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Corona bringt zum Teil deutliche Veränderungen beim Abfallaufkommen


Bei Altglas könnten die Sammelmengen in Ballungsgebieten
über die Feiertage um bis zu 20 Prozent steigen.
14.12.2020 − 

Die Entsorgungswirtschaft sieht sich nicht nur auf zusätzliche Abfallmengen zur Weihnachtszeit gut vorbereitet, sondern auch auf die aktuelle Corona-Welle. „Ich bin sicher, dass unsere Branche auch in der zweiten Corona-Welle ihre Aufgaben in Deutschland erfüllt“, erklärte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-wirtschaft (BDE), Peter Kurth.

Hilfreich für eine weiterhin reibungslose Entsorgung sei, dass die Schutzkonzepte gegen Corona in den Unternehmen in den letzten Wochen und Monaten ausnahmslos gegriffen haben, sagte Kurth. Es habe keine flächendeckenden Ausfälle in der Entsorgung durch Quarantänemaßnahmen für Mitarbeiter gegeben. In diesem Zusammenhang weist die Branche auch darauf hin, dass weiterhin viele Gesichtsmasken und Gummihandschuhe in gelben Tonnen oder gelben Säcken unsachgemäß entsorgt werden. „Diese Materialien sind keine Verpackungsmaterialien“, betonte Kurth. „Ihre Zusammensetzung ist für den Recyclingprozess ungeeignet.“ Im schlimmsten Fall werden Teile der Verpackungsmengen aussortiert und landen in der Verbrennung.

Der Entsorgerverband präsentierte eine aktuelle Mitgliedsumfrage mit Blick auf die Weihnachtszeit und die erneute Lockdown-Phase im Land. So hat die Corona-Pandemie insbesondere zu Weihnachten erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung der Abfallmengen und ihre Verteilung in Deutschland. Wie Kurth erklärte, seien die Mitgliedsunternehmen auf den zu erwartenden Mengenzuwachs bei Verpackungsabfällen vorbereitet und hätten die Lagerhaltung entsprechend angepasst.

Entsorger rechnen mit mehr Verpackungsmüll

Zum Jahresende rechnen die deutschen Entsorgungsunternehmen mit einer weiteren Zunahme der Mengen beim Verpackungsabfall. Je nach Abfallart liegt die erwartete Steigerung im Dezember im Vergleich zum Vormonat im Durchschnitt zwischen sechs und acht Prozent. Gründe dafür sind die üblichen saisonalen Entwicklungen zu Weihnachten, aber auch das veränderte Einkaufsverhalten der Verbraucher im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Demnach erwartet ein Großteil der befragten Unternehmen einen Anstieg der Leichtverpackungsmengen (LVP) um fast neun Prozent. Pro Jahr sammeln die Unternehmen etwa 2,5 Mio Tonnen Verpackungen aus Kunststoff, Metall und Verbundmaterialen bei den privaten Haushalten ein, was etwa 30 Kilogramm pro Einwohner und Jahr sind.

Auch der Anteil von Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton (PPK) wird über die Feiertage zunehmen. Hier prognostizieren die Statistiker des Verbandes einen Zuwachs um durchschnittlich knapp sieben Prozent. Die Gesamtsammelmenge der PPK-Verpackungen aus privaten Haushalten, die meist zusammen mit alten Zeitungen und Zeitschriften erfasst werden, liegt jährlich bei rund 1,3 Mio Tonnen oder etwa 16 Kilogramm pro Kopf.

Ein Mengenplus von etwas über sechs Prozent erwarten die Entsorger auch beim Altglas. Allerdings könnten in Ballungsräumen die Glasmengen auch um 20 Prozent steigen. Insgesamt sammeln die Entsorger jährlich 1,8 Mio Tonnen Altglas oder 22 Kilogramm pro Bürger.

Bereits im März-Lockdown hatten die Entsorger starke regionale Mengenschwankungen festgestellt. Vereinzelt gab es Zuwächse um 20 Prozent bei Glas und Leichtverpackungsabfällen aus Privathaushalten, während die Abfallmengen aus Industrie, Handel und Gewerbe, mindestens stark rückläufig waren oder entsprechend ausblieben. Mit Ende der Maßnahmen fielen die Mehrmengen der Haushalte wieder rapide ab und waren selbst in der diesjährigen Urlaubssaison nicht mehr auffällig angestiegen.

Für das Gesamtjahr 2020 rechnen die Entsorger mit einem Mengenzuwachs von jeweils knapp sechs Prozent bei Altglas und LVP. Während sich beim Altpapier die Gewichtsmenge insgesamt kaum änderte und durch weniger grafische Papiere teilweise sogar zurückging, nahm das Mengenvolumen durch mehr Verpackungen aus Pappe und Karton zu. Dementsprechend dürfte der durchschnittliche Anstieg auch nur bei fast zwei Prozent liegen.

Corona sorgt für Verschiebung der Mengen

BDE-Präsident Kurth zufolge bestätigt das Umfrageergebnis der Eindruck einer Verschiebung der Abfallmengenströme aus dem gewerblichen in den privaten Bereich. „Anhand dieser Zahlen wird deutlich, wie sich die Lebensführung in den Familien in Zeiten von Corona verändert hat. Wenn sich das Arbeitsleben stärker im Home Office und das Privatleben nicht mehr in Restaurants und Cafés, sondern öfter zu Hause abspielt, dann macht sich dies auch in der Verteilung der Abfallmengenbemerkbar.“ Zudem zeigten die Ergebnisse, dass das veränderte Verbraucherverhalten mit einer Verzögerung von zwei bis drei Wochen bei den Abfällen feststellbar ist.

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