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DSD fordert Maßnahmen zur Rettung des Kunststoffrecyclings

Regranulat
DSD fordert die Politik auf, das Kunststoffrecycling zu
retten.
08.06.2020 − 

Anlässlich des Weltumwelttages am vergangenen Freitag hat der Systembetreiber DSD die Politik aufgefordert, mit konkreten Maßnahmen das Kunststoffrecycling in Europa zu retten. "Der extrem niedrige Ölpreis und die Folgen der Corona-Pandemie gefährden massiv alle Erfolge und Bemühungen, Plastik zu recyceln und im Kreislauf zu führen", sagte DSD-Geschäftsführer Michael Wiener. "Deutschland sollte seine EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um sich für die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft bei Kunststoff einzusetzen."

Auf den ersten Blick dürften die Marktbedingungen eigentlich gar nicht so schlecht sein. Denn bedingt durch den Corona-Shutdown steigen die Abfallmengen aus Privathaushalten an: Mehr Menschen waren oder sind in Kurzarbeit, arbeiten im Home Office oder müssen zu Hause ihre Kinder betreuen.

Das merken auch Entsorger, Recycler und Systembetreiber. Laut DSD sind die Verpackungsabfallmengen in den gelben Säcken und Tonnen seit März um etwa zehn Prozent gestiegen. Zwar fallen gleichzeitig wegen Kurzarbeit und Produktionsdrosselung in Gewerbe und Industrie weniger Abfälle an. Doch die Mengen an Kunststoffverpackungen nehmen zu. „Es wird aus hygienischen Gründen mehr verpackt und Restaurants konnten zeitweise Speisen nur noch zur Abholung anbieten – natürlich in Plastik verpackt“, so Wiener.

Ölpreisschock und Marktversagen

Unter idealen Marktbedingungen würden Recycler, die diese Abfälle aufbereiten und als Rezyklate wieder auf den Markt bringen, derzeit gute Geschäfte machen. Doch das Gegenteil ist der Fall; DSD spricht von Marktversagen. Ein extrem niedriger Ölpreis mache Kunststoff, dessen Preis sich schon seit Jahren auf Talfahrt befinde, noch billiger – die Kosten für die Herstellung von Rezyklaten aber hängen von anderen Faktoren ab. „Zudem ist es bisher nicht gelungen, die Produktion auszuweiten und damit über Skaleneffekte billiger zu machen", schreibt DSD.

Kunststoffrecycling sei noch immer ein Nischengeschäft. Darüber hinaus habe eine Reihe von Abnehmern von Recyclingkunststoffen die Produktion heruntergefahren, weil sie in der Krise ihre Produkte nicht mehr loswurden.

„Der Markt für Recyclingkunststoff sollte rasant wachsen. Das erfordern der Klimaschutz und die Lösung der Plastikkrise, die für eine gigantische Verschmutzung der Umwelt sorgt. Stattdessen droht dem Recycling eine Abwärtsspirale, die alle bisher erzielten Erfolge vernichten könnte“, sagte Wiener.

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