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Cirplus-Geschäftsführer Christian Schiller: „Digitalisierung ist der Schlüssel für echte Kunststoff-Kreisläufe“

Cirplus-Geschäftsführer Christian Schiller
Cirplus-Chef Christian Schiller.
01.03.2021 − 

Das Hamburger Startup Cirplus digitalisiert den Handel mit Kunststoffrezyklat. EUWID sprach mit Geschäftsführer Christian Schiller über die Entwicklung und die aktuellen Herausforderungen.

Herr Schiller, die Digitalplattform Cirplus ist vor zwei Jahren gestartet. Das Ziel ist, globaler Marktplatz für recycelte Kunststoffe zu sein. Warum sollten Entsorger, Recycler und Kunststoffverarbeiter über ihre Plattform Geschäfte abschließen?

Weil sie den Rezyklateinsatz um mindestens 25 Prozent günstiger macht. Das schaffen wir durch die Digitalisierung des Beschaffungsprozesses. Auf jeder Stufe der Wertschöpfung lassen sich Kosten einsparen: Cirplus hilft neue Lieferanten bzw. Abnehmer zu finden, bietet eine integrierte Materialprüfung und optimiert perspektivisch die Logistik bis hin zur Zahlungsabwicklung und zum Reklamationsmanagement.

Was sind aus ihrer Sicht die größten Hindernisse, mehr Rezyklate in den Markt zu bringen?

Zuallererst der Preis, dann die Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger Rezyklate sowie die fehlende Digitalisierung und Transparenz entlang der Wertschöpfungskette. Solange der Preis der Neuware 20 bis 30 Prozent unter dem des Rezyklats liegt, das bis heute qualitativ oft noch nicht an die Neuware herankommt, wird man die Einkäufer nur schwerlich überzeugen.

Der große Preisunterschied erklärt auch, warum heute diese massive Recyclinglücke existiert. Auf 50.000 Kunststoffverarbeiter kommen in der EU lediglich rund 1.000 Recycler, oftmals kleinere und mittlere Unternehmen mit nur 10.000 bis 20.000 Tonnen Jahreskapazität. Da fehlen kluge Investitionsanreize und Förderprogramme.

Die Situation ist nach allen Seiten unübersichtlich: Als Abfallerzeuger und Entsorger weiß ich nicht, welches Marktpotenzial mein Abfall hat, weil ich die Zahlungsbereitschaft des Endkunden nicht wirklich kenne. Und als Recycler erschweren mir die fragmentierten Abfallmärkte das Geschäft, wenn es um die Sicherstellung kontinuierlichen Mengeninputs geht.

Das ist nur mit einem ordentlichen Digitalisierungsschub zu bewältigen, da scheitert jedes menschliche Gehirn. Denn als Kunststoffverarbeiter muss ich mir sicher sein, dass das Rezyklat aus dem korrekten Stoffstrom entstanden ist (Stichwort: post-consumer vs. post-industrial) und meinen Qualitätsanforderungen und der Störstofffreiheit entspricht. Allein in der EU haben wir 27 unterschiedliche Rechtsrahmen für die Behandlung von Abfällen!

Welche Instrumente wären nötig, das Recycling von Kunststoffen zu steigern? 

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Das vollständige Interview mit Christian Schiller lesen Sie in Ausgabe 09/2020 von EUWID Recycling und Entsorgung. Für Kunden unseres Premium-Angebots steht die Ausgabe bereits als E-Paper zur Verfügung:

E-Paper - EUWID Recycling und Entsorgung

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