|  
Wirtschaft» weitere Meldungen

„So wie es ist, kann es nicht bleiben“

Bernard Kemper und Michael Wiener
EEW-Chef Bernard Kemper (li.) und DSD-Chef
Michael Wiener.
03.08.2021 − 

Der Systembetreiber DSD und der Anlagenbetreiber EEW wollen gemeinsam in das chemische Recycling von Kunststoffabfällen einsteigen. Dafür wollen beide Unternehmen ein Joint Venture gründen und ein Verfahren erarbeiten, um in einer gemeinsam zu betreibenden Anlage 200.000 Tonnen Kunststoffabfälle – Sortierreste aus dem dualen System und Kunststoffe aus dem Restmüll – für die Pyrolyse aufzubereiten.

EUWID sprach mit EEW-Chef Bernard Kemper und DSD-Chef Michael Wiener über das konkrete Projekt, über das chemische Recycling und warum sich die Entsorgungswirtschaft verändern muss.

EUWID: Wer von Ihnen ist denn auf die Idee gekommen, beim chemischen Recycling zusammenzuarbeiten?

Bernard Kemper: Manchmal entwickeln sich Ideen ziemlich kongruent und gleichzeitig. Nämlich dann, wenn man sich mit Kollegen zu Themen auseinandersetzt und dann eben auch darüber spricht, was sich eigentlich verändern muss. Alles unter dem Begriff Nachhaltigkeit zu packen und daraus keine Maßnahmen abzuleiten, hilft nicht. Daraus ist diese Idee entstanden und die haben wir auch während der Lockdowns in den Hochphasen der Coronazeit immer weiterentwickelt. In sehr persönlichen Gesprächen, in einem sehr kleinen Kreis.

Wissen Sie schon, wo möglicherweise eine Aufbereitungsanlage gebaut werden könnte?

Kemper: Zu den großen Vorteilen der EEW gehören die vielen Standorte in Deutschland. An all diesen Standorten wird Energie gewonnen. Und wir haben an unseren Standorten eine sehr enge Anbindung an unsere Kunden und Lieferanten. Von daher gibt es noch eine größere Auswahl. Wir haben uns noch nicht konkret festgelegt, aber es wird ein EEW-Standort sein.

Michael Wiener: Auch die logistischen Vorteile machen die vielen EEW-Standorte attraktiv. Denn wir müssen die Inputströme in eine vernünftige logistische Relation zum Aufbereitungsstandort bringen.

...

Wie hoch werden voraussichtlich die Kosten für die Aufbereitung und den Transport sein? Glauben Sie, dass das wirtschaftlich ist?

Wiener: Die Wirtschaftlichkeit wird sich ganz wesentlich über den Erlös des Pyrolyseöls rechnen müssen. Ich glaube, das ist das Material, was wir deshalb auch in der Lohnaufbereitung am Ende selbst in die Vermarktung übernehmen wollen, um es dann insbesondere auch den Markeninhabern und Inverkehrbringern anzubieten. Die können das dann ihren Convertern oder aber ihren Vorlieferanten zuspielen. Also der Erlöspreis für das Pyrolyseöl ist die entscheidende wirtschaftliche Messgröße.

Nach unseren Berechnungen müssten die Kosten mindestens 180 € pro Tonne betragen.

Wiener: Das ist nicht völlig von der Hand zu weisen. Deshalb auch die 200.000 Tonnen Durchsatz, denn wir wollen die spezifischen Kosten durch eine entsprechende Anlagengröße senken. Und im Bereich duales System haben wir die Möglichkeit gewisser Gestaltungen von Zuschnitten und Material. Also da wollen wir einen Weg finden, dass wir nach der klassischen Sortierung nicht noch einmal mit hohem Aufwand in das Material reingehen müssen. Idealerweise wollen wir im ersten Sortierschritt schon eine solche Qualität bekommen, dass wir den Aufwand nur ein Mal betreiben.

...

Ist denn der ökologische Rucksack für das chemische Recycling wirklich so viel kleiner als bei der Verbrennung?

Kemper: Wir sind ja thermische Abfallverwerter und wir könnten jetzt sagen: „Alles zu uns“. Das widerspricht natürlich der Abfallhierarchie und jedem Gedanken für eine sinnvolle Kreislaufwirtschaft. Das heißt aber auch: Wir bewegen uns an einer Stelle im Markt, die noch dringend neuer Technologien und Ansätze bedarf. Wenn wir unseren Anlagen also 100.000 Tonnen entziehen, dann, weil wir in Folge andauernder Nachhaltigkeits- und CO2-Debatten sehen, dass wir uns in unserem Denken und damit auch in unserem Geschäftsmodell verändern müssen. So wie heute geht es nicht mehr weiter.

...

Das vollständige Interview mit Bernard Kemper und Michael Wiener lesen Sie in Ausgabe 31/2021 von EUWID Recycling und Entsorgung. Für Kunden unseres Premium-Angebots steht die Ausgabe bereits als E-Paper zur Verfügung:

E-Paper - EUWID Recycling und Entsorgung

Diesem Artikel zugeordnete Schlagworte:

zurück − ZVEI: Komplexe Märkte sowie Mängel bei Meldungen Ursache für geringe B2B-Mengen

Illegale Abfallentsorgung nach Polen: Behörde identifiziert mehr als 30 Standorte  − vor