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Sammelquote für Altgeräte in Deutschland weiter unter 45 Prozent


Weniger als ein Prozent der erfassten Altgeräte ging 2019
in Deutschland in die Vorbereitung zur Wiederverwendung.
17.02.2021 − 

Trotz einer insgesamt um elf Prozent gestiegenen Erfassungsmenge an Elektro- und Elektronikaltgeräten lag die Sammelquote in Deutschland auch 2019 unter 45 Prozent. Darauf deuten zumindest aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu den in der Erstbehandlung angenommenen Altgeräten hin.

Die insgesamt recycelte, verwertete und beseitige Menge an E-Schrott lag demzufolge 2019 bundesweit mit über 947.000 Tonnen um insgesamt 94.000 Tonnen höher als im Jahr zuvor. Die von Destatis ausgewiesene Menge der in die Erstbehandlung gegebenen Altgeräte stimmte in den letzten Jahren mit den vom Bundesumweltministerium nach Brüssel gemeldeten Zahlen zur E-Schrottsammlung für Deutschland überein. Auf Basis einer Gesamtsammelmenge von 947.000 Tonnen ergibt sich somit für 2019 eine Sammelquote von 44,3 Prozent. Der Vorjahreswert von 43,7 Prozent wurde somit nur geringfügig übertroffen.

Viel schwerer wiegt aber, dass das ab 2019 erstmals geltende neue Mindestsammelziel der EU in Höhe von 65 Prozent deutlich verfehlt wurde. Zur Erreichung dieses Ziels hätten rund 440.000 Tonnen Altgeräte mehr in den offiziellen Sammelkanälen ankommen müssen. Da die in Verkehr gebrachte Menge an Neugeräten aber auch 2019 weiter stark gestiegen ist und Gerätehersteller im Zuge der Coronakrise für das vergangene Jahr von Absatzrekorden bei Groß- und Kühlgeräten berichten, dürfte die Lücke zwischen Sammelziel und erfasster Menge eher Richtung einer halben Million Tonnen gehen.

Vorschläge zur Steigerung der Sammelmengen bei der Novelle des ElektroG

Mit der aktuell laufenden Novelle des ElektroG strebt das Bundesumweltministerium insbesondere eine Steigerung der Sammelmengen an. Dazu soll die Rücknahmepflicht im Handel auch auf Lebensmitteldiscounter ausgeweitet werden, sofern sie zumindest gelegentlich Elektrogeräte im Sortiment führen. Welche Händler davon genau betroffen sind und welche Regeln im Detail für die Rückgabe von Altgeräten gelten, ist aber noch offen, da das Gesetzgebungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Nachdem sich zuletzt der Bundesrat mit dem Entwurf beschäftigt hat, steht als nächstes die Beratung im Bundestag an.

Dort dürfte dann auch darüber diskutiert werden, ob Betreiber von Erstbehandlungsanlagen künftig auch eigenständig und ohne Drittbeauftragung Altgeräte sammeln dürfen. Die privaten Entsorgerverbände sehen hierin eine weitere Möglichkeit zur Steigerung der Erfassungsmengen. Der Umweltausschuss im Bundesrat hatte hingegen – letztlich erfolglos – darauf gedrängt, diese Möglichkeit im Gesetz wieder zu streichen, da hierdurch der gewerblichen Sammlung die Tür geöffnet werde und ein Abfluss weiterer Altgerätemengen in illegale Kanäle zu befürchten sei.

Immer weniger Altgeräte in der Wiederverwendung

Anders als bei der Erfassung wurden die europaweiten Mindestvorgaben zur Verwertung der Altgeräte auch im Jahr 2019 in Deutschland erreicht. Sowohl das Gesamtverwertungsziel als auch die separaten Recyclingquoten wurden für alle Gerätekategorien zum Teil deutlich übertroffen. Die Recyclingquote beinhaltet dabei auch die in die Vorbereitung zur Wiederverwendung gegebenen Mengen. Hier weist das Statistische Bundesamt in seinen aktuellen Daten eine rückläufige Menge von einem ohnehin schon sehr geringen Niveau aus. So wurden 2019 lediglich rund 9.000 Tonnen an Altgeräten oder Bauteilen in die Vorbereitung zur Wiederverwendung gegeben – weniger als ein Prozent der insgesamt erfassten Menge. In der Kategorie der Wärmeüberträger, zu der vor allem Kühlschränke gehören, wurden von über 150.000 Tonnen erfassten Altgeräten lediglich rund 100 Tonnen zur Wiederverwendung vorbereitet – also noch nicht mal jedes tausendste Gerät.

Der Bundesrat hat sich in seiner letzten Sitzung für eine deutliche Stärkung der Wiederverwendung ausgesprochen. Bei der Novelle des ElektroG sollte daher eine separate Quote für die Vorbereitung zur Wiederverwendung in Höhe von zehn Prozent aller erfassten Elektro- und Elektronikaltgeräte eingeführt werden, fordert die Länderkammer. Angesichts der aktuellen Zahlen müssten also mehr als 80.000 Tonnen E-Schrott zusätzlich für die Wiederverwendung vorbereitet werden.

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