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Klärschlamm: RWE nimmt MFC-Versuchsanlage in Betrieb

MFC-Inbetriebnahme
vl.n.r.: RWE-Vorstand Lars Kulik, FuE-Leiter Tilman
Bechthold, Staatssekretär Christoph Dammermann und
Prof. Eckhard Weidner.
07.07.2021 − 

Der Energieversorger RWE testet bei der Klärschlammverwertung neue Wege. Gestern haben die Essener zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) sowie der Ruhr-Universität Bochum eine neue Forschungsanlage am Innovationsstandort in Niederaußem in Betrieb genommen. Die Multi-Fuel-Conversion-Anlage (MFC) soll zum einen Phosphor aus Klärschlamm zurückgewinnen und zum anderen Klärschlamm und andere Brennstoffe in Synthesegas umwandeln. 

In der Anlage werden nach Angaben von RWE Gemische von Klärschlamm, Klärschlamm-Asche und Braunkohle hohen Temperaturen um 1.500 Grad Celsius und starkem Sauerstoffmangel ausgesetzt. Auf diese Weise wollen die Projektpartner gasförmigen Phosphor freisetzen, der – möglichst rein abgeschieden – zu Phosphorsäure verarbeitet werden kann.

6,7 Mio € teure Forschungsanlage

"RWE Power hat viel Erfahrung mit Techniken zur Umwandlung fester Brennstoffe zu gasförmigen Stoffgemischen, die sich hervorragend für die Produktion von Chemiegrundstoffen eignen", sagte RWE-Vorstand Lars Kulik bei der feierlichen Inbetriebnahme der 6,7 Mio € teuren Forschungsanlage.

Das Projekt ist Teil des virtuellen "Innovations- und Technologiezentrums zur stofflichen Nutzung nachhaltiger Kohlenstoffquellen" (ITZ-CC), einem Kooperationsprojekt von RWE, Fraunhofer Umsicht und der Ruhr-Universität Bochum. Gefördert wird das ITZ-CC durch das Wirtschaftsministerium. "Das Vorhaben in Niederaußem hat großes Potenzial, die Kreislaufwirtschaft in unserem Land weiter voranzubringen", sagte der nordrhein-westfälische Wirtschaftsstaatssekretär Christoph Dammermann (FDP).

Rückgewinnung von Kohlenstoff für die chemische Industrie

Professor Eckhard Weidner von der Ruhr-Universität Bochum und dem Fraunhofer Umsicht betonte in seinem Vortag die Kohlenstoff-Rückgewinnung als den zweiten großen Aspekt des MFC-Projekts. Denn im Rahmen des MFC-Verfahrens entsteht Synthesegas – eine Mischung aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid. Dieses Synthesegas kann als Rohstoff für die Produktion von Wasserstoff dienen, aber auch zur Herstellung von Methanol, Methan, Kunststoffen, Treibstoffen und weiteren Einsatzstoffen für die chemische Industrie eingesetzt werden.

"Die Industriegesellschaften verabschieden sich von der Kohle, nicht aber vom chemischen Element Kohlenstoff, das unverzichtbar bleibt", sagte Weidner. "Deshalb ist es für sie essenziell, technische Kohlenstoff-Kreisläufe zu erforschen, Kohlenstoff aus unterschiedlichen Quellen klimafreundlich zu erschließen und somit nachhaltige Konversionstechnologien zu entwickeln. Das MFC ist ein wichtiger Baustein in dieser globalen Forschung", so Weidner.

Einen ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe 28/2021 von EUWID Recycling und Entsorgung.

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