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Umwelthilfe kritisiert Entsorgungsstandards bei Kühlgeräten


Die DUH nimmt erneut die Entsorgung von Kühlgeräten
ins Visier und kritisiert Hersteller massiv.
25.03.2021 − 

Die Deutsche Umwelthilfe hat den Umgang mit alten Kühlgeräten in Deutschland erneut heftig kritisiert. Keiner der zehn größten Kühlgerätehersteller könne eine Behandlung gemäß aktueller EU-Entsorgungsstandards garantieren. Dies habe eine aktuelle Umfrage ergeben, teilte die DUH heute mit. Durch die unsachgemäße Entsorgung der Altgeräte seien die Kühlgerätehersteller für Klimagasemissionen von umgerechnet einer Mio Tonnen CO2 pro Jahr verantwortlich. Längst verbotene, extrem klimaschädliche Gase wie FCKW gelangen durch die Nachlässigkeit der Hersteller noch immer in die Atmosphäre und belasten so nicht nur das Klima, sondern zerstören auch die Ozonschicht, gefährden die menschliche Gesundheit.

Laut einer Übersicht der DUH sind nur sechs von 18 Kühlgeräterecyclinganlagen in Deutschland entsprechend der EU-Standards zertifiziert: Die beiden Remondis-Anlagen in Lünen und Berlin, die Stena-Standorte in Baumholder und Wangerland sowie die SEG Umweltservice GmbH in Mettlach und die Noex AG in Grevenbroich. Bei der letzten Anlage sei die Zertifizierung zwar in der letzten Woche ausgelaufen, die Umwelthilfe geht hier aber von einer baldigen Neuzertifizierung aus.

Insgesamt sei trotz der niedrigen Zahl zertifizierter Anlagen eine positive Entwicklung zu beobachten, betonte DUH-Kreislaufwirtschaftsexperte Philipp Sommer heute in einer Online-Pressekonferenz. So seien vor wenigen Jahren erst drei Anlagen in Deutschland entsprechend zertifiziert gewesen. Ein Grund für den positiven Trend sei, dass in deutschen Anlagen auch Geräte aus dem Ausland verarbeitet werden und hierfür der Nachweis der Zertifizierungen oftmals schon notwendig sei.

Beispiele aus Tschechien und vielen anderen EU-Staaten würden zeigen, dass Hersteller beim Recycling alter Kühlgeräte nachweislich europäische Standards einhalten können. In vielen Ländern seien die Standards entweder gesetzlich geregelt oder würden von den Herstellern vorgegeben. Nur in Deutschland passiere nichts, da keiner der Hersteller den ersten Schritt wagt, so Sommer.

Bosch, Electrolux und Bauknecht größte Klimasünder

Die DUH fordert daher alle Hersteller in Deutschland auf, umgehend die europäischen Entsorgungsstandards einzuhalten. Allein die BSH Haushaltsgeräte GmbH mit den Marken Bosch, Siemens und Neff könnte dadurch nach Berechnung der Umwelthilfe 266.000 Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr vermeiden. Dahinter folgt die Electrolux Hausgeräte GmbH mit den Marken AEG und Electrolux mit 150.000 Tonnen im Jahr sowie Bauknecht mit jährlich 92.000 Tonnen.

Man habe im letzten Jahr die Geschäftsführenden der zehn größten Hersteller von Kühlgeräten persönlich angeschrieben und die notwendigen Schritte für ein klimagerechtes Recycling eingefordert, berichtet die DUH. Auf diese Forderungen habe bisher kein Hersteller mit konkreten Lösungsansätzen reagiert. Beispielsweise verweigerte der Hersteller Bosch auch nach mehrmaligem gezielten Nachfragen den Nachweis dafür, dass die beauftragten Recycler Kühlgeräte unter vollständiger Einhaltung der EU-Entsorgungsstandards verwerten. Auch AEG gebe zwar an, eine klimagerechte Entsorgung anzustreben, lasse diesen Worten aber keine Taten folgen.

„Bosch, Miele und AEG brüsten sich gerne mit ihrem Umwelt- und Klimaengagement. Ein Blick in die Praxis zeigt aber, dass die Hersteller ohne Not jährlich große Mengen extrem klimaschädlicher FCKW freisetzen, indem sie auf den europäischen Mindeststandard bei der Entsorgung verzichten. Dies nehmen die Hersteller zugunsten höherer Gewinne bewusst in Kauf“, kritisiert die stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.

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