
Das Aachener Start-up Cylib hat die Höhe der im vergangenen Jahr angekündigten Subventionen für den Bau seiner industriellen Batterierecyclinganlage im Chempark Dormagen bekanntgegeben: Über das nordrhein-westfälische Förderprogramm „Produktives.NRW“ fließen 26,1 Mio € aus EFRE/JTF-Mitteln der Europäischen Union in das Projekt. Schon im November war eine zweistellige Millionenförderung zugesagt worden, ohne dass konkrete Summen genannt wurden.
Die Mittel sollen den Angaben zufolge gezielt in die erste Ausbaustufe der neuen Anlage fließen, in der Schwarzmasse aus dem mechanischen Recycling von Altbatterien weiterverarbeitet wird, um daraus kritische Rohstoffe wie Lithium, Nickel, Kobalt, Mangan und Graphit zurückzugewinnen. Die von Cylib entwickelte Technologie setzt dabei auf einen „Lithium-first“-Ansatz: Das Metall wird bereits zu Beginn der Behandlung als Lithiumcarbonat extrahiert, was höhere Ausbeuten ermögliche und die nachfolgenden Prozessschritte flexibler mache, erklärte CTO Tobias Elwert beim International Battery Recycling Congress (ICBR) Mitte September in Valencia. Als weitere Vorteile des firmeneigenen, wasserbasierten „OLiC“-Verfahrens (Optimized Lithium & Graphite Recovery) nannte er den vergleichsweise geringen Chemikalienverbrauch, die Vermeidung großer Mengen an Salz-Nebenprodukten und die Kosteneffizienz im laufenden Betrieb.
„Wir konkurrieren mit asiatischen Playern, die große Anlagen und bessere Capex- und Opex-Bedingungen haben. Das macht es schwer, mitzuhalten“, sagte Elwert in Valencia. „Aber es ist wichtig, diesen Schritt der Skalierung vom Pilot zur ersten industriellen Anlage zu gehen. Wir müssen lernen, wie man solche Anlagen betreibt. Wenn wir das erfolgreich getan haben, wird es wichtig sein, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern.“
Der Bau im Chempark Dormagen hatte im September 2024 mit einem symbolischen Spatenstich begonnen. In der finalen Ausbaustufe soll die Anlage, deren Inbetriebnahme für 2027 geplant ist, pro Jahr bis zu 20.000 Tonnen Schwarzmasse aus rund 60.000 Tonnen E-Fahrzeug-Batterien verarbeiten. Die Recyclingeffizienz betrage bis zu 90 Prozent der kritischen Materialien aus Altbatterien, heißt es in der aktuellen Mitteilung des Unternehmens.
Cylib ist 2022 als Ausgründung der RWTH Aachen entstanden und beschäftigt inzwischen laut eigenen Angaben mehr als 120 Mitarbeiter. Im Mai 2024 hatte das Start-up eine Serie-A-Finanzierungsrunde über 55 Mio € abgeschlossen – mit Beteiligung von Investoren aus der Automobilbranche wie Porsche und Bosch. Nach Unternehmensangaben summieren sich die zugesagten Fördermittel mit der jetzt bestätigten Summe auf mehr als 27 Mio €.



