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Currenta gibt Inhalt der in Leverkusen explodierten Tanks bekannt


Bei der verheerenden Explosion wurden das Tanklager und
die Sondermüllverbrennungsanlage stark beschädigt.
11.08.2021 − 

Mehr als zwei Wochen nach dem verheerenden Explosionsunglück in Leverkusen hat der Chempark-Betreiber Currenta heute detailliert über den Inhalt der betroffenen Tanks informiert. Der explodierte Tank 3 enthielt demzufolge zum Zeitpunkt des Unglücks 14 Kubikmeter schwefel- und phosphorhaltige Reststoffe, wie sie bei der Produktion von Pflanzenschutzmitteln entstehen. Die Reststoffe seien im Auftrag eines außerhalb des Chemparks ansässigen Kunden aus dem EU-Ausland zur Entsorgung in der dafür zugelassenen Anlage der Currenta bestimmt gewesen.

Bei den Stoffen in den anderen bei der Explosion und dem Brand ebenfalls zerstörten Tankbehältern soll es sich um lösemittelhaltige Produktionsrückstände gehandelt haben, die unterschiedliche Konzentrationen von Halogenen, Alkaloiden und Schwefel enthielten. Die konkreten Stoffbezeichnungen und Füllstände bietet das Unternehmen in einem separaten Dokument auf seiner Internetseite zum Download an.

Die Daten zu den vom Explosionsunglück am 27. Juli betroffenen Tanks der Firma Currenta konnten bisher aufgrund der staatsanwaltschaftlichen Ermittlung nicht veröffentlicht werden, betonte das Landesumweltministerium heute. Nachdem sich die zuständige Bezirksregierung Köln mit der Staatsanwaltschaft Köln verständigt hat, wurden die Daten heute freigegeben.

„Ich begrüße das, denn die betroffenen Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf Transparenz. Ich bin froh, dass damit nunmehr die notwendige Klarheit über die Inhalte der Tanks besteht. Currenta hat mit der heutigen Mitteilung für diese Klarheit sorgen können“, erklärte die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU).

Die in den Tanks befindlichen Reststoffe waren Abfallprodukte aus der Chemieproduktion, die für die fachgerechte Entsorgung in der Sonderabfallverbrennungsanlage Leverkusen von Currenta vorgesehen waren, teilte das Unternehmen weiter mit. Neben dem Tank 3 seien weitere sieben Lagertanks der Tankgruppe zerstört worden. Die Sondermüllverbrennungsanlage selbst sei ebenfalls beschädigt worden.

Versicherungskonzern schätzt Schaden auf mittleren zweistelligen Millionen-Betrag

Heinen-Esser hatte bereits Anfang der Woche im Landtag berichtet, dass die Sondermüllverbrennungsanlage und das dazugehörige Tanklager im Entsorgungszentrum Leverkusen-Bürrig durch die Explosion stark beschädigt worden. Eine Einschätzung, wann die Anlage wiederhergestellt sein wird und den regulären Betrieb aufnehmen kann, liege derzeit noch nicht vor, heißt es in dem von der Ministerin präsentierten Bericht.

Der Versicherungskonzern Thalanx, bei dessen Tochter HDI der Chempark-Betreiber Currenta versichert ist, rechnet mit einem hohen Schaden. Der Schaden durch die heftige Detonation in dem Chemiepark werde im dritten Quartal voraussichtlich mit einem mittleren zweistelligen Millionen-Betrag zu Buche schlagen, erklärte Thalanx-Finanzchef Jan Wicke.

Das Landesumweltamt hatte vergangene Woche nach einer Untersuchung von Böden und Pflanzen Entwarnung gegeben. Die Fachleute des Landesumweltamts hatten aus der näheren Umgebung des Brandorts Pflanzen- und Bodenproben auf über 450 verschiedene Bestandteile von Agrarchemikalien untersucht. „Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass auch auf anderen Flächen im privaten wie im gewerblichen Bereich keine relevanten Einträge derartiger Stoffe durch das Schadensereignis stattgefunden haben“, so das Lanuv weiter.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die einzelnen Bestandteile der Agrarchemikalien durch den unmittelbar nach der Explosion einsetzenden Brand fast vollständig zerstört oder durch die Thermik in größere Höhen getragen und dabei stark verdünnt wurden, erklärte Currenta heute. Auch das parallel vorgenommene eigene breite Untersuchungsprogramm auf phosphor- und schwefelhaltige Chemikalien sei zum selben Ergebnis gekommen. Die Analysen habe man dem Lanuv ebenfalls zur Bewertung zur Verfügung gestellt, so das Unternehmen weiter.

Greenpeace: Entwarnung kommt zu früh

Aus Sicht von Greenpeace kommt die Entwarnung des Landesumweltamtes jedoch deutlich zu früh. Die Umweltschutzorganisation hat nach eigenen Angaben in Stichproben von Brandrückständen nach der Explosion teilweise höhere Dioxinkonzentrationen gefunden als in den vom Lanuv veröffentlichten Messergebnissen. Wischproben, die Greenpeace einen Tag nach dem Chemieunfall im Stadtteil Bürrig genommen hat, hätten zwar keine Auffälligkeiten aufgewiesen. In Proben von größeren Rußpartikeln seien aber teilweise Spuren krebserregender Stoffe, darunter polychlorierte Dibenzodioxine und -furane (PCDD/F), Polychlorierte Biphenyle (PCB) und Dioxin-ähnliche PCB gefunden worden, so Greenpeace.

„Unsere Ergebnisse geben Anlass zu weiteren systematischen Untersuchungen, die Stadt muss die Rückstände flächendeckend und systematisch untersuchen. Die Menschen in den benachbarten Stadtteilen brauchen klare Anweisungen, wie sie mit stark verrußten Rückständen auf ihren Grundstücken umgehen sollen” erklärte Manfred Santen, Greenpeace-Experte für Chemie. Kinder sollten damit auf keinen Fall in Berührung kommen. Als Verursacher habe Currenta dafür Sorge zu tragen.

Bei dem Unglück waren sechs Menschen ums Leben gekommen, eine weitere Person wird immer noch vermisst. 31 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft Köln hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Currenta unterstütze die Aufklärung des tragischen Ereignisses durch die zuständigen Behörden vollumfänglich, erklärte das Unternehmen heute. (eigener Bericht /dpa)

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