
Der Hanauer Edelmetallkonzern Heraeus steht im Zentrum eines Betrugsverdachts. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt dort wegen des Verdachts der Unterschlagung sowie gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs gegen aktuelle und Ex-Mitarbeitende von Heraeus, darunter auch Führungskräfte, wie die „Hessenschau“ berichtet. Denn Edelmetall, das während des Recycling-Prozesses in Fräsen hängengeblieben sei, soll nicht an Heraeus-Kunden weitergegeben worden sein.
Heraeus hat laut Hessenschau die Ermittler selbst auf den Verdacht aufmerksam gemacht. Der Konzern habe zudem vorsorglich eine Rückstellung in Höhe von fast 458 Mio. € gebildet, nachdem ein interner Hinweisgeber die Vorgänge aufdeckte. Der Betrugszeitraum reicht offenbar von 2015 bis 2025.
Im Fokus der Ermittlungen stehen nach Angaben der Finanzzeitung „Ad Hoc News“ sechzehn Personen. Diese hätten Kunden von Heraeus über Jahre Edelmetallrückstände vorenthalten. Die Ermittlungen, die bereits seit Juni 2024 laufen, konzentrieren sich dem Bericht zufolge auf Platin, Palladium und Rhodium, die im Recyclingprozess in Hanau anfielen, aber nicht an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben wurden. Nach einer anfänglichen internen Untersuchung durch eine Anwaltskanzlei, die die Diskrepanzen bestätigte, habe Heraeus proaktiv die Behörden informiert.
Heraeus kooperiert nach eigenen Angaben vollumfänglich mit den Ermittlern und hat bereits betroffene Kunden kontaktiert und entschädigt, berichtet Ad Hoc News weiter. Ein Beispiel sei eine Einigung mit dem südafrikanischen Bergbauunternehmen Northam Platinum, das eine Einmalzahlung von umgerechnet rund 60 Mio. € erhielt. Außerdem wurden die internen Compliance-Systeme von Heraeus verschärft.
Wie die Financial Times (FT) berichtet, haben nach dem Start der externen Untersuchung im vergangenen Jahr mehrere leitende Angestellte das Unternehmen verlassen. Auch der langjährige CEO Jan Rinnert, Mitglied der Inhaberfamilie und Gesellschafter, gab im Mai den Vorstandsvorsitz an Frank Stietz ab. Laut FT, die sich auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen stützt, gehört Rinnert zu den Verdächtigen in der Ermittlung der Staatsanwaltschaft. Der Heraeus-Konzern lehnte es ab, sich gegenüber der Zeitung zu personellen Maßnahmen zu äußern, außer zu sagen, dass Rinnerts Nachfolger Stietz nicht untersucht wurde. (MBI / eigener Bericht)



