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Teerhaltiger Straßenaufbruch: Baden-Württemberg sieht Bedarf für vier bis fünf thermische Anlagen

Straßenbau
Bei der Sanierung einer Straße kann teerhaltiger
Straßenaufbruch anfallen (Symbolbild)
26.10.2021 − 

Die Landesregierung in Baden-Württemberg sieht nach ersten vorläufigen Schätzungen einen Bedarf von vier bis fünf thermischen Behandlungsanlagen für teerhaltigen Straßenaufbruch im Land. Das sagte Martin Kneisel vom baden-württembergischen Umweltministerium in der vergangenen Woche bei einer Online-Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW).

Pro Jahr fallen in Baden-Württemberg demnach rund 400.000 Tonnen als gefährlich eingestufter teerhaltiger Straßenaufbruch mit einem Gehalt an Polyaromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) von mehr als 200 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) im Land an.

Die Landesregierung habe bereits Gespräche mit interessierten Investoren für den Bau der Anlagen mit einer Behandlungsgröße von jeweils rund 100.000 Tonnen geführt, sagte Kneisel bei der DGAW. Namen und mögliche Standorte nannte Kneisel jedoch nicht.

Stoffliche Verwertung ohne vorherige thermische Behandlung problematisch

Die Entsorgung von teerhaltigem Straßenaufbruch gilt als problematisch. So ist die direkte Verwertung in hydraulisch gebundenen Tragschichten von Bundesfernstraßen seit 2018 untersagt, weil die schadstoffhaltige Abfallmasse durch die Zugabe von hydraulischem Bindemittel um etwa ein Drittel anwächst. Die direkte stoffliche Verwertung verschärft also das Problem, weil bei der nächsten Straßensanierung etwa ein Drittel mehr an belastetem Abfall anfallen wird.

Die thermische Behandlung zerstört hingegen das PAK, nutzt das Bindemittel Teer energetisch und hinterlässt eine saubere Gesteinskörnung, die zur Herstellung eines neuen Straßenasphalts verwendet werden kann. Etwa 95 Prozent des teerhaltigen Straßenaufbruchs ist Mineralik und ist damit nach einer thermischen Behandlung stofflich verwertbar.

Logistik als Flaschenhals: Behandlung im eigenen Land angestrebt

Das Problem ist nur, dass es entsprechende thermische Behandlungsanlagen in Deutschland bislang nicht gibt – sondern nur in Rotterdam. Der Flaschenhals bei der Verbringung des Materials aus Baden-Württemberg nach Rotterdam ist die Logistik, machte Kneisel in seinem Vortrag deutlich.

So gebe es derzeit lediglich in Mannheim, Karlsruhe und Stuttgart Anlagen, um das PAK-belastete Material per Schiff nach Rotterdam zu bringen. Davon seien nur die Anlagen in Mannheim und Stuttgart für die Verbringung von Abfällen mit PAK-Gehalten über 200 Milligramm pro Kilogramm zugelassen. Für die Lkw-Verladung gebe es insgesamt acht Umschlaganlagen in Baden-Württemberg.

Politisch ist es nicht der Wunsch des Umweltministeriums in Stuttgart, die Abfälle außerhalb der eigenen Landesgrenzen behandeln zu lassen. Im Idealfall soll der teerhaltige Straßenaufbruch im eigenen Land thermisch behandelt und die gewonnene Gesteinskörnung möglichst in Baden-Württemberg wieder im Straßenbau verwertet werden. Die Rechtslage für einen solchen geschlossenen Kreislauf sieht das baden-württembergische Umweltministerium inzwischen als gegeben.

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