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Wärme aus der MVA als industrielle Abwärme?

CO2 geschrieben in den Wolken
Wärme aus der Müllverbrennung: Klimaneutral per
Definition?
21.09.2021 − 

Sollte die bei der Müllverbrennung entstehende Wärme als industrielle Abwärme definiert werden? Darüber haben Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in der vergangenen Woche bei der VDI-Konferenz „Thermische Abfallbehandlung“ in Würzburg diskutiert.

Hintergrund ist die noch immer offene Frage, wie die Müllverbrennung im Rahmen der in den kommenden Jahren absehbar anziehenden Klimaschutzpolitik zu bewerten ist. Einerseits liefern Müllheizkraftwerke Strom und Wärme und sind damit insbesondere im Rahmen der kommunalen Fernwärmeversorgung wichtige Eckpfeiler für die regionale Versorgungsstrategie. Andererseits nehmen die Anlagenbetreiber einen Entsorgungsauftrag wahr, können sich also den Inputstrom nur bedingt aussuchen.

Multiple Funktion von Müllverbrennungsanlagen

In Folge dieser multiplen Funktion der Müllverbrennungsanlagen ist eine CO2-Bepreisung der thermischen Abfallbehandlung aus Sicht der Kritiker kaum sinnvoll, da aufgrund des Entsorgungsauftrags keine Lenkungswirkung erzielt wird. Befürworter einer CO2-Bepreisung argumentieren hingegen, dass eine weitere Befreiung der Anlagen nicht gerechtfertigt ist und die energetische Nutzung von fossilen Kohlenstoff in möglichst allen Fällen bepreist werden sollte. Das soll einerseits das Recycling stärken und andererseits Wettbewerbsgleichheit zur energetischen Verwertung von Ersatzbrennstoffen herstellen.

In diesem Zusammenhang warf Professor Peter Quicker von der RWTH Aachen in Würzburg die Frage auf, ob die thermische Abfallbehandlung nicht als industrielle Abwärme definiert werden sollte. Industrielle Abwärme entsteht prozessbedingt – ob man sie nun nutzt oder nicht – sie zu verwenden gilt daher als klimaneutral.

Europarechtlich wäre eine solche Definition durchaus zulässig, wie aus dem Vortrag von Ella Stengler vom europäischen Dachverband der MVA-Betreiber Cewep hervorging. Demnach wird die Abfallverbrennung in Anhang IX der europäischen Energieeffizienz-Richtlinie als ein Beispiel für die Nutzung von Abwärme genannt. Die Passage will die Kommission auch mit dem Fit-for-55-Paket nicht verändern.

CO2-Bepreisung in Europa: ein einziger Flickenteppich

Ohnehin ist die CO2-Bepreisung in Europa nicht einheitlich geregelt und stellt sich entsprechend als ein einziger Flickenteppich dar. Das wurde beim Vortrag von Cewep-Geschäftsführerin Ella Stengler deutlich.

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