Das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt haben am Montag in Berlin die Gewinner des Bundespreises Ecodesign 2025 ausgezeichnet. „Die höchste staatliche Auszeichnung für ökologisches Design prämiert visionäre Lösungen zwischen Materialinnovation, digitaler Intelligenz und Kreislaufwirtschaft“, so Ministerium und UBA. Zu den Preisträgern in der Kategorie „Produkt“ gehören der Aluminiumkonzern Novelis, der Papierproduzent Steinbeis und der Smartphone-Anbieter Shiftphone.
Novelis wird mit dem Preis für einen Aluminiumblech-Prototypen aus 100 Prozent Recyclingmaterial aus der Altautoverwertung ausgezeichnet, der für Anwendungen in Karosserieaußenteilen entwickelt wurde. Das Unternehmen bezeichnet den Prototypen am Montag als einen Durchbruch, der belege, dass ein echtes Recycling von Fahrzeug zu Fahrzeug technisch und wirtschaftlich machbar sei.
Novelis bietet bereits eine Legierung für Außenteile kommerziell an, die nach Angaben des Unternehmens mindestens 75 Prozent Recyclingmaterial enthält. Dieses stammt allerdings zum Teil aus Neuschrotten aus der Automobilproduktion und aus der Verwertung von verschiedenen Altprodukten.
Recycelte und recycelbare Etiketten
Steinbeis Papier erhält die Auszeichnung für das nass- und laugenfeste Etikettenpapier „Steinbeis Label Wet“ aus 100 Prozent Altpapier und für eine passende neue Aufbereitungstechnik. Der innovative Auflösestrang ermögliche es erstmals im industriellen Maßstab, gebrauchte nassfeste Etiketten und andere schwer auflösbare Papiersorten wie zum Beispiel To-Go-Becher wieder stofflich für neue grafische Papiere zu verwerten, berichtet der Papierhersteller.
Nass- und laugenfeste Etiketten werden zum Beispiel auf Getränkeflaschen eingesetzt. In herkömmlichen Recyclingprozessen können sie nach Angaben von Steinbeis aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht aufgelöst werden. Sie würden deshalb meistens thermisch verwertet.
Wassergeschütztes modulares Smartphone
Der Smartphone-Anbieter Shiftphone erhält den Ecodesign-Preis für sein wassergeschütztes Modell „Shiftphone 8“. Es zeige, dass modulare Bauweise und Wasserschutz einander nicht ausschließen. Es habe eine IP-Schutzklasse, die unter reparierbaren Smartphones bisher unerreicht war, gleichzeitig bleibe die bewährte Modularität erhalten mit über 15 Komponenten, die von Nutzern ausgetauscht und repariert werden können, heißt es in der Begründung für die Preisvergabe.
Ein weiterer Preisträger in der Kategorie „Produkte“ ist die Matratze des Schweizer Unternehmens Ecomade, die den Angaben zufolge eine verlängerte Lebensdauer und integriertem Recyclingservice bietet. Des Weiteren wurde das Hanfmaterial „Lovr“ des Darmstädter Unternehmens Revoltech ausgezeichnet. Es ist den Angaben zufolge langlebig, recycelbar und biologisch abbaubar und kann anstelle von Kunststoff oder Leder in Bereichen wie Mode, Automobilbau und Innenarchitektur eingesetzt werden.
Der letzte Preisträger in dieser Kategorie ist das niederländische Unternehmen Loop Biotech mit einem biologisch abbaubaren Sarg, der aus Pilzmyzel und recycelten Hanffasern hergestellt wird. Dieser zersetze sich innerhalb von 45 Tagen vollständig und bereichere dabei aktiv die Biodiversität des Bodens, so die Begründung für die Preisvergabe.
KI-unterstützte Abfall-Analyse von Wasteer
In der Kategorie „Service“ ist das Berliner Start-up Wasteer einer von drei Preisträgern. Dessen KI-gestützte Lösung dient zur Analyse der Zusammensetzung von Abfallströmen bei der Anlieferung einschließlich der Erkennung von Störstoffen und liefert auch Daten zum Heizwert. Auffälligkeiten lösten automatische Warnungen aus, alle Ergebnisse würden dokumentiert. „So entsteht eine belastbare Datenbasis, mit der Anlagen Abfallströme gezielt steuern, effizienter verwerten und nachhaltiger betreiben können“, so die Begründung für die Preisvergabe. Wasteer ist ein Ableger des Unternehmens NEEW Ventures, das seinerseits eine Tochtergesellschaft des MVA-Betreibers EEW Energy From Waste ist.
Die beiden anderen Auszeichnungen in der Kategorie „Service“ gingen an die Plattform fix1.today des Unternehmens Fix First und die Softwarelösung Orto Space der Orto GmbH. Letztere unterstützt den Angaben zufolge Unternehmen der Bauindustrie bei der Erkennung von Weiternutzungspotentialen und der Steuerung von Bestandsprojekten. Fix1.today ist eine modulare KI-gestützte Plattform, die Reparaturen und andere kreislauforientierte Dienstleistungen per AI-Chat, AI-Telefon oder Onlinebuchung zugänglich macht.
Zirkuläres Design für Akkustaubsauger
In der Kategorie „Konzepte“ wurden eine Staubsaugerstudie des Miele Design Centers sowie 3D-gedruckte Betonelemente der Eigner Betonmanufaktur mit dem Ecodesign-Preis ausgezeichnet. Die von Eigner auf den Namen „Concrete Lightweight Ceiling“ getauften Hohlkörper ermöglichen die Einsparung von 40 Prozent Beton und 30 Prozent Betonstahl. Die Miele-Studie „Vooper“ für einen zirkulären Akkustaubsauger zeichnet sich den Angaben zufolge durch klare Modularität, einfache Handhabung und deutlich reduzierten Materialeinsatz aus.
In der Kategorie „Nachwuchs“, die sich an Studierende und Absolventinnen und Absolventen am Anfang ihres Berufslebens richtet, gibt es drei Preisträger. Zhong-Wei Lin vom Royal College of Art wird für das Projekt „Reefine“ ausgezeichnet, das ausgediente Austernschalen als Hauptmaterial für ein modulares künstliches Riff nutzt, das die Regeneration von Korallen unterstützt.
Levin Budihardjo Welim und Emma Rahe von der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd erhalten den Preis für Amber, ein KI-gestütztes Gerät zur Früherkennung von Borkenkäferbefall. Philipp Remus von der Hochschule Pforzheim wird für Schuh-Prototypen aus 100 Prozent Wolle nach zirkulären Designprinzipien ausgezeichnet.
Nächste Ausschreibung 2026
Am 19. Januar startet die europaweite Ausschreibung für die nächste Ausgabe der Ökodesign-Auszeichnung. Der Bundespreis Ecodesign wird vom Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Design Zentrum Berlin (IDZ) seit 2012 ausgelobt.
Der Ecodesign-Preis ist undotiert, lediglich die Nachwuchs-Preisträger erhalten einen Geldpreis in Höhe von jeweils 1.000 €. Alle Gewinnerprodukte und -projekte werden ein Jahr lang in einer „Roadshow“ auf Messen, in Museen, auf Design- und Umweltfestivals sowie bei Konferenzen und Tagungen in Deutschland und dem europäischen Ausland ausgestellt.







