BDSV wehrt sich gegen Exportverbote und fordert bessere Rahmenbedingungen

Branchentreff in Osnabrück / Zusammenschluss mit VDM Mitte 2026

Mit deutlichen Worten gegen Forderungen nach Exportbeschränkungen für Stahlschrott und einem Appell zu mehr Zusammenhalt in der Metallwertschöpfungskette ist gestern der jährliche Branchentreff der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) zu Ende gegangen. BDSV-Präsident Andreas Schwenter warnte in Osnabrück vor politischen Eingriffen, die die Wirtschaftlichkeit der Recyclingbetriebe gefährden könnten. „Wir wollen die europäische Stahlindustrie erhalten – aber bitte mit den richtigen Werkzeugen: wettbewerbsfähigen Energiepreisen, praxistauglicher Wasserstoff-Verfügbarkeit, einem realistischen DRI-Hochlauf, verlässlichen ETS-Rahmenbedingungen und fairen Handelsbedingungen“, so Schwenter. Ein Exportverbot für Stahlschrott würde keines dieser Probleme lösen, sondern lediglich Preisdruck erzeugen.

Auch VDM-Präsident Murat Bayram kritisierte die anhaltende Debatte um Exportbeschränkungen scharf. Die Schrottbranche werde durch „Narrative und Halbwahrheiten angegriffen“, sagte Bayram mit Blick auf Herstellerverbände wie Eurofer und European Aluminium, die in den vergangenen Monaten mehrfach vor einem angeblich stark steigenden Schrottabfluss in die USA gewarnt hatten. Ziel dieser Kampagnen sei es, politischen Druck für Exportrestriktionen aufzubauen.

Dass der von der EU-Kommission Anfang Oktober vorgestellte Plan zum Schutz der europäischen Stahlindustrie kein Exportverbot für Schrotte enthalte, bezeichnete Bayram als einen durch Wahrheit und Fakten errungenen „Sieg in der ersten Runde“. Zugleich appellierte er an die Branche, „Brücken zu bauen“ und kündigte an, künftig stärker auf die Schmelzwerke zugehen zu wollen, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Schwenter unterstrich ebenfalls die Notwendigkeit von Zusammenhalt: „Nur Verständigung schafft Zukunft. Wir sind kein Gegenspieler der Stahlindustrie, sondern Partner“, sagte der BDSV-Präsident. Trotz der aktuell schwierigen Marktlage und des in der Branchenumfrage geäußerten Pessimismus machte er den Mitgliedern zudem Mut: „Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Wir sind eine Zukunftsbranche. Die wirklichen Boomjahre der Recyclingindustrie stehen noch bevor“, so Schwenter.

Er verwies dabei auf eine Studie der Boston Consulting Group, der zufolge sich der Schrottanteil an der globalen Stahlproduktion in den kommenden Jahren stark erhöhen werde. Die schrottbasierten Elektrostahlwerke seien der Schlüssel zu „grünem Stahl“ und Recycling systemrelevant, so Schwenter. Allerdings müsse die Politik jetzt sofort reagieren und die Rahmenbedingungen anpassen, um die Stahlindustrie in Deutschland und Europa zu erhalten.

RWI-Studie belegt gesellschaftlichen und ökologischen Nutzen des Stahlrecyclings

Wie bedeutend Stahlrecycling für Wirtschaft und Umwelt bereits heute ist, verdeutlicht eine von der BDSV in Auftrag gegebene und in Osnabrück vorgestellte Studie des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung. Nach Angaben von RWI-Vizepräsident Thomas Bauer generierte die deutsche Stahlrecyclingbranche im letzten Jahr rund 5,7 Mrd € Umsatz, wovon knapp 40 Prozent im Ausland erzielt wurden. Zudem sicherte die Branche direkt und indirekt etwa 36.700 Arbeitsplätze. Der volkswirtschaftliche Wertschöpfungsbeitrag lag bei rund 4,6 Mrd €.

Wie Bauer weiter erläuterte, hat der Einsatz von Stahlschrott 2024 in Deutschland Umwelt- und Rohstoffkosten von rund 6,2 Mrd € eingespart – europaweit sogar 28 Mrd €. Zudem mache das Stahlrecycling Unternehmen unabhängiger von Rohstoffimporten und damit die Wirtschaft insgesamt resilienter. „Das Stahlrecycling in Deutschland und Europa ist unverzichtbar für Gesellschaft und Umwelt“, betonte Bauer.

Laut Schwenter zeigen die Befunde der RWI-Studie, „dass der wirtschaftliche Wert von Schrott den reinen Marktpreis übersteigt. Der Schrottpreis und die Schrottverfügbarkeit sind nicht die Ursachen der Strukturprobleme der Stahlindustrie.“

Ein weiteres zentrales Thema in Osnabrück war die zunehmende Brandgefahr durch falsch entsorgte Batterien. Der Verbandspräsident sprach von einem „erheblichen Problem“ für die gesamte Recyclingbranche. Die Zahl der Batteriebrände steige stetig, mit Schäden in Millionenhöhe, Produktionsausfällen und stark steigenden Versicherungsbeiträgen. Teilweise, so Schwenter, bekomme man gar keinen Versicherungsschutz mehr. Um die Sicherheit zu erhöhen, hat die BDSV gemeinsam mit VDM, bvse und BDE die sogenannte Batteriefreiheitserklärung entwickelt. Damit verpflichten Entsorgungsbetriebe ihre Lieferketten, Abfälle frei von Batterien und Akkus zu liefern. „Jeder vermiedene Fehlwurf erhöht die Sicherheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie unserer Investitionen“, sagte Stephan Karle, stellvertretender BDSV-Präsident.

BDSV-Branchenumfrage: Pessimismus noch größer als letztes Jahr

Die auf der BDSV-Jahrestagung vorgestellte Verbandsumfrage bestätigt die weiterhin angespannte Lage der Branche: Fast drei Viertel (73 Prozent) der befragten Unternehmen erwarten für 2026 eine schlechtere Geschäftslage, nur sechs Prozent rechnen mit einer Verbesserung. Damit hat sich die Stimmung im Vergleich zum Vorjahr, als sich zwei Drittel der Befragten pessimistisch äußerten, weiter eingetrübt.

Auch die Investitionsbereitschaft der Mitgliedsunternehmen hat sich verschlechtert. Rund ein Viertel (Vorjahr: ein Fünftel) der Betriebe gab an, Investitionsprojekte wegen langer Genehmigungsverfahren aufgegeben zu haben. „Was wir brauchen, sind Tempo und Vereinfachungen bei Genehmigungen. Nur so gelingt die Transformation im Takt der Realität“, betonte BDSV-Geschäftsführer Guido Lipinski.

Zu den weiteren in der Umfrage identifizierten großen Belastungsfaktoren für die Branche gehören die wirtschaftliche Unsicherheit, ein geringer Materialzulauf sowie hohe Transportkosten und der Mangel an Lkw-Fahrern und Fachkräften. So berichteten über drei Viertel der befragten Unternehmen von anhaltenden Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu rekrutieren.

Aus BDSV und VDM wird CMA

Trotz all dieser Herausforderungen warb der BDSV-Präsident für mehr Zuversicht bei den Mitgliedsfirmen. „Uns bietet sich eine historische Chance. Für den Fortschritt ist das Stahl- und Metallrecycling ein unverzichtbarer Bestandteil. Also gehen Sie voran und investieren Sie in die Zukunft.“

Gleichzeitig müsse die Branche ihre Interessen gegenüber der Politik in Deutschland und der EU mit noch mehr Durchschlagskraft vertreten. „Darum brauchen wir einen starken Verband“, bekräftigte Schwenter die Fusionspläne mit dem VDM. Die vorbereitenden Arbeiten hierzu seien schon sehr weit fortgeschritten. Der Zusammenschluss zur „Circular Metal Association“ (CMA) soll laut aktueller Planung im Juni 2026 erfolgen. Sitz des neuen Verbandes werde Berlin sein.

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