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Ausweitung der Pfandpflicht schädlich für PET-Recycling


Quelle: Mo Freiknecht (pixelio.de)
27.09.2016 − 

Eine weitere Ausweitung der Pfandpflicht auf sämtliche Nektare und Säfte könnte die deutschen PET-Recycler die Existenz kosten. Nach einer Folgenabschätzung des Instituts Cyclos-HTP würden die Recycler in Deutschland durch eine derartige Pfandausweitung mit bis zu 400.000 Jahrestonnen PET-Flaschen die komplette Rohstoffbasis verlieren. Denn PET-Getränkeflaschen für Säfte und Nektare ohne Kohlensäure benötigen Sauerstoffbarrieren.

Für die derzeit gebräuchlichen Flaschen wird dafür ein PET-PA-Copolymer bzw. PET-PA-Blend als Additiv eingesetzt. Beim Recycling verfärbten sich diese Flaschen mit PET-PA-Copolymer in der Schmelze braun. Flaschen mit solchen Additivierungen seien je nach Ausführung „bedingt bis hochgradig recyclingschädlich“ und für die etablierten Verwertungsstrukturen in Europa somit systemunverträglich.

Nach Ansicht der Experten gibt es für eine nachträgliche Aussortierung bei den Recyclern zurzeit keine technische Lösung. Zwar sei eine getrennte Erfassung von Pfandflaschen in Rücknahmeautomaten oder Zählzentren technisch bereits möglich. Angesichts der dafür höheren Kosten scheine es aber „mehr als fraglich", dass der Handel zugunsten der europäischen Recyclingindustrie entsprechende Umstellungen vornimmt, schreiben die Autoren.

Wahrscheinlich sei eher das Gegenteil: Durch eine Pfandpflicht von PET-Flaschen für Säfte und Nektare dürfte eine undifferenzierte Erfassung von Flaschen und Dosen weiter zunehmen, gehen die Autoren von einer massiven Qualitätsverschlechterung für das Recycling aus. Die gemischten Qualitäten müssten dann nach Asien vermarktet werden. Insbesondere der deutschen PET-Recyclingindustrie, die zum guten Teil für Verpackungen von Lebensmitteln hochwertige Flakes und Regranulate erzeugt, würde die komplette Rohstoffbasis mit entsprechenden Folgen entzogen werden. Laut dem Institut ist es deshalb sachgerecht, wie im Entwurf des Verpackungsgesetzes vorgesehen, dass Frucht- und Gemüsesäfte sowie Frucht- und Gemüsenektare ohne Kohlensäure von der Pfandpflicht ausgenommen bleiben.

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