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bvse will Kunststoffrecycling mit Drei-Punkte-Plan retten


Der bvse-Fachverbandsvorsitzende Dirk Textor fordert
„vergleichbaren Wettbewerbsrahmen zu Kunststoffneuware“.
10.07.2020 − 

Mit einem Drei-Punkte-Plan soll das Kunststoffrecycling gerettet werden. Dazu ruft der bvse-Fachverband Kunststoffrecycling das Bundesumweltministerium und Bundestagsabgeordnete auf. Der Verband fordert „den umweltschädlichen Verdrängungswettbewerb von billiger Kunststoffneuware gegenüber Rezyklaten zu stoppen und faire Rahmenbedingungen für Recyclingprodukte zu schaffen“.

Aufgrund der aktuellen Marktentwicklungen durch die Covid-19-Pandemie haben zahlreiche Kunststoffrecycler in Europa die Produktion eingestellt. Die Hauptursachen sind neben der mangelnden Nachfrage durch die Schließung von Verarbeitungsbetrieben auch die Rekordtiefstpreise für Neukunststoffe wegen niedrigen Rohölpreisen sowie die weltweit rückläufige wirtschaftliche Aktivität.

„Wenn das Kunststoffrecycling in Zukunft noch eine Chance haben soll, müssen endlich Bedingungen geschaffen werden, die einen vergleichbaren Wettbewerbsrahmen zu Kunststoffneuware schaffen“, sagte der Vorsitzende des Fachverbandes Dirk Textor. „Der klimaschädliche CO2-Rucksack, der bei der Produktion von Kunststoffneuware entsteht, bleibt bei der Preisbildung bislang völlig außen vor. Dies muss sich dringend ändern“, so bvse-Vizepräsident Herbert Snell.

Die Kunststoffneuware, die für Verpackungen eingesetzt wird, hat sich dem bvse zufolge in den letzten fünf Jahren um 30 Prozent verbilligt und Corona-bedingt hat sich der Verfall der Preise weiter beschleunigt. Es sei absehbar, dass der Trend zu preiswerter Neuware auch in Zukunft weiter anhalten wird.

Mindestrezyklatanteile gefordert

Der Verband schlägt ein Zwei-Stufen-Modell zur Verminderung des Einsatzes von Kunststoffneuware und in der Konsequenz eine stufenweise Erhöhung der Einsatzquote von Rezyklaten vor. Bis zum Jahresanfang 2021 soll in Stufe 1 eine verbindliche Reduktion der CO2-Emissionen der eingesetzten Rohstoffe im Mittel um mindestens 25 Prozent festgeschrieben werden, wobei der Bezugspunkt die Produktion mit Neuware darstellt. In Stufe 2 soll diese Quote dann auf 40 Prozent ab dem Jahr 2030 erhöht werden. Zur Dokumentation des Reduktionsziels sollen Kunststoffverarbeiter in Zukunft verpflichtet werden, einen jährlichen Nachweis zu erbringen. Für die Zielverfehlung sieht der Plan eine Malus-Regelung in Höhe eines 20-prozentigen Preisaufschlags auf den Produktnettopreis der Neuware vor, der dann als Beitrag für klimaschutzfördernde Investitionen eingesetzt werden soll.

Vereinheitlichung der Qualitätssicherung

Der zweite Vorschlag des bvse zielt auf eine Vereinheitlichung der Qualitätssicherung. Zur Erfüllung der Recyclingquoten der dualen Systeme müssen sogenannte „Letztempfängeranlagen“ eingesetzt werden. Deren Eignung wird zweijährlich überprüft und in einem Zertifikat dokumentiert. Eine Überprüfung der Zertifikate und Auditberichte durch die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) als neutrale Stelle soll dafür sorgen, dass gleichbleibende Qualitätsstandards eingehalten und Wettbewerbsverzerrungen vermieden werden. Beispielgebend ist die Vorgehensweise bei der EuCertPlast-Zertifizierung.

Öffentliche Beschaffung stärken

Der dritte Baustein ist die Öffentliche Beschaffung auf Bund- und Länderebene. Hier spricht sich der Verband für eine Nachschärfung der Vorgaben für einen vorrangigen Rezyklateinsatz aus. Laut bvse verfehlten diese Vorgaben aufgrund fehlender Einspruchsmöglichkeiten oder Sanktionen bislang ihre Wirkung. Von den Behörden zu erbringen sei eine jährliche Berichtspflicht, die nicht nur Auskunft über den direkten Einsatz von Recyclingerzeugnissen oder in vergebenen Aufträgen gibt, sondern darüber hinaus auch den Nichteinsatz rechtfertigt.

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