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„Sortenreine Getrenntsammlung ist der Dreh- und Angelpunkt für Bioabfallverwertung“

Bertram Kehres (li.) und sein Nachfolger als BGK-Vorsitzender, David Willken.
Bertram Kehres (li.) und sein Nachfolger als
BGK-Vorsitzender, David Willken.
08.09.2021 − 

Nach fast drei Jahrzehnten an der Spitze der Bundesgütegemeinschaft Kompost hat Dr. Bertram Kehres die Verantwortung an seinen Nachfolger weitergegeben. Im Gespräch mit EUWID zieht Kehres Bilanz und benennt die Erfolge wie auch die weiteren Herausforderungen der Bioabfallwirtschaft.

EUWID: Sehr geehrter Herr Dr. Kehres, Anfang August haben Sie nach 28 Jahren die Führung der Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK) an Ihren Nachfolger David Wilken übergeben. Ein guter Zeitpunkt, einerseits zurückzublicken, andererseits auch die anstehenden Aufgaben der Bioabfallwirtschaft mit ihrem breiten Erfahrungsschatz zu benennen.

Zunächst der Blick zurück: Was waren aus Ihrer Sicht die Meilensteine der Bioabfallwirtschaft in Deutschland? Gab es auch bedeutende Irrtümer, die inzwischen korrigiert wurden?

Bertram Kehres: Mit dem Gebot der Getrenntsammlung wurde die Grundlage zur Gewinnung von Bioabfällen gelegt, die eine akzeptable Inputqualität aufwiesen. Die Ära der Mischmüllkompostierung war damit beendet. Ich denke, dass dies der erste und auch bedeutendste Meilenstein war.

Die TA-Siedlungsabfall war aufgrund des Ausschlusses der Deponierung organischer Abfälle in den 90er Jahren ein weiterer Treiber für die getrennte Erfassung der Bioabfälle. Kompostierung war schließlich preiswerter als Verbrennung.

Und natürlich war die Gründung der BGK ein Meilenstein. Die RAL-Gütesicherungen der BGK haben zum Ansehen und zum Vertrauen in die Produkte der Bioabfallwirtschaft wesentlich beigetragen.

Ja, auch Irrtümer gab es immer wieder. Wohlmeinende und weniger wohlmeinende. Zu den ersteren zähle ich etwa den Hype um die Biokohle. Diese Entwicklung hat sich, als die Forschungs’kohle‘ nicht mehr floss, in der Praxis dann von selbst erledigt. Weniger wohlmeinende ‚Irrtümer‘ waren etwa zahlreiche vermeintliche ‚Gefahren‘, die mit der Bioabfallverwertung in Verbindung gebracht wurden. Vom ‚Krebstod aus der Biotonne‘ bis zur BSE-Krise. Da musste tatsächlich einiges gerade gerückt werden. Bei näherer Betrachtung ging es dann gar nicht um die Sache. Häufig wurden die ‚Aufreger‘ von Protagonisten in die Welt gesetzt, die sie für eigene Zwecke zu instrumentalisieren wussten.

Stichwort Novelle der Bioabfallverordnung: Sie hatten im Hinblick auf die Qualität der Komposte stets die Verantwortung der entsorgungspflichtigen Körperschaften und deren Qualitätsmanagement für die Sammlung betont: Sehen Sie diesen Ansatz in der Novelle berücksichtigt, wie sollte sich dies darin niederschlagen?

Wenn wir von der derzeit bekannten Version der Novelle ausgehen, die der Verbändeanhörung im Januar zugrunde gelegen hat, ist die Verantwortung der Gebietskörperschaften dort praktisch unberücksichtigt. Inzwischen hat das BMU die Stellungnahmen der Länder und Verbände allerdings ausgewertet und ich bin zuversichtlich, dass Regelungen eingebaut werden, die im Fall stark verunreinigter Bioabfälle auch Rückwirkungen auf die für die Getrenntsammlung Verantwortlichen haben.

Seitens der BGK haben wir etwa einen Wert von drei Prozent Fremdstoffen vorgeschlagen, bei dem der Behandler derart stark verunreinigte Bioabfälle abweisen kann und soll. Ziel der sammelpflichtigen Gebietskörperschaften sollte es sein, in allen Erfassungsgebieten auf weniger als ein Prozent Fremdstoffe zu kommen. Dies entspricht auch der Forderung des Abfalltechnikausschusses der LAGA. In nicht wenigen Erfassungsgebieten bedeutet dies, dass nicht nur die Abfallberatung intensiviert werden muss. Es sind auch regelmäßige Kontrollen der Sortenreinheit der Biotonneninhalte erforderlich.

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Das vollständige Interview mit Dr. Bertram Kehres lesen Sie in Ausgabe 36/2021 von EUWID Recycling und Entsorgung. Für Kunden unserer Premium-Angebote steht die Ausgabe auch als E-Paper zur Verfügung.

E-Paper - EUWID Recycling und Entsorgung

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