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DSD, BellandVision, Interseroh und Reclay legen Mengenanteile offen


Michael Wiener (Bildquelle: DSD)
07.09.2017 − 

Zur Klärung der großen Differenz zwischen den Mengenmeldungen der Dualen Systeme an ihre Clearingstelle und an das DIHK-Register der Vollständigkeitserklärungen (VE-Register) von rund 90.000 Tonnen Leichtverpackungen gehen DSD, BellandVision, Interseroh und Reclay jetzt in die Offensive, indem sie ihre Anteile offenlegen. Die Daten für DSD liegen dabei bereits vor. Laut Mitteilung der vier Systeme beträgt die Abweichung des größten Systems bei Leichtverpackungen lediglich rund 300 Tonnen. BellandVision, Interseroh und Reclay haben die entsprechende Prüfung ebenfalls beauftragt. Die drei Systeme gehen davon aus, dass ihre Abweichungen ähnlich gering sind.

„Diese Zahlen zeigen zwei Dinge deutlich: Der Grüne Punkt arbeitet sauber und die Dimension des Problems ist gewaltig“, betont DSD-Chef Michael Wiener. „Denn wenn der Grüne Punkt als Anbieter mit dem größten Marktanteil für einen derart geringen Teil der Abweichung verantwortlich ist, wie groß muss der Anteil dann bei manch anderem Marktteilnehmer sein?“ Selbstverständlich werde DSD seine geringen Abweichungen im Rahmen der nächsten Nachmeldemöglichkeit melden und den daraus resultierenden Kostenanteil tragen, heißt es.

„Die großen Differenzen zwischen den Mengen der Clearingstelle und denen des Registers der Vollständigkeitserklärungen lassen nur den Schluss zu, dass einige Systeme sowohl die LAGA M37 als auch die VerpackV nicht befolgen, und zwar auf Kosten der ehrlichen Marktteilnehmer“, sagte Interseroh-Geschäftsführer Markus Müller-Drexel.

Und Thomas Mehl, Geschäftsführer bei BellandVision, ergänzt: „Um gar nicht erst dem Generalverdacht der Mengenmanipulation ausgesetzt zu sein, ist es für unser Haus wichtig, über eine erneute, aktuelle Prüfung durch den System-Wirtschaftsprüfer transparent zu machen, dass durch uns keine unlauteren Methoden zur Anwendung kommen und dadurch Mengendifferenzen verursacht werden.“

Übrige Systeme sollen folgen

Von den übrigen sechs Systemen fordern DSD, BellandVision, Interseroh und Reclay, diese zweite Prüfung ebenfalls durchzuführen und damit für Transparenz zu sorgen. „Nur mit beiden Bestätigungen können Systembetreiber nachweisen, dass sie fair spielen“, so Müller-Drexel.

„Um sicher zu gehen, dass für alle gemeldeten Verkaufsverpackungen die Pflichten der Verpackungsverordnung erfüllt werden, sollten Inverkehrbringer sowohl eine Bestätigung über die Mengenkongruenz zum 30. April (Mengenerhebungsstichtag für Kontrolle des Wirtschaftsprüfers) als auch über die Mengendifferenz bis zum 6. Juli (Stichtag der DIHK-Zwischenbilanz) von dem System verlangen, welches für die Lizenzierung ihrer Verkaufsverpackungen verantwortlich ist oder sich im Rahmen von Ausschreibungen hierum bewirbt“, empfiehlt Mehl.

„Wer unvollständig lizenziert, gefährdet nicht nur das privatwirtschaftlich getragene duale System als solches, sondern riskiert auch empfindliche Bußgelder und Vertriebsverbote“, ergänzt Raffael Fruscio, geschäftsführender Gesellschafter der Reclay Group.

Systembetreiber legen Hoffnung in neue Clearingverträge

Um Mengenabweichungen nicht länger hinnehmen zu müssen, hatten DSD, BellandVision und Interseroh bereits Anfang August die bestehenden Verträge mit den Mitgliedern der Clearingstelle gekündigt und neue Verträge für das Leistungsjahr 2018 vereinbart. Neben der Reclay-Gruppe, die die neuen Verträge bereits gezeichnet hat, haben weitere drei Systembetreiber ihrerseits die bestehenden Clearing-Verträge zum 31. Dezember 2017 gekündigt. Damit werden die alten Verträge für das Leistungsjahr 2018 nur noch von den Systembetreibern ELS, Noventiz und RKD gehalten.

„Das bedeutet, dass künftig bis zu rund 80 Prozent der bei den dualen Systemen gemeldeten Verpackungen nach den neuen effizienten Verträgen behandelt werden“, erklären die Geschäftsführer der vier Systembetreiber übereinstimmend. Bei diesen Mengen gebe es keine unberechtigten Abzüge und keine Differenzen zwischen den an die Clearingstelle und den an das VE-Register gemeldeten Mengen, da hier der Abgleich zwischen den Mengen auch nach dem Hinterlegungsstichtag am 30. April kontinuierlich überprüft werde.

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