Die BMW Group hat eine langfristige Kooperation mit dem E-Schrott- und Batterieverwerter SK Tes ins Leben gerufen: Ab sofort werden nicht mehr verwendbare Hochvoltbatterien aus der Entwicklung, Produktion und den europäischen Märkten von BMW an SK Tes geliefert, heißt es in einer Presseerklärung. Ziel des auf mehrere Jahre angelegten Gemeinschaftsprojekts sei der Aufbau eines geschlossenen Kreislaufs für Batterie-Rohstoffe wie Kobalt, Nickel und Lithium. In der Anfangsphase erfolge nun der erste Schritt des Recyclings, die mechanische Extraktion metallhaltiger Schwarzmasse, in der vor vier Monaten eröffneten Behandlungsanlage von SK Tes in Rotterdam. Anschließend werde die Schwarzmasse „im globalen Netzwerk von SK Tes weiterverarbeitet“, wie eine Sprecherin der BMW Group auf EUWID-Anfrage mitteilte.
„Partnerschaften wie diese erhöhen unsere Effizienz im Sinne der Kreislaufwirtschaft“, sagt Jörg Lederbauer, Hauptabteilungsleiter für Kreislaufwirtschaft, Ersatzteilversorgung Hochvoltspeicher und elektrischer Antrieb bei BMW. Der Autohersteller sei direkt in die praxisnahen Recyclingprozesse involviert und will wertvolle Erkenntnisse daraus in die eigenen Entwicklungsabteilungen zurückspielen, heißt es in der Pressemeldung weiter. Auf diese Weise „profitieren alle Partner gegenseitig von ihren Erfahrungen“, so Lederbauer.
Closed Loop von BMW Brilliance Automotive in China als Vorbild
Die neue Zusammenarbeit mit SK Tes knüpft auch an ein Erfolgsmodell in China an, das in der aktuellen Mitteilung explizit Erwähnung findet: Durch das BMW Brilliance Automotive Joint Venture (BBA) habe man dort im Jahr 2022 erstmals einen geschlossenen Kreislauf für die Wiederverwendung von Rohstoffen aus Hochvoltbatterien etabliert. Als Grund für das weiter auszubauende Engagement in Asien nannte BMW damals unter anderem die erwartete Welle an Altbatterien, die auf dem chinesischen Markt durch die boomende Nachfrage nach E-Autos anfallen würde. Aber auch in Deutschland verstärkt der Konzern seine Verwertungsaktivitäten: Erst Ende November hat er Pläne zur Errichtung seines „Cell Recycling Competence Center“ im niederbayerischen Kirchroth bekanntgegeben, wo ein inhouse erarbeitetes Direktrecycling-Verfahren (ohne pyro- oder hydrometallurgische Aufbereitungsschritte) im größeren Maßstab realisiert werden soll.
Kreislauffähige Produkte entwickeln, mehr Sekundärmaterialien in Bauteilen verwenden und die Resilienz der Lieferkette verbessern – das seien wichtige strategische Themen für BMW, kommentierte Nadine Philipp, Hauptabteilungsleiterin Nachhaltigkeit Lieferantennetzwerk, die jetzt verkündete Vereinbarung mit dem Verwertungsspezialisten SK Tes. Um welche Mengen an zu recycelnden Batteriematerialien es künftig gehen wird, lasse sich in der frühen Phase des Gemeinschaftsprojekts noch nicht sagen, hieß es auf Anfrage. „Die BMW Group hat sich für SK Tes als Partner entschieden, weil dessen Kapazitäten den erwarteten Bedarf für die nächsten Jahre decken“, erklärte eine Sprecherin des Konzerns.
Die Tes-Gruppe gehört seit 2022 zum südkoreanischen Bau- und Umweltkonzern SK Ecoplant. Eigenen Angaben zufolge hat SK Tes über 40 Standorte in mehr als 20 Ländern weltweit, darunter 13 Werke mit Batterierecycling-Kapazitäten: Sieben davon sind wiederum in Asien lokalisiert, mit allein drei Niederlassungen am Hauptsitz in Singapur. Dort hat SK Tes den Kreislauf für Batteriematerialien einschließlich mechanischer und hydrometallurgischer Prozesse geschlossen.




