Das bisher im Batterierecycling aktive Unternehmen Circu Li-ion weitet sein Geschäftsmodell aus: Künftig will es sich auf die automatisierte Demontage kompletter Elektrofahrzeugsysteme konzentrieren und diesen Bereich im industriellen Maßstab vorantreiben. Im Zuge der strategischen Neuausrichtung firmiert der Technologieanbieter ab sofort unter dem Namen R3 Robotics, der für „Repair, Reuse, Recycle“ und den Einsatz von Robotertechnik steht. Für die Expansion konnten in einer Serie-A-Finanzierungsrunde 14 Mio. € eingeworben werden, wie die Geschäftsführung zugleich bekanntgibt. Weitere sechs Mio. € kommen aus europäischen Fördergeldern hinzu.
Den Schritt begründet Antoine Welter, CEO und Mitbegründer von R3 Robotics, mit einem wesentlichen „Engpass im aktuellen Wirtschaftskreislauf“, den er in der sicheren und kostengünstigen Zerlegung komplexer elektrifizierter Systeme im Großmaßstab sieht. Die Komponenten, die aus E-Autos in die Verwertung gelangen, sind hochkomplex – ihre manuelle Zerlegung bleibt daher laut Unternehmensangaben arbeitsintensiv, teuer und schwer skalierbar, auch im Hinblick auf die Sicherheit des Personals. Die technologische Antwort von R3 Robotics ist daher eine Demontageplattform, die für industrielle Umgebungen mit hohem Durchsatz konzipiert wurde. Sie kombiniere künstliche Intelligenz und spezialisierte Roboterwerkzeuge, um neben Lithium-Ionen-Batteriepacks künftig auch E-Motoren und Leistungselektronik automatisch zu zerlegen.
„Eine skalierbare Demontage-Infrastruktur ist unerlässlich, um die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten zu stärken und den Zugang zu kritischen Input-Materialien zu sichern“, erklärt John Glushik vom US-amerikanischen Leadinvestor HG Ventures, der die Investitionsrunde gemeinsam mit dem spanischen Nachhaltigkeitsfonds Suma Capital anführt. Außerdem beteiligen sich die deutsche Familienholding Oetker Collection KG und der European Innovation Council Fund sowie die bestehenden Gesellschafter Bonventure, EIT Urban Mobility und Flix Founders.
Rückenwind erhält das Geschäftsmodell von R3 Robotics durch den erwarteten Anstieg der End-of-Life-Volumina aus dem EV-Markt sowie den wachsenden regulatorischen Druck: Das Unternehmen verweist explizit auf die EU-Batterieverordnung, den Critical Raw Materials Act (CRMA) und die Altfahrzeug-Richtlinie, die neue Anforderungen an Materialrückgewinnung und Recyclingquoten mit sich bringen.
Das frische Kapital soll konkret in den Ausbau der Technologie und des Teams fließen sowie in die Erhöhung der Kapazitäten am Hauptsitz in Luxemburg und in Karlsruhe. Der deutsche Standort fungiere als Referenzanlage, um die industrielle Machbarkeit des Verfahrens zu demonstrieren. Ziel ist ein breiter Rollout der Demontageplattform bei Verwertern und Partnern aus der Autobranche. Als Beispiel für eine bereits laufende Integration der Technologie nennt R3 Robotics die Kooperation mit dem finnischen Unternehmen Fortum Battery Recycling. Parallel zu den Aktivitäten in Europa ist für 2026 ein Markteintritt in den USA geplant, wie es in der aktuellen Mitteilung weiter heißt.
Bislang war der Automatisierungsspezialist unter anderem durch ein Pilotprojekt im Batterierecycling mit Amazon bekannt. Darüber hinaus wird auf der Unternehmenshomepage auf Partnerschaften mit Jaguar Land Rover, Hyundai und dem Second-Life-Speicherhersteller Voltfang hingewiesen.




