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Klärschlammentsorgung: UBA rechnet mit ausgeglichenem Markt im Jahr 2029

Faultürme und Klärbecken
Klärschlammentsorgung: Der Markt ist bis zum Ende
des Jahrzehnts ausgeglichen, so das UBA.
22.06.2021 − 

Das Umweltbundesamt (UBA) geht davon aus, dass der Entsorgungsmarkt für Klärschlamm im Jahr 2029 ausgeglichen sein wird und genügend Kapazitäten zur thermischen Behandlung zur Verfügung stehen werden. Das ist eine Kapazitätsprognose zu entnehmen, die Patric Heidecke vom UBA bei den DWA-Klärschlammtagen präsentiert hat. An der Ausarbeitung der Prognose waren Falko Lehrmann von der Innovatherm GmbH und die Dr. Six Unternehmensberatung beteiligt.

In der Prognose gehen die Autoren davon aus, dass das Klärschlammaufkommen in den kommenden Jahren stabil sein wird und sich gegenüber der aktuell zu entsorgenden Menge kaum Veränderungen ergeben. So nahmen Heidecke und seine Co-Autoren an, dass im Jahr 2029 etwa 1,7 Mio Tonnen Klärschlamm-Trockenmasse entsorgt werden müssen. Für die thermische Behandlung in Monoverbrennungsanlagen soll am Ende des Jahrzehnts eine Klärschlammmenge von 1,36 Mio Tonnen pro Jahr zur Verfügung stehen.

Zehn Prozent wird weiterhin landwirtschaftlich verwertet

Bei rund zehn Prozent der anfallenden Klärschlämme – immerhin rund 170.000 Tonnen – gehen die Autoren davon aus, dass hier auch nach 2029 noch eine landwirtschaftliche Verwertung erfolgen kann und erfolgen wird, sofern sich die Vorgaben des Düngerechts einhalten lassen. Heidecke äußerte sich in seinem Vortrag kritisch hinsichtlich einer bodenbezogenen Verwertung über 2029 hinaus. Die direkte landwirtschaftliche Nutzung von Klärschlämmen sei zwar nach der Klärschlammverordnung möglich, sollte aber aus Gründen des vorsorgenden Boden- und Gesundheitsschutzes vollständig beendet werden.

Weitere 170.000 Tonnen dürfen ohne eine nachgelagerte Phosphor-Rückgewinnung mitverbrannt werden, wenn es sich um phosphorarmen Klärschlamm mit weniger als zwei Masseprozent Phosphor handelt oder weil der Phosphor mit entsprechenden Rückgewinnungsverfahren bereits vor der Verbrennung aus dem Klärschlamm zurückgewonnen wird. Derartige Klärschlämme können beispielsweise im Zementwerk oder einer Müllverbrennungsanlage mitverbrannt werden kann. In der Summe reduziert sich damit die für Monoverbrennungsanlagen zur Verfügung stehende Menge an Klärschlamm-Trockenmasse um 340.000 Tonnen auf 1,36 Mio Tonnen.

Das UBA geht nicht davon aus, dass alle derzeit geplanten Anlagen realisiert werden

Die Gefahr von Überkapazitäten im Markt hält das Umweltbundesamt für überschaubar. Denn beim UBA in Dessau-Roßlau geht man davon aus, dass wahrscheinlich nicht mehr als 80 Prozent der derzeit in Planung befindlichen Monoverbrennungskapazitäten auch tatsächlich realisiert werden.

Gründe hierfür könnten beispielsweise begrenzte Anzahl an planenden und ausführenden Unternehmen sein, langwierige Genehmigungsprozesse mit Öffentlichkeitsbeteiligung oder Vorgaben auf kommunalpolitischer Ebene sein, sagte Heidecke im Gespräch mit EUWID. Manche kommunalen Kooperationen verfügten zudem noch immer über keinen konkreten Standort für die projektierte Anlage, was eine Realisierung zunehmend unwahrscheinlicher mache.

Einen ausführlichen Artikel inklusive Tabellen zur Prognose der Klärschlamm-Behandlungskapazitäten lesen Sie in Ausgabe 25/2021 von EUWID Recycling und Entsorgung. Für Kunden unseres Premium-Angebots steht die Ausgabe bereits als E-Paper zur Verfügung:

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