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bvse: Coronakrise hat Entsorgern enorm geschadet

Wirtschaftskrise
Die vom Coronavirus ausgelöste Wirtschaftskrise trfft
Recycler und Entsorger hart, sagt der bvse.
08.05.2020 − 

Die Coronavirus-Krise hat der Recycling- und Entsorgungsbranche enorm geschadet. Nicht wenige Unternehmen kämpfen um ihre Existenz, so Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse).

Ein massiver Nachfrage- und Angebotsschock beeinflusse die Sekundärrohstoff-Märkte. Vielen geht es nach Darstellung des Verbandes schlecht: Die Schrottwirtschaft kämpfe mit hohen Fixkosten, die bei vielen Unternehmen über die aktuellen Umsätze nicht gedeckt seien. Den Kunststoffrecyclern brechen die Märkte weg. Die Anfallstellen kämpfen mit niedrigen Preisen. Der gesamte Altkunststoffbereich steht unter Druck.

Dem Abwärtssog entziehen kann sich bislang dagegen die Altpapierbranche. Die in den vergangenen Monaten aufgebauten Altpapier-Lagerbestände sind nahezu abgebaut und die Nachfrage der Papierindustrie nach Altpapier, insbesondere für den Verpackungsbereich, ist weiterhin sehr hoch. Zeitgleich sind die Sammelmengen allerdings stark eingebrochen, was insbesondere dem Gewerbebereich geschuldet ist.

35 Prozent der bvse-Mitglieder mussten Kurzarbeitergeld beantragen

In der Umfrage, die wir im April unter unseren Mitgliedsunternehmen durchgeführt haben, gaben 35 Prozent der Unternehmen an, dass sie schon Kurzarbeitergeld beantragen mussten. 30 Prozent bezeichneten es als sehr wahrscheinlich, dass sie Kurzarbeitergeld beantragen werden. Das zeigt, dass die Kurzarbeit für Arbeitnehmer und Unternehmer das wichtigste Instrument war und ist, um diese schwere Wirtschaftskrise zu überstehen, betont Rehbock.

Die bvse-Unternehmen scheinen bisher einen Großteil der angebotenen Kreditfinanzierungen allerdings nicht wahrnehmen zu wollen. Bislang haben nach Darstellung des bvse zehn Prozent der befragten Unternehmen angegeben, entsprechende Hilfen in Anspruch genommen zu haben.

Je länger die krisenbedingten Auswirkungen jedoch andauern, desto wahrscheinlicher ist, dass auch weitere Unternehmen Kreditmittel benötigen werden. Immerhin 25 Prozent sehen es als wahrscheinlich an, dass sie das KfW-Sonderprogramm in Anspruch nehmen werden, für zehn Prozent ist der KfW-Unternehmerkredit interessant und für knapp zwölf Prozent kommt auch die Beantragung einer Bürgschaft in Frage.

Je länger der Lockdown, desto schwerer wird es für Mittelständler

Je länger der Lockdown und die nachfolgenden Auswirkungen andauern, desto gravierender werden sich die wirtschaftlichen Folgen für die mittelständischen Recycling- und Entsorgungsunternehmen niederschlagen.

Zwei Drittel der Unternehmen müssen deutliche Auftragsrückgänge verkraften. Auch die Sammelmengen sind über alle Materialfraktionen stark rückläufig. Beispielsweise im Altpapierbereich haben der Mitgliederumfrage entsprechend 70 Prozent der Unternehmen einen Mengenrückgang gemeldet, wovon immerhin 27 Prozent dieser Unternehmen einen Mengenrückgang zwischen 40 und 50 Prozent verkraften müssen.

Ganz andere Probleme hat den Angaben zufolge der Alttextilbereich. Hier seien die Erfassungsmengen zwar gestiegen, doch seien die Absatzmärkte vollkommen zusammengebrochen.

Fast jeder Dritte schätzt die wirtschaftliche Lage als mangelhaft oderungenügend ein

Das alles spiegelt sich in den Antworten auf die Frage nach der wirtschaftlichen Erwartung für das laufende Jahr wider. Fast ein Drittel der Unternehmen schätzen die wirtschaftliche Lage für 2020 nur mangelhaft (24,5 Prozent) oder ungenügend (5,8 Prozent) ein. Befriedigend beziehungsweise ausreichend sei die wirtschaftliche Situation für jeweils für 27,5 Prozent und nur 11,6 Prozent vergeben ein gut. Diese Werte dokumentieren, dass die Branche auf einen absoluten Tiefpunkt zusteuert, so Rehbock.

Damit die Wirtschaft wieder auf die Beine kommt, fordert der bvse neben Steuersenkungen gezielte, investive Konjunkturpakete. Recyklate, Sekundärbaustoffe und Recyclingprodukte sollten in den Ausschreibungen berücksichtigt werden. Das könnte in der Nach-Corona-Phase einen wichtigen Impuls geben, um das Recycling und die Kreislaufwirtschaft in der Restart-Phase zu unterstützen.

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