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Alba und BDE fordern angesichts des Erdüberlastungstages mehr Kreislaufwirtschaft


Ab morgen hat die Menschheit für 2021 alle natürlichen
Ressourcen aufgebraucht, welche die Erde innerhalb
eines Jahres nachhaltig zur Verfügung stellen kann.
28.07.2021 − 

Anlässlich des morgigen Erdüberlastungstages fordert Alba eine stärkere Unterstützung für die Kreislaufwirtschaft. Handlungsbedarf sieht das Entsorgungsunternehmen insbesondere bei einer gesetzlichen Mindestquote für den Rezyklateinsatz sowie eindeutigen Qualitätsstandards für Recyclingrohstoffe.

„Um die Lebensgrundlagen für kommende Generationen zu erhalten, ist ein Kurswechsel zwingend notwendig – weg von der bisherigen linearen Wirtschaftsweise, hin zu einer Kreislaufwirtschaft, die natürliche Ressourcen schont und das Klima entlastet“, erklärte Vorstandschef der Alba Group, Axel Schweitzer. Die technischen Voraussetzungen und das Know-how zum Schließen von Rohstoffkreisläufen seien in Deutschland auf hohem Niveau vorhanden.

„In Anbetracht der zur Neige gehenden Primärressourcen müssen wir den Gedanken der Nachhaltigkeit unbedingt in alle Produktionsschritte einbeziehen, beginnend mit dem ‚Design for Recycling‘. Und wir müssen sowohl den Einsatz von Rezyklaten als auch die Nachfrage nach Produkten mit Rezyklateinsatz stärken“, so Schweitzer. Hier sieht er die Politik gefordert. „Wir brauchen einheitliche Industriestandards und eine gesetzliche Mindestquote für den Einsatz von Rezyklaten.“

Zudem sei es wichtig, überhaupt das Bewusstsein der Verantwortlichen der produzierenden Industrie für die Verwendung von Recyclingmaterialien zu schärfen. Dabei biete die Nutzung von Recyclingrohstoffen aus ökologischer wie auch aus ökonomischer Sicht deutliche Vorteile.

Recyclingkunststoffe senken klimaschädliche Emissionen um die Hälfte

Der Konzern verweist dabei auf eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts Umsicht im Auftrag der Alba-Tochter Interseroh. Demnach spare der Einsatz des von Interseroh produzierten Recyclingkunststoffs Procyclen im Vergleich zu einer Tonne Primärkunststoffen aus Rohöl durchschnittlich etwas mehr als eine Tonne Treibhausgase ein. Dies seien 56 Prozent weniger klimaschädliche Emissionen. Gleichzeitig sinkt der Verbrauch an Primärenergie je Tonne um durchschnittlich 21.199 kWh. Beim Recyclingkunststoff Recythen lägen die Einsparungen sogar bei 1,1 Tonne Treibhausgasen und 22.254 kWh Primärenergie pro Tonne.

Interseroh stelle die hochwertigen Recyclingkunststoffe Procyclen und Recythen aus gebrauchten Verpackungen aus dem Gelben Sack bzw. der Gelben Tonne her. Mithilfe des Verfahrens „Recycled-Resource“ habe man nicht nur die Qualität der Rezyklate, sondern auch deren Umweltbilanz in den vergangenen Jahren immer weiter verbessert können, so das Unternehmen.

BDE warnt vor Ressourcenabbau

Auch der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft warnt angesichts des Erdüberlastungstages vor einer weltweit fortschreitenden Ausbeutung natürlicher Ressourcen und macht sich für eine Offensive der Kreislaufwirtschaft zur Ressourcenschonung stark. „Nachdem im vergangenen Jahr der Welterschöpfungstag coronabedingt leicht nach hinten gerutscht war, sind wir in diesem Jahr mit dem 29. Juli erneut zu einem sehr frühen Zeitpunkt am Limit unseres für dieses Jahr berechneten Ressourcenkontingents. Ab dem morgigen Tag leben wir über unsere Verhältnisse und auf Kosten der kommenden Generationen. Dieser Schlussverkauf der Erde muss so schnell wie möglich ein Ende haben“, forderte BDE-Präsident Peter Kurth.

Um die Materialkreisläufe bei möglichst allen Stoffströmen zu schließen, müssten alle Akteure ihren Beitrag leisten. Dazu brauche es Ideen, Innovationskraft und geeignete politische Rahmenbedingungen. „Der Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft der EU geht dabei in die richtige Richtung, aber auch die deutsche Politik ist gefordert“, so Kurth.

Von der nächsten Bundesregierung erwartet der BDE deutliche Akzente, damit Deutschland wieder an seine frühere Vorreiterrolle in Sachen Kreislaufwirtschaft anknüpfen kann. Es sei von höchstem Interesse, in welchem Umfang das Thema Eingang in einen späteren Koalitionsvertrag findet. Eine gute Entsorgungsstruktur mache aber noch keine Kreislaufwirtschaft. „Nach Bundestagswahl und Regierungsbildung muss die Politik mit der Entscheidung für einen Staatsminister für Green Deal im Bundeskanzleramt und geeigneten gesetzlichen Regelungen die Voraussetzungen für die Realisierung einer Kreislaufwirtschaft, die diesen Namen auch verdient, schaffen“, betonte der Verbandspräsident.

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