
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat in diesem Jahr zum dritten Mal ihren umfassenden Verpackungscheck durchgeführt. Wie im Vorjahr wurden hierfür 48 Filialen von zwölf Supermarkt-, Discounter- und Biomarktketten zu verpackungsfreiem Einkaufen und Mehrwegangeboten untersucht. „Deutsche Discounter und Supermärkte haben noch immer ein riesiges Verpackungsmüllproblem, mit fatalen Folgen für Umwelt und Klima“, lautet die Schlussfolgerung der Umweltschutzorganisation.
Die Supermärkte und Discounter Kaufland, Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl, Netto Marken-Discount, Norma und Penny wurden daher erneut mit Roten Karten bewertet. Edeka und Rewe erhielten als einzige Supermärkte eine Gelbe Karte für ihre Verpackungskonzepte. Positiver hätten sich dagegen die Biomärkte entwickelt: Bio Company, Alnatura und Denns erhielten allesamt Grüne Karten.
Kaum Mehrweg in den Regalen und Frischetheken
Mehrwegflaschen seien im Getränkeregal von Aldi Nord, Aldi Süd und Lidl nach wie vor nicht zu finden, bei Norma lag der Anteil gerade mal bei 21 Prozent, berichtet die DUH. Das unkomplizierte Ausleihen von Mehrwegbechern und -Essensboxen für Kaffee, Salat oder an Käse- und Wursttheken wurde, mit Ausnahmen von Rewe und Edeka, nur bei den Biomarktketten konsequent umgesetzt. Abfüllstationen für trockene Lebensmittel wie Reis oder Nudeln gab es nur bei Bio Company und lediglich einer Edeka-Filiale.
In der Produktkategorie „Obst und Gemüse“ habe sich die Bilanz gegenüber dem Vorjahr sogar verschlechtert; hier wurden im Durchschnitt 66 Prozent der Produkte verpackt angeboten. Aldi Nord hält mit 78 Prozent den Negativrekord.
„Unser Verpackungscheck belegt im dritten Jahr in Folge: Zwischen nachhaltigen Werbeversprechen und Verpackungspraxis klafft bei Supermärkten und Discountern seit Jahren eine riesige Lücke. Sie kommen gar nicht oder nur in Trippelschritten zu weniger Verpackungsmüll“, kommentiert Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, die Ergebnisse.
Umwelthilfe fordert rechtliche Vorgaben
Die Organisation fordert deshalb rechtliche Vorgaben, um das in der EU-Verpackungsverordnung geltende verbindliche Abfallvermeidungsziel für Verpackungen zu erreichen. „Frankreich macht es vor mit dem Ziel, bis 2030 die Anzahl an Einweg-Plastikflaschen zu halbieren. Über eine Verbotsregelung wurden zwischen 2021 und 2023 bereits 25 Prozent Plastikverpackungsmüll bei Obst und Gemüse eingespart“, erklärt Metz.
Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) müsse dringend nachziehen und verbindliche Mehrwegquoten für Getränke, einschließlich Milch und Wein, sowie eine Abgabe von mindestens 20 Cent auf unökologische Einweg-Plastikflaschen, Dosen und Getränkekartons einführen, lautet die Forderung der DUH. Zudem müsse die sogenannte Plastiksteuer für nicht recycelte Plastikverpackungen auf die verantwortlichen Unternehmen umgelegt werden.
Das deutsche Verpackungsgesetz sehe zwar eine Mehrwegquote für Getränke von 70 Prozent vor. Diese sei aber weder für den Handel verbindlich noch werde sie sanktioniert, kritisiert die Umwelthilfe. Das Mehrwegangebot für Getränke bei den klassischen Supermärkten und Discountern lag bei den DUH-Tests mit durchschnittlich nur 30 Prozent weiterhin deutlich unter der Quote.
„Wie umweltfreundlich verpackt werden kann, zeigen erneut die von uns untersuchten Biomärkte Bio Company, Alnatura und Denns“, kommentiert Elena Schägg, stellvertretende DUH-Leiterin für Kreislaufwirtschaft. „Wenn Obst und Gemüse bei Alnatura zu 92 Prozent und bei Denns zu 87 Prozent unverpackt angeboten werden, können sich große Handelsketten nicht hinter billigen Ausreden verstecken.“
Um möglichst vielen Menschen einen verpackungsarmen Einkauf zu ermöglichen, müssten die großen Lebensmitteleinzelhändler endlich aufholen, schlussfolgert die DUH. Der vollständige Bericht zum Verpackungscheck lässt sich hier abrufen.



