|  
Wirtschaft» weitere Meldungen

Remondis-Geschäftsführer Herwart Wilms: „Niemand muss auf Dauer über zu wenig Wettbewerb klagen“

Remondis-Geschäftsführer Herwart Wilms
Sieht keine Wettbewerbsprobleme:
Remondis-Geschäftsführer Herwart Wilms.
09.02.2021 − 

Seit kurzem ist die Kartellrechtsnovelle in Kraft. EUWID sprach mit Remondis-Geschäftsführer Herwart Wilms über die Wettbewerbssituation in der Entsorgungswirtschaft.

Herr Wilms, im Januar ist die GWB-Novelle in Kraft getreten, ist der neue § 39a eine Remondis-Klausel?

Nein, das wäre ja auch verboten. Das neue Gesetz stellt nüchtern betrachtet eine deutliche Entbürokratisierung bei kleineren Akquisitionsprozessen dar und es wird auch die Kartellbehörden selbst entlasten. Wegen der Anhebung der Schwellenwerte sind rund 40 Prozent weniger Anmeldungen beim Bundeskartellamt zu erwarten. Ausnahmen sind gleichzeitig an sehr klare, strenge Voraussetzungen geknüpft. Es wird also für alle, also Verkäufer und Käufer, eher einfacher, während der Personalbedarf in der Behörde aufgrund deutlich sinkender Fallzahlen sinken sollte. Das Amt wird sich also auf das Wesentliche konzentrieren können. Das ist aber wahrscheinlich nicht der Entsorgungsmarkt.

Ein oft geäußerter Vorwurf ist ja, dass Remondis im Laufe der Zeit viele kleinere Unternehmen, die unter der Aufgreifschwelle des Kartellamtes lagen, zugekauft hat und seine Marktposition zulasten des Wettbewerbs stärken konnte. Was sagen Sie zu dieser Kritik?

Wenn man sich die Wachstumsschübe unserer großen Wettbewerber, wie zum Beispiel Lidl PreZero mit seinen gut 113 Mrd € Jahresumsatz anschaut, dann sieht man ganz sachlich, dass sie mit einer einzigen Akquisition mehr Umsatz zugekauft haben, als Remondis in den letzten 13 Jahren zusammen. In diesen letzten 13 Jahren lagen unsere Investitionen in nicht anmeldepflichtige Akquisitionen in Deutschland im Durchschnitt bei rund 13 Mio € Umsatzvolumen pro Jahr. Im Schnitt haben wir 6,5 kleine und mittlere Unternehmen jährlich in unsere Gruppe eingliedern dürfen, die unterhalb der Wahrnehmungsschwelle lagen. Keine einzige dieser Akquisitionen hat regional oder bundesweit zu einer beanstandungswürdigen Marktkonzentration geführt. 

Warum haben so viele kleinere Entsorger ihre Unternehmen an Remondis verkauft? Zahlt der Konzern so gut?

Wir bewegen uns immer im marktüblichen Preisgefüge. Die Gründe, warum Unternehmen verkauft werden, sind meistens ganz anderer Natur. Es handelt sich doch in der Regel um regionale Familienunternehmen, bei denen das eigene Lebenswerk und der damit verbundene wirtschaftliche Erfolg auch in einen Bildungserfolg der nachfolgenden Generation umgemünzt wurde. Die somit bestens ausgebildeten Kinder gehen dann beruflich oft andere Wege. Gleichzeitig besteht der Wunsch bei den Gründern, die Tradition eines Familienunternehmens auch nach dem Verkauf irgendwie weitergeführt zu wissen. Und genau dann werden häufig wir angesprochen, denn wir sind selbst ein reines Familienunternehmen. Wir sprechen dieselbe Sprache, wir verstehen den Markt und wir können dem Unternehmen, seiner Belegschaft und seinen Kunden eine gute Zukunft in Aussicht stellen. Das sind die Argumente, die am Ende zählen.

Wie sieht Remondis sich im Wettbewerb positioniert – national und international?

...

Das vollständige Interview mit Herwart Wilms lesen Sie in Ausgabe 06/2021 von EUWID Recycling und Entsorgung. Für Kunden unseres Premium-Angebots steht die Ausgabe ab 14 Uhr auch als E-Paper zur Verfügung:

E-Paper - EUWID Recycling und Entsorgung

Diesem Artikel zugeordnete Schlagworte:

zurück − Martin Becker-Rethmann wird CEO Germany bei Transdev

Kunststoffrecycler Fischer in Insolvenz  − vor