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Internationaler Tag der Müllabfuhr: Eine kleine Geschichte der Abfallentsorgung

altes Abfallsammelfahrzeug von Faun
Internationaler Tag der Müllabfuhr (Bild: Faun)
17.06.2021 − 

Abfälle gibt es seit Menschengedenken, eine organisierte Entsorgung aber erst seit gut 120 Jahren. Um denjenigen Respekt zu zollen, die unseren Unrat beseitigen und die Städte sauber halten, hat der US-Amerikaner John D. Arwood den Internationalen Tag der Müllabfuhr ("Global Garbage Man Day") am 17. Juni ins Leben gerufen. Zeit für einen Blick in die Geschichte.

Entsorgung im Mittelalter: Auf die Straße damit

Ob Gemüsereste oder abgenagte Knochen, Lumpen, zersprungene Teller, verrottetes Holz oder gar der gefüllte Nachttopf - ging es darum, seinen Unrat zu entsorgen, war der Mensch Jahrhunderte lang nicht wählerisch. Was nicht mehr gebraucht wurde, landete bestenfalls auf dem eigenen Misthaufen - oder flog einfach aus dem Fenster.

Wer zufällig vorbeikam, hatte nicht selten ein Problem. Dann kam der Regen und spülte das Gröbste hinweg. Immerhin: Anders als heute war das Mittelalter keine Wegwerfgesellschaft. Güter wurden lange genutzt, viele repariert, Textilien geflickt und neugefärbt. Und doch: Die Klagen über Schmutz und üble Gerüche im öffentlichen Raum nahmen zu.

Hygiene und Seuchen

Um das Problem in den Griff zu bekommen, wurden immer strengere Vorschriften erlassen - mit zunächst mäßigem Erfolg. Mit der wachsenden Bevölkerung in den Städten verschlechterte sich die Lage weiter. Auch das Wissen um den Zusammenhang von mangelnder Hygiene mit verheerenden Krankheiten wie der Pest verbreitete sich nur langsam.

Die "Hamburger Pestordnung" von 1597 nahmen viele andere Städte zum Anlass, ihre Hygienevorschriften neu zu regeln. "Ab dem 16. Jahrhundert beginnt die Reorganisation der städtischen Entsorgungskultur vor dem Hintergrund epidemischer Krankheiten", erklärt der Augsburger Soziologe Reiner Keller. "Reinigung, Sauberkeit und Ordnung sind Leitbilder des aufkommenden Bürgertums."

Gassenmeister und "Rennsäue"

Es war Kurfürst Friedrich Wilhelm, der im 17. Jahrhundert nicht mehr mitansehen wollte, wie die Einwohner Berlins Fäkalien und Abfälle einfach auf die Straße kippten. So setzte er 1660 einen sogenannten Gassenmeister ein, der seinen Karren bimmelnd durch die Gegend zog und den gesammelten Müll gegen Bezahlung abtransportieren sollte - doch die meisten Großstädter kippten munter weiter.

In München wurden zeitweise "Rennsäue" durch die Straßen getrieben, die alles fraßen, was ihnen vor die Schnauze kam. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann man, den Müll systematisch auf Deponien zu entsorgen oder zu verbrennen. 1896 ging in Hamburg die erste Müllverbrennungsanlage auf dem europäischen Festland in Betrieb.

Bis zu der Erkenntnis, dass Müll Schadstoffe freisetzen und Seuchen verursachen kann, ist es aber noch ein weiter Weg. In der deutschen Nachkriegsgesellschaft nimmt die Menge an Verpackungsmüll dramatisch zu. "Seit Mitte der 1960er Jahre wird Müll von einem Problem der Städtehygiene zu einem genuinen Umweltproblem", erläutert der Münchner Historiker Roman Köster. Erst im Laufe der 1970er Jahre wird deutlich, dass "Ex und Hopp" keine Dauerlösung sein kann. Recycling von Glas oder Papier etabliert sich vor allem in den 1980er Jahren als umweltfreundlichere Alternative zur Wegwerfgesellschaft.

Mülltrennung: eine französische Erfindung

Mülltrennung ist übrigens eine französische Erfindung, auch wenn man den Deutschen nachsagt, dabei besonders gewissenhaft zu sein: Als Pionier gilt der Pariser Beamte Eugène René Poubelle. Schon 1884 verpflichtete er Hausbesitzer dazu, drei verschiedene Tonnen aufzustellen, um das Chaos auf den Straßen zu beseitigen: für kompostierbare Abfälle, Lumpen und Papier sowie Porzellan und -Austernschalen.

Beliebt machte sich der Jurist mit seinem Kampf für bessere Hygiene bei seinen Landsleuten allerdings nicht. Immerhin heißt eine winzige Straße im 16. Pariser Bezirk nach ihm. Und jeder französische Mülleimer. (dpa)

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