DSD an Circular Resources Sàrl verkauft

Nach mehreren Versuchen hat es doch noch geklappt: Der Grüne Punkt bekommt einen neuen Hauptgesellschafter. Die Firma Circular Resources Sàrl hat mit Wirkung zum 10. August 2022 die DSD – Duales System Holding GmbH & Co. KG und die Unternehmensgruppe mit dem Grünen Punkt vollständig übernommen. Circular Resources und DSD haben die Übernahme am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Auch der Finanzinvestor HIG Capital bestätigte zeitgleich den Verkauf seiner Anteile an DSD. Zur DSD-Gruppe gehören unter anderem die Duales System Deutschland GmbH sowie die beiden Kunststoffrecycler Systec Plastics GmbH mit der Produktionsstätte in Hörstel und die Systec Plastics Eisfeld GmbH.

Die Nachricht kam etwas überraschend, bekannt war nur wenigen Eingeweihten, dass seit längerem sehr vertraulich Verhandlungen im Hintergrund liefen. Beteiligte wollten sich vor Monaten auf Anfrage von EUWID nicht dazu äußern.

Den Angaben zufolge bleibt das DSD-Management mit fünf Geschäftsführern an Bord und wird sich in einem zweiten Schritt in signifikantem Umfang am Unternehmen beteiligen. Wie DSD-Chef Michael Wiener sagte, gehe es dabei um einen zweistelligen Anteil. Zum Kaufpreis für Circular Resources haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart.

Mit im Boot von DSD und Circular Resources werden zwei prominente deutsche Geschäftsleute sein, die über ihren Investmentfonds CirCap in Circular Resources investieren werden. Ralf Huep (ehemals Advent International) und Karl-Georg Altenburg (ehemals JP Morgan) werden als Non-Executive Chairman bzw. Director fungieren und somit in den Vorstand der DSD-Holdinggesellschaft einziehen.

Huep sagt: „Wir sind fest entschlossen, das volle Potenzial des Grünen Punkts zu erschließen. Das Unternehmen hat in Deutschland Pionierarbeit für das duale System geleistet, eine sehr starke Marke entwickelt, sich an verschiedene regulatorische und marktbezogene Veränderungen angepasst und ist nun bereit zu expandieren. Das Fundament ist solide, und die neuen Anteilseigner werden dazu beitragen, das Wachstum des Unternehmens zu fördern.“

Carlos Monreal, Gründer und Präsident von Circular Resources, sagt: „Die Übernahme von Der Grüne Punkt durch Circular Resources ist ein Meilenstein für das Closed-Loop-Recycling. Circular Resources wird das derzeitige Lizenzierungs-, Entsorgungs- und mechanische Recyclinggeschäft von "Der Grüne Punkt", das sich sehr gut entwickelt, voll unterstützen und durch die Einführung des chemischen Recyclings von Kunststoffabfällen in großem Maßstab in Deutschland ergänzen.“ Carlos Monreal ist auch Gründer und CEO der britischen Firma Plastic Energy, die Pyrolyseanlagen für das  chemische Recycling von Kunststoffabfällen betreibt und mit Partnern umsetzt .

„Abfall ist längst zum wertvollen Rohstoff geworden. Wir müssen gerade beim Kunststoff dafür sorgen, dass der darin enthaltene fossile Kohlenstoff nicht in die Umwelt gelangt und etwa als CO2 den Klimawandel befördert“, erläutert Laurent Auguste, CEO von Circular Resources, das Engagement. Ziel sei eine ganzheitliche Lösung für die Kreislauffähigkeit von Kunststoff, so der frühere Veolia-Manager. „Zusammen mit Der Grüne Punkt entwickeln wir einen einzigartigen Ansatz, indem wir die Lizenzierung von Verkaufsverpackungen und den Zugang zum Stoffstrom mit mechanischem und chemischem Recycling kombinieren. Durch enge Partnerschaften mit Verpackungsherstellern wollen wir sie dabei unterstützen, den Kreislauf durch ihre Einkaufsentscheidung zu schließen.“

„Mit Circular Resources gewinnen wir den strategischen Partner, den wir für die Weiterentwicklung unseres Geschäfts brauchen und mit dem wir in neue Dimensionen vorstoßen werden“, ist DSD-Chef Wiener überzeugt. „Wir werden weiter in das mechanische Recycling investieren, hier sowohl Qualität als auch Kapazität ausbauen und weitere Einsatzbereiche für unsere Rezyklate gewinnen. Daneben werden wir gemeinsam mit den Partnern Lösungen für mechanisch nicht recyclingfähige Kunststoffabfälle entwickeln, einschließlich chemischen Recyclings. Dadurch können wir mehr Rohstoffe im Kreislauf halten und die ökologischen Auswirkungen von Verpackungsabfall verringern. Hinzu kommt die starke internationale Ausrichtung des Geschäfts, für die Circular Resources genau der richtige Partner ist.“

Die Partner betonen, dass sich die gut aufgestellten Geschäftsbereiche der verschiedenen Unternehmen optimal ergänzen und als Teil einer ganzheitlichen Lösung weiterentwickelt werden. Die Verpackungslizenzierung und das Recycling werden dabei weiter Hand in Hand gehen. „Unser gemeinsames Ziel ist es, schnell und innovativ zu handeln, um Synergien zwischen den Geschäftsbereichen realisieren und unsere Kunden auf diesem sich rasch entwickelnden Markt bedienen zu können“, so Auguste. „Zusammen mit Der Grüne Punkt werden wir ein Treiber für neue Technologien, auch das chemische Recycling, sein.“

„Dass wir nun chemisches Recycling mit in unser Angebot aufnehmen, wird unsere Wachstumsdynamik weiter stärken“, ist Wiener überzeugt. An einem der beiden deutschen Standorte von DSD soll binnen der nächsten zwei bis zweieinhalb Jahre eine Pyrolyseanlage umgesetzt werden, um das chemische Recycling mit dem mechanischen Recycling von Kunststoffabfälle zu verschränken. Ziel sei es auch, zukünftig international zu wachsen. Die Kombination von mechanischem und chemischem Recycling in Deutschland solle dafür die Blaupause sein. Auf die Frage, welche Rolle Altera, das zweite duale System von DSD, das bislang nicht operativ tätig ist, künftig spielt, meinte Wiener, dass Altera möglicherweise eine neue Rolle bekommen werde.

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