
Über den Bau eines Hafenterminals in Bremen für den Transport von CO2 soll im Herbst entschieden werden. Das teilte der Staatsrat im Wirtschaftsressort, Kai Stührenberg (Linke), auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Über das Terminal sollen Schiffe CO2 aufnehmen und zu Speicherstätten in der Nordsee bringen, beispielsweise nach Norwegen.
Die Technologie hinter dem Verfahren nennt sich Carbon Capture and Storage (CCS). Dabei wird CO2 zunächst abgeschieden, dann in Pipelines, Kesselwagen oder Tankschiffen zu Lagerplätzen transportiert und an Land und unter dem Meeresboden gespeichert. CCS soll angewandt werden, wenn Emissionen sich nicht vermeiden lassen.
Vor dem möglichen Bau eines Terminals in Bremen müssten technologische Fragen geklärt werden, sagte Stührenberg. „Wie kriegen wir das CO2 zum Hafen, wie speichern wir es dort und wie übertragen wir es auf das Schiff?“ Das Land müsse sich voraussichtlich an Kosten beteiligen. Zurzeit prüfe man, ob und für welchen Zeitraum sich das Vorhaben rentiere, denn langfristig wird der CO2 -Export voraussichtlich über Pipelines erfolgen. Eine Kostenschätzung liege bislang nicht vor.
Angedacht ist eine Zusammenarbeit mit dem Hafen-Logistiker BLG, der mehrheitlich der Stadt Bremen gehört. BLG betreibt den Neustädter Hafen in Bremen, wo das Terminal entstehen könnte. Stührenberg zufolge führt BLG zur Klärung dieser Fragen Gespräche mit möglichen Kunden, die CO2 verschiffen lassen möchten. „Das Interesse aus der Wirtschaft ist groß“, sagte Stührenberg. Namen der Unternehmen dürfe er nicht nennen. Es gehe aber um recht große Mengen an CO2. Die Bremer Regierung hatte im Koalitionsvertrag festgehalten, Pläne für ein CO2-Terminal im Neustädter Hafen zu erarbeiten.
Im niedersächsischen Wilhelmshaven planen das Energieunternehmen Wintershall Dea und der Tankterminal-Betreiber HES ebenfalls ein CO2-Terminal. Der Betrieb könnte 2029 beginnen.
Novelle des Kohlendioxidspeicherungsgesetz soll CCS ermöglichen
CCS war in Deutschland lange umstritten. Inzwischen hat es in der Bundesregierung einen Richtungswechsel gegeben: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warb dieses Jahr wiederholt für das Verfahren und es ist Teil der im Februar vorgestellten Eckpunkte für eine Carbon Management-Strategie sowie der Novelle des Kohlendioxidspeicherungsgesetzes. Laut Bundeswirtschaftsministerium ist das Verfahren zum Erreichen der Klimaschutzziele notwendig. Der strategische Fokus für den Einsatz von CCS liegt auf schwer oder nicht vermeidbaren Emissionen, wie den Emissionen aus Abfallverbrennungsanlagen. (dpa/eigener Bericht)



