmasse aus Altbatterien betreibt Fortum im finnischen Harjavalta eine Anlage, um die wertvollen Metalle in Form von Sulfatlösungen zu extrahieren. Für einen Ausbau dieses Werks hatte das Unternehmen im Sommer 2025 eine Förderzusage des finnischen Staates in Höhe von 84,6 Mio. € erhalten. Vorgesehen war zu dem Zeitpunkt eine Erhöhung der Verarbeitungskapazität von 3.000 auf bis zu 28.000 Jahrestonnen Schwarzmasse. Eine endgültige Investitionsentscheidung stand zuletzt noch aus.
Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde nachträglich um Aussagen von Frank Stumpf, insbesondere zur geplanten Anlage in Artern, ergänzt.



