Entsorgung von Fischkadavern aus der Oder hat begonnen und birgt Herausforderungen

Das Fischsterben in der Oder gibt weiter Rätsel auf. Die Ursache, weshalb seit letzter Woche tausende verendete Fische auf dem Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen treiben, ist weiterhin ungeklärt. Parallel zu den laufenden Ermittlungen hat die Entsorgung der toten Wassertiere bereits begonnen.

Im an Polen grenzenden Landkreis Uckermark wurden die toten Fische in einer Verbrennungsanlage auf dem Gelände der PCK-Raffinerie in Schwedt entsorgt. Dort sei bereits am Sonnabend eine Tonne toter Fische angeliefert worden, berichtete der Anlagenbetreiber gegenüber EUWID. In den kommenden Tagen sollen dann weitere Lieferungen aus Frankfurt an der Oder und dem Landkreis Barnim folgen, ergänzte das Unternehmen.

Drei Container mit insgesamt 21 Tonnen Fischen, Müllbehälter mit weiteren 23 Tonnen sowie ein sieben Kubikmeter fassender Container mit weiteren Tierkadavern wurden bei der Verbrennungsanlage bereits registriert und sollen im Laufe der Woche abgeliefert werden.

Die angekündigten Mengen könnten die Raffinerie vor Herausforderungen stellen, erklärte das Unternehmen gegenüber EUWID. Auf längere Wartezeiten müssten sich die Anlieferer der Fische wohl einstellen. Die Entsorgung wird auch dadurch erschwert, dass es außer der PCK-Raffinerie in Schwedt auf deutscher Seite keine weitere Verbrennungsanlage in unmittelbarer Nähe zur Oder gibt. Lediglich auf der polnischen Seite des Flusses befinden sich nahe gelegene Verbrennungsanlagen, beispielsweise in Stettin.

Der BUND-Gewässerexperte Sascha Maier schätzt die Menge der in den vergangenen Tagen verendeten Fische in der Oder auf bis zu 100 Tonnen. Das sei eine Hochrechnung auf Grundlage der Meldungen über einzelne Sammelaktionen, sagte der Experte der Umweltorganisation am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Mit Ölsperren versuchen Feuerwehren, die toten Fische aufzufangen. Es soll dadurch verhindert werden, dass die Kadaver in das Stettiner Haff und die daran angrenzende Ostsee gelangen.

Des Weiteren merkten Behördenvertreter an, dass durch die verendeten Fische auch Schlangen oder Vögel angelockt würden. Dadurch könnten auch diese Tiere durch den Verzehr der verseuchten Fische Schaden nehmen, befürchtete Thomas Behrendt, Sprecher des Landkreises Märkisch-Oderland. Für Haustiere ist das Trinken aus dem Fluss untersagt. (Haustierhaltern wird dringend empfohlen, ihre Tiere nicht aus dem Fluss trinken oder sie darin baden zu lassen?)

Auch für Menschen besteht Gefahr. So verhängten viele Landkreise Badeverbote in der Oder.

Polnische Umweltministerin schließt
Schwermetalle als Ursache aus

Das staatliche polnische veterinärmedizinische Forschungsinstitut (PIWet) hat unterdessen Quecksilber und andere Schwermetalle als Ursache für das Fischsterben ausgeschlossen. Das geht aus einem Tweet der polnischen Umweltministerin Anna Moskwa hervor. Allerdings wiesen Analysen auf erhöhte Salzfrachten im Wasser hin, ergänzte die parteilose Politikerin.

„Der hohe Salzgehalt der Oder hat möglicherweise andere giftige Stoffe im Wasser oder im Bodensediment aktiviert. Die toxikologische Untersuchung der Fische wird dazu beitragen, eventuelle Schadstoffe festzustellen, die zum Tod der Tiere beigetragen haben“, erläuterte Moskwa.

Die polnische Polizei hat eine Belohnung von umgerechnet etwa 210.000 € für die Aufklärung des Fischsterbens ausgesetzt. Die Regierung des deutschen Nachbarlandes vermutet, dass der Fluss mit chemischen Abfällen verunreinigt wurde.

Beratungen zwischen deutschen und
polnischen Politikern

Deutschlands Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) nimmt derweil Polens Regierung bei der Aufklärung zu den Hintergründen des Fischsterbens in die Pflicht und will stärker mit dem Nachbarland zusammenarbeiten. Am vergangenen Sonntag hatte sich die Ministerin mit ihrer polnischen Amtskollegin Moskwa, Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel und mit Till Backhaus, Umweltminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern, getroffen. Lemke erklärte, dass Polen diverse Schwierigkeiten bei der Informationsübermittlung bereits eingeräumt habe.

„Die Expertinnen und Experten arbeiten mit Hochdruck an den Analysen, um schnellstmöglich herauszufinden, welche Stoffe und Ursachen zum massenhaften Sterben der Fische und zur Schädigung der Oder geführt haben. Das ist auch Voraussetzung, um die Verursacher schnellstmöglich finden zu können“, erklärte Lemke. (Eigener Bericht / dpa)

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