
Wie entwickeln sich die Kapazitäten für die thermische Behandlung gefährlicher Abfälle? Welche Stoffströme dominieren aktuell – und wo entstehen neue Anforderungen, etwa durch Recyclingprozesse? Antworten darauf gibt ein Blick in die Praxis: Die Rückstandsverbrennungsanlage im Industriepark Lausitz zählt zu den spezialisierten Anlagen für anspruchsvolle industrielle Abfälle.
Betreiber ist die BASF InfraService & Solutions Lausitz GmbH. Das Unternehmen verantwortet die Infrastruktur des Industrieparks Schwarzheide im Süden Brandenburgs und bietet unter anderem Entsorgungsdienstleistungen für interne und externe Kunden an. Im Gespräch mit EUWID erläutert Jens Vater, Head of Infrastructure, aktuelle Entwicklungen bei Kapazitäten, Stoffströmen und Nachfrage.
Herr Vater, wie sieht das Entsorgungsportfolio der BASF InfraService & Solutions Lausitz im Industriepark Lausitz konkret aus?
Als Betreiber des Industrieparks Lausitz sind wir ein zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb und übernehmen das Management, die Behandlung und die thermische Verwertung industrieller Abfälle. Neben Abfällen aus eigenen Anlagen und von Unternehmen im Industriepark betreuen wir auch externe Kunden. Wir übernehmen die komplette Entsorgung industrieller Abfälle, von der Klassifizierung über Transport und Nachweisführung bis hin zum Recycling.
Über welche genehmigte und aktuell genutzte Behandlungskapazität verfügt die Sonderabfallverbrennungsanlage im Industriepark Lausitz, und wie hat sich die Auslastung zuletzt entwickelt?
Die Anlage verfügt über eine Zielkapazität von 45.000 Tonnen pro Jahr. Die Auslastung liegt bei etwa 75 Prozent und ist in den letzten Jahren leicht zurückgegangen, sodass derzeit Spielräume bestehen, zusätzliche Abfälle – auch von externen Partnern – aufzunehmen.
Welche gefährlichen Abfälle und sonstigen industriellen Rückstände werden in der Anlage konkret behandelt, und auf welche besonders anspruchsvollen Stoffe sind Sie spezialisiert?
Wir behandeln ein breites Spektrum gefährlicher Abfälle und industrieller Rückstände, die im Industriepark anfallen von halogenhaltigen, insbesondere chlor- und bromhaltigen, sowie siliziumhaltigen Rückständen bis hin zu komplexen Sonderabfällen. Die Anlage ist auf inhomogene und anspruchsvolle Stoffströme spezialisiert, die höchste Sicherheits- und Umweltstandards erfordern.
Aus welchen Regionen stammen die behandelten Abfälle und Rückstände, wie hoch sind die Transportentfernungen, und welchen Anteil machen grenzüberschreitende Verbringungen aus?
Der Großteil unserer Abfälle stammt aus dem regionalen und nationalen Umfeld, insbesondere aus dem Industriepark Lausitz selbst. Dadurch sichern wir kurze Transportwege und stärken die Kreislaufwirtschaft vor Ort.
Auf Basis der Kapazität der Anlage sind wir in der Lage, auch überregionale Mengen anzunehmen, aktuell liegen grenzüberschreitende Verbringungen bei etwa fünf Prozent.
Wie hat sich die Nachfrage nach thermischer Behandlung gefährlicher Abfälle und industrieller Rückstände in Ihrem Einzugsgebiet in den letzten Jahren entwickelt?
Die Nachfrage aus der klassischen chemischen Industrie ist in den letzten Jahren rückläufig, da geringere Produktionsmengen zu weniger Abfall führen. Gleichzeitig steigt das Aufkommen aus Recycling- und Kreislaufwirtschaftsprozessen, wo Reststoffe nicht weiter stofflich verwertet werden können und daher thermisch behandelt werden müssen. Insgesamt ergibt sich ein differenziertes, aber stabiles Nachfragebild.
Wie haben sich die Preise für die Behandlung in Ihrer Anlage und im Marktumfeld insgesamt entwickelt, und welche Faktoren sind dafür maßgeblich?
Die aktuelle wirtschaftliche und geopolitische Situation spiegelt sich auch in den Behandlungskosten für Abfall wider. Diese sind unter anderem beeinflusst von den stark gestiegenen Energiekosten und Logistikkosten oder den Veränderungen in globalen Lieferketten. Wir fahren die Anlage aber so kostengünstig wie möglich – für unsere Kunden und für uns selbst.
Welchen Anteil haben externe Abfälle und Rückstände im Vergleich zu Stoffströmen aus dem Industriepark selbst, und wie hat sich dieses Verhältnis in den letzten Jahren verändert?
Externe Abfälle machen derzeit weniger als 15 Prozent unserer Gesamtabfälle aus, und dieses Verhältnis ist stabil. Gleichzeitig haben wir zusätzliche Kapazitäten, um externe Abfälle flexibel aufzunehmen, ohne die internen Abläufe zu belasten.
Wie beurteilen Sie die Verfügbarkeit von Verbrennungskapazitäten für gefährliche Abfälle und vergleichbar anspruchsvolle Rückstände in Ihrer Region – sehen Sie eher Engpässe oder ausreichende Kapazitäten?
Aktuell sehen wir in unserer Region keine Engpässe bei den Verbrennungskapazitäten für gefährliche Abfälle und vergleichbar anspruchsvolle Rückstände. Die vorhandenen Kapazitäten sind derzeit ausreichend, um die anfallenden Mengen zuverlässig und sicher zu behandeln.
Wie verändern sich aus Ihrer Sicht aktuell die Anforderungen an die thermische Behandlung gefährlicher Abfälle und industrieller Rückstände?
Mit Blick in die Zukunft erwarten wir, dass sich das Anforderungsprofil verändern wird: Insbesondere Abfallströme aus Recyclingaktivitäten – etwa im Bereich des chemischen Recyclings – bringen zunehmend komplexe und heterogene Stoffzusammensetzungen mit sich. Daraus können sich höhere Anforderungen an die Behandlungstechnologien resultieren.
Für genau diese Entwicklungen sind wir gut aufgestellt. Unsere Anlage ist darauf ausgelegt, auch anspruchsvolle und inhomogene Abfallströme sicher und effizient thermisch zu behandeln, sodass wir auf zukünftige Herausforderungen in diesem Bereich vorbereitet sind.
Welche regulatorischen Anforderungen beeinflussen den Betrieb Ihrer Anlage derzeit am stärksten, und welche konkreten Auswirkungen haben diese auf Kosten und Kapazitäten?
Den größten Einfluss haben derzeit bereits umgesetzte sowie absehbare Verschärfungen der Emissionsgrenzwerte, insbesondere im Bereich Luft und Wasser. Diese regulatorischen Entwicklungen erfordern frühzeitige technische Anpassungen, um langfristig Planungssicherheit zu gewährleisten.
Vor diesem Hintergrund haben wir bereits im Jahr 2020 in eine trockene Rauchgasreinigung investiert. Die damit verbundenen leicht erhöhten Kosten im Bereich der Schadstoffabscheidung stehen für uns jedoch in einem sehr guten Verhältnis zum Nutzen: Wir konnten dadurch gezielt zusätzliche Kapazitäten schaffen, insbesondere für anspruchsvolle Abfallströme wie halogen- und siliziumhaltige Rückstände.
Ein wesentlicher Vorteil ist zudem, dass wir unseren Kunden diese Kapazitäten langfristig und weitgehend preisstabil anbieten können, da wir auf Basis der heutigen technischen Ausstattung auch bei künftigen regulatorischen Entwicklungen – etwa durch neue BREF-Anforderungen, also EU-weit festgelegte Emissions- und Technikstandards für Industrieanlagen – keine wesentlichen Einschränkungen erwarten.
Welche konkreten Weiterentwicklungen oder Investitionen sind für die Rückstandsverbrennungsanlage im Industriepark Lausitz geplant, und welche Rolle spielen dabei neue Technologien, etwa zur CO₂-Abscheidung?
Für uns gilt der Grundsatz, dass die Anlage kontinuierlich weiterentwickelt wird, um stets dem neusten Stand der Technik zu entsprechen. Parallel dazu beobachten wir technologische Entwicklungen sehr genau – insbesondere im Bereich der CO₂-Abscheidung. Wir haben hierzu bereits eine eigene Studie zur möglichen Integration von CCUS-Technologien an unserer Anlage durchgeführt und die grundsätzliche Umsetzbarkeit geprüft. Derzeit sehen wir jedoch aufgrund der bestehenden regulatorischen Rahmenbedingungen sowie der aktuellen Anforderungen unserer Kunden keine belastbare Grundlage für eine konkrete Umsetzung. Sollte sich hier künftig etwas verändern – etwa durch angepasste gesetzliche Vorgaben oder eine steigende Nachfrage nach CO₂-armen Entsorgungslösungen – sind wir gut vorbereitet und können zeitnah auf entsprechende Entwicklungen reagieren.
Welche Rolle spielt Ihre Anlage im Hinblick auf Klimaschutz und Dekarbonisierung der Abfallwirtschaft, und welche konkreten Maßnahmen zur Emissionsreduktion verfolgen Sie?
Der Betrieb einer Rückstandsverbrennungsanlage ist mit direkten CO₂-Emissionen verbunden. Gleichzeitig übernimmt die Anlage die thermische Behandlung nicht anderweitig verwertbarer Abfälle und trägt damit zur Entsorgungssicherheit im industriellen Kontext bei. In der nachgeschalteten, mehrstufigen Reinigungsanlage werden Schadstoffe wie Halogene, Schwefel oder Quecksilber sicher abgeschieden. Dabei entsteht kein Abwasser – ein klarer Vorteil für Umwelt und Genehmigungsprozesse.
Wesentliche Stellhebel zur Reduktion von Emissionen liegen in der energieeffizienten Fahrweise der Anlage sowie in der Optimierung der Prozessführung. Ziel ist ein möglichst effizienter Einsatz von Energie im laufenden Betrieb. Kurze Transportwege tragen zusätzlich zur Begrenzung indirekter Emissionen bei.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Vater.



