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Personalnot: „Der Mittelstand stirbt aus, wenn er sich nicht mit New Work beschäftigt“

Mann im T-Shirt im Homeoffice vor dem Computer am Schreibtisch.
Personalnot: HR-Berater empfehlen Remote-Work
und Homeoffice.
22.11.2021 − 

Die Personalnot in der deutschen Entsorgungswirtschaft hat sich im Zuge der Corona-Pandemie noch einmal deutlich verschärft. Betroffen sind zunehmend kleinere und mittlere Betriebe der Branche, berichten Personal- und Managementberater gegenüber EUWID. Ein Grund sei, dass aus ihrer Sicht der Mittelstand nur unzureichend auf den Wandel in der Arbeitswelt vorbereitet sei.

„Der Mittelstand der Entsorgungswirtschaft wird aussterben, wenn er sich nicht mit dem Thema New Work beschäftigt", sagte die Organisations- und Managementberaterin Judith Müller.

Hintergrund ist der demographische Wandel. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen zunehmend in Rente und weniger Menschen rücken in den Arbeitsmarkt nach. Das hat dramatische Auswirkungen: Nach einer Vorausberechnung des Statistischen Bundesamtes sinkt die Zahl der Erwerbstätigen von 43,6 Mio im Jahr 2019 auf 33,3 Mio im Jahr 2060. Die Entwicklung sei nur durch eine dauerhaft hohe Nettozuwanderung von über 300.000 Personen pro Jahr aus dem Ausland sowie eine Steigerung der Erwerbsbeteiligung – etwa durch Frauen – abzumildern, schreiben die Statistiker.

Auch die Entsorgungswirtschaft ist von diesem Wandel massiv betroffen. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter in der Abfallbranche liegt nach einer Untersuchung des Instituts für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management (INFA) bei rund 50 Jahren.

Corona-Pandemie als Brandbeschleuniger

Das Personalproblem ist also keine neue Situation – die Entwicklung war und ist in Teilen voraussehbar. Doch die Corona-Pandemie wirkt wie eine Art Brandbeschleuniger, weil im Zuge der Lockdowns der vergangenen Jahre viele große Unternehmen und Konzerne ihre IT modernisiert und ihre Arbeitsmodelle überarbeitet haben.

Homeoffice und "New Work" haben sich in vielen Fällen als so effizient erwiesen, dass nun viele Unternehmen dabei bleiben wollen: 65 Prozent der Unternehmen in Deutschland wollen nach einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young flexible Arbeitszeitmodelle auch nach der Pandemie beibehalten. "Das ist eine kluge Entscheidung", sagte Thomas Tettinger von der HR Expertgroup, einer unter anderem auf die Entsorgungswirtschaft spezialisierten Personalberatung. "Denn der Bedarf an Fachkräften steigt weiter und der Markt hat sich inzwischen komplett zugunsten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gedreht: Sie suchen sich aus, wo sie arbeiten wollen."

Homeoffice erhöht die Reichweite von Kandidaten

Tettinger empfiehlt, mehr auf "Remote Work", also die Möglichkeit zum Homeoffice zu setzen. "In einem sowieso schon knappen Markt erhöht das die Reichweite von Kandidatinnen und Kandidaten. Das ist gerade in den Landkreisen ganz wichtig, wo heute schon 70 Prozent der Unternehmen mit Schwierigkeiten rechnen, neue Mitarbeiter zu finden." Und das in einer Situation, in der nach der Erhebung von Ernst & Young sechs von zehn Kandidaten nicht dazu bereit sind, für einen Job umzuziehen.

Natürlich sind viele Berufe in der Entsorgungswirtschaft nicht "Homeoffice-fähig". Ob Sammlung, Sortierung, Aufbereitung oder Verwertung: im gewerblichen Bereich müssen viele Mitarbeiter von Entsorgern ihre Touren fahren oder in die Anlage arbeiten. Allerdings gibt es Potenziale, die gehoben werden könnten: Laut einer Studie des Münchner Ifo-Instituts aus dem letzten Jahr hat die Entsorgungswirtschaft ein durchaus beachtliches Homeoffice-Potenzial von 46 Prozent. Das passe zu den Bedürfnissen vieler Nachwuchskräfte.

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