„Die Frist zur verpflichtenden Phosphorrückgewinnung bleibt unverzichtbar“

EUWID-Interview mit DPP-Geschäftsführerin Tabea Knickel

Die Umsetzung der Klärschlammverordnung und der Hochlauf der Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm stehen an einem kritischen Punkt. Während über Fristen, Übergangslösungen und Finanzierungsmodelle kontrovers diskutiert wird, wächst der Druck, schnell praxistaugliche Strukturen für Rückgewinnung, Vermarktung und Investitionen zu schaffen. Die Deutsche Phosphor-Plattform (DPP) warnt vor einer Verschiebung der Vorgaben, setzt auf regulatorische Verlässlichkeit und beteiligt sich zugleich an der Debatte über mögliche Übergangsinstrumente wie ein Fondsmodell. Im Interview erläutert DPP-Geschäftsführerin Tabea Knickel, wie sie den aktuellen Stand der Umsetzung bewertet, welche Rolle die Deponierung von Klärschlammverbrennungsaschen und ein „nationales Phosphordepot“ spielen könnten und was sie sich von der IFAT erhofft.

Frau Knickel, wo steht Deutschland aus Sicht der DPP derzeit beim Aufbau von Klärschlamm-Monoverbrennungskapazitäten, Phosphor- Rückgewinnungskapazitäten und Absatzmärkten für P-Rezyklate?

Aus unserer Sicht ist die technische Umsetzbarkeit der Phosphorrückgewinnung grundsätzlich gegeben. Die Herausforderungen liegen heute vor allem in der Umsetzung im industriellen Maßstab und im Aufbau tragfähiger Strukturen. Klärschlamm-Monoverbrennungsanlagen befinden sich in Bau oder Planung, erste Phosphorrückgewinnungsanlagen gehen in Betrieb, und erste Produkte – P-Rezyklate – sind bereits am Markt verfügbar. Diese können über verschiedene Kanäle genutzt werden, etwa in der Landwirtschaft, wobei der Markt noch im Aufbau ist.

Das Umweltbundesamt erwartet für 2029 derzeit einen Deckungsgrad von rund 25 Prozent bei der Phosphorrückgewinnung. Diese Zahl berücksichtigt jedoch noch nicht vollständig vorhandene Potenziale. Viele Klärschlammverbrennungsaschen eignen sich bereits für die stoffliche Nutzung, teilweise direkt, teilweise nach gezielten, praxisnahen Aufbereitungsverfahren. Verschiedene technische Ansätze – von thermochemischen und nasschemischen Verfahren bis hin zu integrierten Lösungen auf Kläranlagen – eröffnen unterschiedliche Wege zur Nutzung.

Für die DPP kommt es jetzt darauf an, diese Potenziale konsequent zu erschließen und den Aufbau von Rückgewinnungskapazitäten zügig voranzutreiben. Die Branche zeigt: Umsetzung ist möglich, erste Produkte existieren, und ein klarer Hochlauf ist realisierbar, wenn Investitionen, Planung und Marktentwicklung weiter koordiniert voranschreiten.

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