Der US-Konzern Ecobat verkauft seine deutschen und österreichischen Recyclingbetriebe für Blei-Säure-Akkumulatoren an Clarios, einen international tätigen Hersteller von Starterbatterien und Eigentümer der Marke Varta im Automobilsektor. Ecobat setzt damit seinen Rückzug aus dem Bleisegment in Europa fort, nachdem zuletzt die Veräußerung der französischen und italienischen Standorte bekannt gegeben geworden war.
Die Transaktion umfasst den Angaben zufolge die Anlagen im sächsischen Freiberg, in Braubach in Rheinland-Pfalz und in Arnoldstein im österreichischen Kärnten. Zum finanziellen Umfang äußerten sich die Beteiligten nicht. Der Standort Freiberg hat laut dem jüngsten im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss im Jahr 2024 rund 50.900 Tonnen Akkuschrott verarbeitet und setzte mit 146 Beschäftigten 159,1 Mio € um. In Braubach erwirtschaftete Ecobat bei rückläufigen Mengen und Umsätzen ein negatives Ergebnis: Die verarbeitete Menge an Altbatterien sank 2024 auf 47.000 Tonnen nach 54.000 Tonnen im Vorjahr, der Umsatz reduzierte sich deutlich auf 102,5 Mio € (2023: 120,8 Mio €). Das Ergebnis vor Verlustübernahme durch die Muttergesellschaft lag bei minus 2,4 Mio € (2023: minus 3,1 Mio €).
Weiterhin im Besitz von Ecobat bleibt die Anlage in Hettstedt bei Halle für das mechanische Recycling von Lithium-Ionen-Akkus (LIB) aus Fahrzeugen. Dieser Batterietyp bildet das Kerngeschäft, auf das sich das Unternehmen künftig voll und ganz konzentrieren will, wie CEO und Präsident Tom Slabe die aktuelle Verkaufsentscheidung begründet. Im englischen Darlaston und im US-Bundestaat Arizona verfügt das Unternehmen über weitere LIB-Verwertungsbetriebe.
Niedrigvoltbatterien auf Blei-Säure-Basis sind wiederum das zentrale Geschäftsfeld des Käufers. Mit der Übernahme plant Clarios laut eigenen Angaben, seine europäische Recycling-Präsenz zu erweitern und interne Kapazitäten in dem Bereich zu erhöhen. So erhalte das Unternehmen Zugang zu bewährten Technologien und fundiertem Know-how bei der Verarbeitung und Rückgewinnung von Blei sowie Polypropylen, dem Hauptbestandteil von Batteriegehäusen. Außerdem soll die Integration der Ecobat-Anlagen dazu beitragen, die steigenden gesetzlichen Anforderungen und Kundenerwartungen an eine verantwortungsvolle Beschaffung und Materialwiederverwendung zu erfüllen.
Werner Benade, Präsident für die EMEA-Region (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) bei Clarios, nennt die Expansion einen „wichtigen Meilenstein“: Sie werde „die Lieferung hochwertiger Sekundärmaterialien – insbesondere für unsere führende Marke Varta – unterstützen, um die wachsende Nachfrage nach modernen Niederspannungsbatterien zu befriedigen, die Energiewende in der Automobilindustrie zu unterstützen und unsere Führungsrolle in der Kreislaufwirtschaft zu stärken“.
Nach eigenen Angaben fertigt Clarios jährlich rund 150 Mio Batterien für Start-, Beleuchtungs- und Sicherheitsfunktionen in Fahrzeugen und verfügt über ein weltweites Recyclingnetzwerk, das die Verwertung von rund 70 Mio Altbatterien pro Jahr ermögliche. Eine eigene deutsche Recycling-Anlage besitzt das Unternehmen in Buchholz-Krautscheid im Westerwald. Die Jahreskapazität beträgt dort laut Geschäftsführung rund sechs Mio bleihaltige Altbatterien. 2019 wurde der damalige Eigentümer des Standorts, die Johnson Controls Power Solutions Division, an den Finanzinvestor Brookfield Business Partners verkauft und in Clarios umbenannt.
Hinweis der Redaktion: Wir haben den Artikel nachträglich um neue Informationen aus den Jahresabschlüssen der deutschen Ecobat-Standorte ergänzt und Details zum Besitzerwechsel bei der Recycling-Anlage in Buchholz-Krautscheid korrigiert.




