BDE fordert klare Entlastung der Kreislaufwirtschaft beim Industriestrompreis

Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) hat die Einführung eines Industriestrompreises grundsätzlich begrüßt, fordert aber eine eindeutige Einbeziehung der Kreislaufwirtschaft in den begünstigten Unternehmenskreis. Hintergrund ist die jüngste Entscheidung der Bundesregierung, energieintensive Unternehmen in den Jahren 2026 bis 2028 mit einem vergünstigten Industriestrompreis von fünf Cent je kWh zu entlasten.

BDE-Präsidentin Anja Siegesmund sprach von einem wichtigen Signal für die Industrie. „Es ist zu begrüßen, dass der Industriestrompreis kommt. Jetzt können energieintensive Unternehmen in wirtschaftlich fordernden Zeiten aufatmen. Nur wenn die Energiekosten sinken, kann der überfällige Aufschwung gelingen“, erklärte Siegesmund in einer Mitteilung des Verbandes. Wichtig sei nun, „dass die Bundesregierung den Begünstigtenkreis sachgerecht fasst und die Kreislaufwirtschaft ausdrücklich entlastet“.

Der Verband erinnert daran, dass Unternehmen der Kreislaufwirtschaft mit energieintensiven Sortier-, Aufbereitungs- und Schmelzprozessen unverzichtbare Recyclingrohstoffe für die industrielle Wertschöpfung in Deutschland bereitstellen. Diese Aktivitäten leisteten zugleich einen erheblichen Beitrag zur CO₂-Minderung und zur Schonung natürlicher Ressourcen. Nach Einschätzung des BDE sind diese Leistungen systemrelevant – und daher auf wettbewerbsfähige Strompreise angewiesen.

„Diese systemrelevanten Leistungen benötigen verlässliche und faire Energiekosten – sonst geraten Investitionen und Modernisierung weiter unter Druck“, warnte Siegesmund. Aus Sicht des BDE muss die konkrete Ausgestaltung des Industriestrompreises daher sicherstellen, dass Recycling- und Aufbereitungsanlagen in angemessenem Umfang von der Entlastung profitieren.

Kritik an fehlender Stromsteuersenkung

Kritisch bewertet der Verband, dass die Bundesregierung nach seiner Auffassung bislang nicht konsequent genug vorgeht. Siegesmund verweist auf die vom Bundesrat geforderte deutliche Senkung der Stromsteuer, die ein weiteres wichtiges Signal für Unternehmen gewesen wäre.

Zugleich mahnt der BDE, neben großen energieintensiven Betrieben auch kleinere und mittlere Unternehmen im Blick zu behalten. Der Mittelstand dürfe nicht vergessen werden, betont Siegesmund. Viele mittelständische Betriebe trügen mit ihren Prozessen entscheidend zur Kreislaufwirtschaft und damit zum Klimaschutz bei und seien ebenfalls von hohen Stromkosten betroffen.

Verband begrüßt Effizienz- und Dekarbonisierungsvorgaben

Positiv bewertet der BDE die in den Eckpunkten der Bundesregierung vorgesehenen Anforderungen an Effizienz und Dekarbonisierung im Zusammenhang mit dem Industriestrompreis. Diese gingen „in die richtige Richtung“. Nach Angaben des Verbandes investieren bereits viele Mitgliedsunternehmen in moderne, stromsparende Anlagen, in die Eigenerzeugung erneuerbarer Energien sowie in eine flexible Steuerung ihres Energieeinsatzes.

Damit diese Investitionen verstetigt und ausgebaut werden können, brauche es nun „klare und faire Rahmenbedingungen, damit Wertschöpfung, Recyclingkapazitäten und Klimaschutz in Deutschland dauerhaft gesichert bleiben“. Vor diesem Hintergrund verbindet der BDE seine prinzipielle Zustimmung zum geplanten Industriestrompreis mit der Forderung, die Kreislaufwirtschaft ausdrücklich und verlässlich in das Entlastungskonzept einzubeziehen.

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