Euric-Warnung vor Zöllen auf recyceltes Aluminium

Der Europäische Verband der Recyclingindustrie (Euric) lehnt Vorschläge zur Einführung von Exportzöllen auf verarbeitete Aluminiumschrotte entschieden ab und argumentiert, dass solche Maßnahmen die Kreislaufwirtschaft Europas untergraben und die Wettbewerbsfähigkeit des Recyclingsektors schwächen würden. Die Dachorganisation legte ihre Bedenken in einem neuen Positionspapier dar, das letzte Woche veröffentlicht wurde und eine Reaktion auf Forderungen der Industrievereinigung European Aluminium nach der Einführung von „Aluminiumschrott-Exportgebühren“ darstellt.

Reuters berichtete Mitte September, dass die Metallindustrie sich für einen Exportzoll von „rund 30 Prozent“ einsetzt. Vertreter von European Aluminium und des Stahlherstellerverbands Eurofer trafen sich laut dem Nachrichtendienst auch mit der Europäischen Kommission, um den Vorschlag zu diskutieren. Die EU-Kommission, die Ende Juli ein Zoll-Überwachungssystem für den Außenhandel mit Stahl-, Aluminium- und Kupferschrott eingeführt hat, erklärte, sie werde bis zum Ende des dritten Quartals die Notwendigkeit „gezielter Handelsmaßnahmen zur Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung mit Schrott” prüfen.

Euric: Zölle schädigen Wertschöpfungskette

Euric warnt davor, dass die Einführung von Zöllen die Inlandspreise drücken, den Binnenmarkt destabilisieren und die Gefahr mit sich bringen würde, dass Recyclingunternehmen ihre Verarbeitung zurückfahren oder einstellen müssten. „Eine Beschränkung des Marktzugangs für Recyclingunternehmen würde die Rentabilität direkt untergraben und die gesamte Wertschöpfungskette schädigen”, so der Verband.

Euric wies auch auf die möglichen Folgewirkungen horizontaler oder „erga omnes“-Zölle hin, etwa Druck auf Abfallentsorgungssysteme und Ressourcenverluste, die den Zielen der strategischen Autonomie der EU zuwiderlaufen. Auch Behörden, Industriezweige und Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) würden die Auswirkungen zu spüren bekommen, warnt die Recyclervereinigung.

In seiner eigenen Grundsatzerklärung, die Ende August veröffentlicht wurde, argumentierte European Aluminium, dass die EU-Exporte von Aluminiumschrott seit 2019 deutlich gestiegen sind. Nach Schließungen von Primäraluminiumwerken in der EU und einem erwarteten Anstieg der Nachfrage nach Aluminium auf mittlere Sicht befinde sich die europäische Aluminium-Wertschöpfungskette nun in einer „kritischen Situation“. Die Schwierigkeiten der Branche bei der Schrottbewirtschaftung seien durch einen „starken Anstieg der Schrottabflüsse” in die USA in den ersten fünf Monaten des Jahres 2025 „erheblich verstärkt” worden.

Auslöser für diesen Anstieg war laut European Aluminium die Einführung – und spätere Verdopplung – der Zölle gemäß Section 232 auf Stahl- und Aluminiumprodukte, die derzeit bei 50 Prozent liegen. Verarbeiteter Schrott ist von diesen Handelsmaßnahmen ausgenommen und unterliegt lediglich dem allgemeinen Einfuhrzoll von 15 Prozent für Importe aus der EU. Exportgebühren wären ein „notwendiges und wirksames Instrument, um diese wertvolle Ressource in Europa zu halten”, so der Verband der Aluminiumhersteller.

Euric widerspricht Darstellung steigender Aluminiumschrottexporte

Euric bestreitet die Behauptung der Metallindustrie, dass es zu einem Anstieg der Ausfuhren von Aluminiumschrott gekommen sei. Laut Eurostat-Daten sind die europäischen Aluminiumschrottexporte in Drittländer im ersten Halbjahr 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf insgesamt 638.000 Tonnen gesunken. Gleichzeitig legten die EU-Importe um rund vier Prozent auf 319.000 Tonnen zu. Die Ausfuhren in die USA haben sich in dieser Zeit zwar verdreifacht, machten mit etwa 11.000 Tonnen aber nur 1,7 Prozent der gesamten Aluschrottexporte aus.

Wie Euric betont, verbleiben etwa 80 Prozent des Aluminiumschrotts, der jedes Jahr in der EU recycelt wird, innerhalb der Union, um europäische Hütten zu versorgen. Rund 1,2 Mio Tonnen werden exportiert, während die europäischen Aluminiumproduzenten jährlich mehr als 650.000 Tonnen aus Ländern außerhalb der EU importieren. Die Nettoexportquote betrage damit nur zehn Prozent des gesamten recycelten Aluminiums. „Diese Daten widerlegen eindeutig die Behauptungen über Aluminiumschrottverluste und damit auch das Argument, dass Exporte die Verfügbarkeit von Aluminium in der EU beeinträchtigen“, heißt es im Euric-Positionspapier.

Ernsthafte wettbewerbspolitische Fragen

Euric hebt außerdem hervor, dass die meisten Länder mit ausgereiften Recyclingsektoren keine Exportkontrollen auferlegen und dass Forderungen nach Beschränkungen in erster Linie von Primäraluminiumproduzenten kommen. Der Verband warnt davor, dass eine Verlagerung der Debatte „von Verfügbarkeitsbedenken hin zu Preismanipulationen ernsthafte wettbewerbspolitische Fragen aufwirft“, insbesondere angesichts der Konzentration der Schmelzindustrie im Vergleich zum Recyclingsektor, der von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) dominiert wird.

Anstelle von restriktiven Maßnahmen fordert Euric die politischen Entscheidungsträger auf, die Zusammenarbeit entlang der gesamten Aluminium-Wertschöpfungskette zu verstärken und Maßnahmen zu ergreifen, die sowohl Recyclingunternehmen als auch Hersteller unterstützen. Der Verband betonte die dringende Notwendigkeit, „die tatsächlichen Ursachen der Verlagerung von CO2-Emissionen“ wie hohe Energiekosten durch Instrumente wie den CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) anzugehen, der „zukunftssicher“ sein sollte, um sicherzustellen, dass er den gesamten Sektor unterstützt.

Euric empfiehlt außerdem die Einführung stärkerer Anreize zur Förderung der Verwendung von recyceltem Aluminium in „strategischen Wertschöpfungsketten“ wie der Automobil-, Elektronik- und Luftfahrtindustrie. Solche Maßnahmen werden nach Verbandseinschätzung für eine stabile Nachfrage sorgen und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Binnenmarktes sichern.

„Die Einführung von Ausfuhrzöllen auf recyceltes Aluminium wird die Kreislaufwirtschaft der EU gefährden, den EU-Recyclern schaden und die gesamte Wertschöpfungskette destabilisieren”, schlussfolgerte Euric und fügte hinzu, dass nur kooperative und evidenzbasierte Lösungen einen widerstandsfähigen und nachhaltigen Aluminiumsektor gewährleisten würden.

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