Bioabfall: Strengere Kontrollwerte erfordern Zusammenarbeit von Kommunen und Privaten

BDE sieht Branche für höhere Anforderungen gut aufgestellt

Für die seit Anfang Mai greifenden strengeren Anforderungen an die Fremdstoffentfrachtung bei Bioabfällen sieht der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft die Branche gut vorbereitet. Nunmehr dürfen Bioabfälle aus der Biotonne nur noch maximal ein Prozent Kunststoff enthalten. Der BDE begrüßt diese Verschärfung ausdrücklich. „Wir unterstützen die neuen Vorgaben, da sie den Eintrag von Kunststoffen und anderen Störstoffen in die Umwelt reduzieren und die Qualität der Bioabfälle deutlich verbessern“, erklärte Anja Siegesmund, Geschäftsführende Präsidentin des BDE.

Auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) wertet die neuen Regeln positiv. Sie seien „ein wichtiger erster Schritt, um den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt zu verringern“, sagt Verbandsvize Uwe Feige. Aus Sicht des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) ist besonders das in dem Regelwerk enthaltene „Rückweisungsrecht“ wichtig, auf deren Grundlage Anlagenbetreiber die Annahme von stark verunreinigtem Bioabfall verweigern können. Dann drohen dem Lieferanten hohe Kosten, wenn er den schon abgeladenen Müll wieder einladen und woanders hin transportieren muss.

„Der eigentliche Qualitätssprung liegt in der Möglichkeit, minderwertiges Material gar nicht erst in den Verwertungsprozess zu bringen“, sagt bvse-Experte Andreas Habel. Ist die Qualität von Biomüll zu schlecht, muss er verbrannt werden –und aus der erhofften Nutzung als Kompost oder Biogas wird nichts.

Die neuen Grenzwerte richten sich primär an die Kommunen, die durch Abfallsatzungen Anreize für bessere Mülltrennung schaffen können – etwa durch Öffentlichkeitsarbeit, Gebührenmodelle oder Sanktionen bei Fehlwürfen. „Mit kluger lokaler Steuerung müssen dadurch keine zusätzlichen Kosten für Bürgerinnen und Bürger entstehen“, so BDE-Präsidentin Siegesmund. Untersuchungen zeigten eine leichte Verbesserung: Statt drei bis vier Prozent Fremdmaterial liege der Anteil heute durchschnittlich bei zwei bis drei Prozent.

Weiterhin viel Organik im Restabfall

„Besorgniserregend ist jedoch, dass 39 Prozent organisches Material weiterhin im Restmüll landen“, so Siegesmund offenbar unter Verweis auf die viel beachtete Restabfallanalyse des Umweltbundesamtes. Auch hier seien die Kommunen gefordert, genaue Analysen durchzuführen und gezielte Verbesserungsmaßnahmen einzuleiten. Man bemerke eine immer größere Aufmerksamkeit seitens der kommunalen Entscheidungsträger für das Thema. „Das sollte auch in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden, um im gesamten Bundesgebiet eine gute Getrenntsammlung zu erreichen.“

In den vergangenen Jahren habe die Entsorgungsbranche massiv in neue Anlagentechnik zur Detektion, Sortierung und in innovative Behandlungsprozesse investiert. Solche Investitionen verursachen teils Kosten im sechs- bis siebenstelligen Bereich. „Diese Aufwendungen werden sich allein über den Verkauf hochwertiger Komposte kaum refinanzieren lassen“, so die BDE-Präsidentin. „Mittelfristig werden die Kosten über die Abfallgebühren an Kommunen und Nutzer weitergegeben – allerdings kann eine verbesserte Getrenntsammlung Gebühren stabilisieren oder sogar senken.“ Zentrale Instrumente der Kommunen seien Öffentlichkeitsarbeit, Satzungsanpassungen und konsequente Kontrollen. „Die verbesserte Kreislaufführung der Bioabfälle ist ein Gemeinschaftswerk, und hier bedarf es der guten Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Privaten“, betont Siegesmund.

„Ohne konsequente Mülltrennung bleibt selbst modernste Technik wirkungslos. Kommunen müssen jetzt die Weichen stellen, damit aus sauberem Bioabfall hochwertige Komposte und Energie entstehen. Nur so erreichen wir unsere Klima- und Ressourcenschutzziele nachhaltig“, ergänzt Sebastian Winkelheide, Vorsitzender des BDE-Arbeitskreises Biomasse und Geschäftsführer der Remondis Smartrec GmbH.

ASA: Kein Aufbruch der Branche erkennbar

Zurückhaltender äußerte sich die Arbeitsgemeinschaft Stoffspezifische Abfallbehandlung (ASA): „Einen Aufbruch in der Branche sehen wir derzeit nicht, da die Vorgaben des Paragrafen 2a der Bioabfallverordnung bereits lange feststehen und Anlagenbetreiber sich auf die Vorgaben bereits langfristig vorbereiten konnten. Schon vor Inkrafttreten der Verordnung war es gängige Praxis, Störstoffe in großem Umfang zu entfernen. Der Gesetzgeber hat hierbei das Rad nicht neu erfunden, sondern lediglich die bestehende Praxis in einen rechtlichen Rahmen gegossen“, erläutert Katrin Büscher, Geschäftsführender Vorstand der ASA.

Doch auch bei einer langen Vorbereitungszeit kann das Ziel der Fremdstoff- und Mikroplastikreduktion nicht nur auf Betreiberseite gelöst werden. „Ein hoher Verschmutzungsgrad ist sehr problematisch für die Bioabfallverwertung. Ab einem bestimmten Verschmutzungsgrad ist die Technik nicht mehr in der Lage, alle Störstoffe zu entfernen, und der Bioabfall kann nicht mehr zu qualitätsgesichertem Kompost verwertet werden“, berichtet Johanna Weppel, Umweltingenieurin der ASA.

Entgegen den BDE-Zahlen hat laut ASA der Verunreinigungsgrad der getrennt gesammelten Bioabfälle in den letzten Jahren stetig zugenommen. Die bewusste Trennung von Bioabfall werde in der Bevölkerung noch immer als lästig empfunden. „Es fehlt der Weitblick für die (teuren) Konsequenzen von Fehlwürfen aus Bequemlichkeit, den Biomüll richtig zu trennen, aus bewusster Ignoranz oder schlichtweg aus Unwissen“, so die ASA in einer Stellungnahme. Deshalb müsse die Branche nach wie vor immer wieder daran erinnern, was es bedeutet, wenn zu viele Störstoffe im Bioabfall enthalten sind“, so Büscher. (eigener Bericht/dpa)

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