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Wittmann: "Fortbestand des Textilrecyclings erfordert Beitrag aller Beteiligten"

Martin Wittmann
Martin Wittmann
30.11.2020 − 

Im Gespräch mit EUWID geht der Vorsitzende des bvse-Fachverbandes Textilrecycling und bvse-Vizepräsident Martin Wittmann auf die Krise der Altkleiderbranche, auf die Folgen der Pandemie und die EU-weite Sammelpflicht für Alttextilien ab dem Jahr 2025 ein.

Sehr geehrter Herr Wittmann, die Altkleiderbranche steckt derzeit in einer sehr schwierigen Phase: Welche sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Faktoren, die zu dieser Krise geführt haben?

Unabhängig von der Pandemie kämpfen unsere Mitgliedsunternehmen mit den zunehmend schlechten Altkleider-Qualitäten, was die ohnehin stark eingeschränkten Absatzmöglichkeiten der gesammelten Ware zusätzlich schwierig macht. Gleichzeitig nimmt der Stör- und Fremdstoffanteil in den Sammelcontainern zu, welche die Sammelunternehmen teuer entsorgen lassen müssen. Mit den Massen an gesammelten Altkleidern sind wir schon vor Corona kaum fertig geworden und dann sind im Frühjahr im ersten Lockdown die Sammelmengen nochmals stark angestiegen, Die Textilrecycler stecken also unverschuldet gehörig in der Klemme.

Wo besteht aus Sicht Ihres Verbandes der dringendste Handlungsbedarf, um den Unternehmen – sowohl den Sammel- als auch Sortierunternehmen – eine zumindest mittelfristige Perspektive zu bieten?

Es gibt nicht die eine Stellschraube, die verändert worden muss. Wenn das erfolgreiche Modell des Textilrecyclings in Deutschland beibehalten werden soll, müssen alle Beteiligten einen Beitrag leisten. Klar ist, dass es ein „Weiter so“ nicht geben kann. Die Textilindustrie muss ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Design for Recycling ist ein Stichwort. Wir brauchen mehr Qualität, damit die Kleidung besser wiederverwendet werden kann und nicht einfach verbrannt werden muss. Ex und hopp ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Aber auch die Kommunen müssen mit ins Boot. Das zum Teil unerträgliche Gegeneinander führt zu nichts. Wir brauchen eine faire Zusammenarbeit vor Ort und auf Augenhöhe.

Es ist doch ganz klar, dass der Restmüll in Altkleidercontainern Fehlwürfe von Bürgerinnen und Bürgern sind. Das ist Abfall, der eigentlich in die Restmülltonne gehört und beseitigt werden muss. Diese Beseitigung ist auch schon über die Abfallgebühren bezahlt. Es handelt sich also nicht um eine zusätzliche Belastung der Kommunen, sondern um ihre Pflichtaufgabe, die über die Gebühren auch schon finanziert sind.

Die Coronakrise verschärft sich gerade wieder rasant. Unter den Eindrücken des Frühjahres: Wie wird sich diese so genannte zweite Welle auf ihre Branche auswirken, etwa auf Menge und Qualität der Sammelware, aber auch auf den Absatz an sortierter Bekleidung? Hat sich der Fast-Fashion-Trend durch Corona geändert? Und wie hat sich der Absatz an Second-Hand-Kleidung in eigenen Shops der Sortierer dieses Jahr entwickelt?

Auf die Menge und Qualität der Sammelware wird sich die zweite Welle hoffentlich nicht weiter negativ auswirken. Eine Trendumkehr durch die Pandemie ist nicht zu festzustellen. Wir gehen allerdings davon aus, dass die weltweiten Altkleidermärkte ebenso von einer zweiten Welle betroffen sind. Dann wird die Branche potentiell stärker betroffen sein, da dann Rücklagen und Finanzmittel, genau wie die letzten Lagerkapazitäten nahezu erschöpft sein werden.

Das ganze Interview mit Martin Wittmann lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 49/2020. Für Kunden unserer Premium-Angebote steht die Ausgabe bereits als E-Paper zur Verfügung:

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