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Scholz wegen geringerer Nachfrage und sinkenden Preisen mit rückläufigen Zahlen


Scholz hat im letzten Jahr weniger Stahlschrott abgesetzt.
15.04.2020 − 

Der Stahlschrottrecycler Scholz musste im Geschäftsjahr 2019 Einbußen bei Umsatz und Gewinn hinnehmen. Die Muttergesellschaft Chiho Environment meldet für das letzte Jahr Erlöse von 12,17 Mrd Hongkong-Dollar im Europageschäft. Das entspricht einem Rückgang um fast 20 Prozent zum aktuellen Wechselkurs oder um 15 Prozent in lokalen Währungen, teilte der chinesische Konzern Ende März mit. Der Gewinn des Segments lag bei 380 Mio Hongkong-Dollar und damit bezogen auf den aktuellen Wechselkurs um 14 Prozent unter dem Vorjahreswert. In lokalen Währungen gerechnet soll das Minus hingegen nur sieben Prozent betragen haben.

Auf Basis der aktuellen Umrechnungskurse würde sich aus den Zahlen ein Umsatz von rund 1,4 Mrd € sowie ein Gewinn von etwa 44 Mio € ergeben. Das Unternehmen betonte jedoch auf Anfrage, dass die veröffentlichten Zahlen nicht ohne Weiteres in Euro umgerechnet werden könnten. Das Ergebnis werde nach den Richtlinien der Börse in Hongkong konsolidiert und enthalte verschiedene Währungen vor dieser Konsolidierung. Außerdem seien die gemeldeten Zahlen noch nicht abschließend geprüft.

Nachfrage und Tonnage 2019 rückläufig

Die abgesetzte Tonnage der europäischen Aktivitäten lag im Jahr 2019 bei 4,09 Mio Tonnen und damit um fast sieben Prozent unter dem Vorjahreswert, berichtet Chiho weiter. Die Nachfrage habe stark unter der schwachen europäischen Automobil- und Maschinenbauindustrie gelitten, welche die Effekte des Handelskrieges zwischen den USA und China zu spüren bekam. Außerdem wurde die Nachfrage in Europa durch geringere Exporte nach China aufgrund der dortigen Importbeschränkungen für bestimmte Altmetalle beeinträchtigt.

Die Scholz-Gruppe sei weiterhin der wichtigste Gewinntreiber und habe vor allem aufgrund geringerer Betriebskosten sowie rückläufiger Nettofinanzkosten und Steuern erneut einen positiven Beitrag zum Ergebnis des Konzerns leisten können, stellt Chiho heraus. „Scholz hat sich innerhalb des Jahres 2019 weiter verbessert und einen positiven Beitrag zum Ergebnis der Gruppe geleistet“, erklärte der neue Geschäftsführer Rafael Suchan.

Der positive Ergebnisbeitrag der europäischen Aktivitäten konnte jedoch nicht den Einbruch der Chiho-Geschäfte auf dem chinesischen Heimatmarkt ausgleichen. Die Umsätze aus der Region Asien, die im letzten Jahr noch hauptsächlich die Geschäfte in China betrafen, gingen um fast die Hälfte auf rund 2,0 Mrd € Hongkong-Dollar zurück. Die Verkaufstonnage gab um etwa ein Viertel auf 230.000 Tonnen nach und auch die Schrottpreise seien rückläufig gewesen, heißt es. Unter dem Strich stand für die Aktivitäten in Asien 2019 ein Verlust von über 170 Mio Hongkong-Dollar.

Auswirkungen der Coronakrise für Schrottrecycler noch nicht absehbar

Die gegenwärtigen Einschränkungen der Wirtschaftstätigkeit durch die Ausbreitung des Coronavirus betreffen auch den Schrottmarkt in erheblichem Umfang. Die Stahlwerke in Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern haben die Nachfrage nach Schrott zuletzt deutlich zurückgefahren, die Preise sind dadurch Mitte März plötzlich und sehr stark gefallen. Die weitere Entwicklung ist für alle Marktteilnehmer von großer Unsicherheit geprägt. Die aktuelle Coronakrise stelle eine große Herausforderung für Beschäftigte und Geschäftspartner dar, heißt es daher auch von Seiten des Essinger Stahlschrottrecyclers.

„Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass wir für eine funktionierende Entsorgungs- und Kreislaufwirtschaft relevant sind, und wir tun unser Bestes, um unsere Kunden, die noch produzieren, und diejenigen, die hoffentlich bald wieder produzieren können, zu unterstützen“, betonte Suchan, der seit März sowohl die Geschäfte von Scholz als auch die der Muttergesellschaft Chiho Environment führt.

Prognose für 2020 aktuell nicht möglich

Eine Prognose zur Entwicklung der Geschäfte im laufenden Jahr traut sich der chinesische Stahl- und Metallrecyclingkonzern aktuell nicht zu. Die Auswirkungen von Covid-19 auf die Finanzergebnisse ließen sich gegenwärtig nicht zuverlässig schätzen, da die Pandemie noch nicht vollständig ausgebrochen sei und sich die aktuelle Situation daher noch immer laufend ändere, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens weiter.

Den kompletten Bericht zur Geschäftsentwicklung von Scholz und seiner chinesischen Muttergesellschaft Chiho lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 16/2020. Für Kunden unseres Premium-Angebots steht die Ausgabe bereits als E-Paper zur Verfügung:

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