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Kaum Kunststoffe aus dem dualen System nach China


Nur selten gefüllt mit Altkunststoffen aus dem Dualen System.
09.01.2018 − 

Einige Medienberichte über Chinas Importverbot für Kunststoffabfall sorgten in der vergangenen Woche bei Experten und in der Politik für Irritationen. Unter anderem war in überregionalen Zeitungen und Online-Auftritten von Fernsehsendern zu lesen, dass bislang große Mengen Kunststoffabfall aus dem dualen System nach China exportiert würden. In einem Kommentar der „Süddeutschen Zeitung“ war unter der Überschrift „Grüner Punkt eine Lebenslüge“ etwa zu lesen, dass jede zweite Tonne aus deutschen Sortieranlagen nach China verschifft werde.

Der vermeintliche Skandal ist aber gar keiner. Die Realität sei seit langem eine andere, bestätigten Sachverständige, die Mengenstromnachweise der Systembetreiber und Verwertungsanlagen prüfen. Der Anteil von Kunststoffabfällen, die über das duale System erfasst und sortiert und nach China und Hongkong exportiert wurden, lag nach deren Angaben im Jahr 2016 – gemessen am Gesamtexport nach China und Hongkong von 767.000 Tonnen Kunststoffabfall – im unteren einstelligen Prozentbereich. Denn der Großteil der deutschen Ausfuhren an Kunststoffabfällen stammt gar nicht aus dem dualen System, sondern aus Gewerbe und Industrie, wie z.B. Gewerbefolien, Produktionsabfälle, Hartkunststoffe und Big Bags.

Die zehn dualen Systeme lassen inzwischen gut 90 Prozent der jährlich rund 1,0 Mio Tonnen Kunststoffabfälle in Deutschland verwerten. Aus dem dualen System werden nach EUWID vorliegenden Zahlen jährlich rund 100.000 Tonnen Kunststoffabfall zum Recycling exportiert, allerdings nur zu einem sehr geringen Anteil nach China. Nach Schätzungen von Cyclos sind 2016 weniger als 20.000 Tonnen Kunststoffe aus dualen Systemen nach China zum Recycling ausgeführt worden, bestätigte Cyclos-Chefin Agnes Bünemann. Das Sachverständigenbüro Cyclos prüft vier der zehn Systembetreiber, die 2016 einen Marktanteil von über 50 Prozent hatten. Wie die Expertin gegenüber EUWID erklärte, sei die Exportmenge im letzten Jahr nochmals gesunken.

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