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Schrottrecycler zwischen akuten Sorgen und großen Chancen in der Zukunft


Das neue BDSV-Präsidium (von links nach rechts):
Vizepräsident Stephan Karle, Schatzmeisterin Stefanie
Gottschick-Rieger, Präsident Andreas Schwenter.
25.11.2021 − 

Das zweite Jahr hintereinander musste die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) heute ihre Mitgliederversammlung coronabedingt in den virtuellen Raum verlegen. Und die Botschaften der Verbandsführung an die Schrottrecyclingbetriebe deuten auf weiterhin unruhige Zeiten hin: Anhaltende Lieferengpässe bei Vorleistungsgütern, stark anziehende Energiekosten, chronischer Mangel an Fachkräften und Lkw-Fahrern und nun auch noch drohende Handelshemmnisse durch die Revision der Abfallverbringungsverordnung – es gibt viele Faktoren, die die Stimmung der Branche momentan drücken können.

Entsprechend durchwachsen fällt auch die aktuelle BDSV-Mitgliederumfrage zu den Geschäftserwartungen im nächsten Jahr aus. 40 Prozent der befragten Unternehmen rechnen demnach für 2022 mit einer Verschlechterung ihrer persönlichen Geschäftslage und nur 14 Prozent mit einer Verbesserung. Zum Vergleich: Bei der Vorjahresumfrage erwartete immerhin ein Drittel eine Verbesserung und nur 13 Prozent eine Verschlechterung.

Personalmangel und steigende Energiekosten als größte Risiken

Gefragt nach der Relevanz aktueller Entwicklungen für die Recyclingbranche sehen die befragten Unternehmen die größten Probleme in den steigenden Energiekosten, dem Fachkräfte- und Lkw-Fahrermangel und den knappen Transportkapazitäten. Beim Thema Personal hat sich die Situation nach Angaben von BDSV-Präsident Andreas Schwenter gegenüber dem letzten Jahr sogar noch weiter zugespitzt. Bei der Umfrage gaben 81 Prozent der Befragten und damit nochmals zehn Prozent mehr als im Vorjahr an, Probleme zu haben, geeignetes Personal zu finden. Gleichzeitig wächst der Personalbedarf: 58 Prozent (Vorjahr: 26 Prozent) gaben an, mittelfristig neue Mitarbeiter einstellen zu wollen.

Durch Green Deal und Transformation der Stahlindustrie wird Schrottbedarf zunehmen

Grundsätzlich sei man für die Zukunft des Stahlrecyclings aber positiv gestimmt, erklärte BDSV-Geschäftsführerin Daniela Entzian. Denn durch den europäischen Green Deal, die Anpassung der Klimagesetzgebung und die Transformation der Stahlindustrie hin zu einer CO2-freundlicheren Stahlproduktion steige die Nachfrage nach Schrott, insbesondere nach qualitativ hochwertigem Schrott.

Dementsprechend sieht es BDSV-Präsident Schwenter auch nicht als Widerspruch, dass trotz der sich verschlechternden Geschäftserwartungen der Investitionswille der Verbandsmitglieder deutlich gestiegen sei. So gaben bei der Umfrage 43 Prozent der befragten Unternehmen an, höhere Investitionen zu planen, etwa in neue Sortiertechnik und Aufbereitungsaggregate. Gegenüber letztem Jahr liegt die Investionsbereitschaft damit mehr als doppelt so hoch. Schwenter sieht hierhin einerseits einen Nachholeffekt nach investitionsruhigen Jahren. Zum anderen gebe es aber auch deutlichen Bedarf für eine Verbesserung der Schrottqualitäten in der Zukunft. Schwenter: „Die Unternehmen haben den Spirit der Zeit erkannt. Wir müssen mehr für die Schrottqualitäten tun.“

Sorgen wegen drohender Handelshemmnisse und Forderung nach Schrottbonus

Sorgenvoll blickt die Schrottrecyclingbranche indes auf eventuelle künftige Handelshemmnisse im Zuge der von der EU angestrebten Revision der Abfallverbringungsverordnung. Da die EU-Kommission in ihrem letzte Woche veröffentlichten Vorschlag nicht zwischen gemischten oder gefährlichen Abfällen und Rohstoffen aus dem Recycling unterscheide, drohten dem Rohstoff Stahlschrott hohe Auflagen bei der Ausfuhr in Drittländer und damit Wettbewerbsnachteile sowohl gegenüber Primärrohstoffen als auch gegenüber Mitbewerbern aus Ländern, in denen Sekundärmetalle nicht dem Abfallregime unterliegen wie den USA. Gemeinsam mit dem Dachverband Euric will sich die BDSV noch für Änderungen des Entwurfs einsetzen.

Unter dem Motto „Klimaschutz wird aus Schrott gemacht“ fordert die BDSV zudem eine stärkere Würdigung des Recyclingbeitrags für den Klimaschutz. Bereits vor zwei Jahren hatte der Verband die Idee eines „Schrottbonus“ ins Spiel gebracht, der die gesellschaftlichen Vorteile durch die CO2-Einsparung einer schrottbasierten Stahlproduktion gegenüber der Stahlherstellung aus Erzen in Euro quantifiziert. Dieses vom Fraunhofer IMW im Auftrag der BDSV entwickelte Konzept wurde nun weiterentwickelt und operationalisiert. Die anlässlich der BDSV-Mitgliederversammlung vorgestellte neue IMW-Studie empfiehlt nun die vollständige Übernahme dieses Stahl-Schrottbonus in den europäischen Emissionshandel, um so Anreize für eine effiziente und klimafreundliche Stahlherstellung zu schaffen.

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