Bayern: Viele PFC-belastete Standorte in Erlangen, Ingolstadt und Augsburg

In Bayern befinden sich viele Standorte mit Verdacht auf mit PFC - häufig auch PFA genannt - belasteten Böden. Insbesondere im Einzugsgebiet der Städte Erlangen, Ingolstadt und Augsburg liegen viele belastete Flächen. Das geht aus einer vom Bayerischen Rundfunk (BR) veröffentlichten interaktiven Karte hervor.

In den genannten Städten ist zumeist vermeintdie Industrie für die Aufarbeitung der Flächen zuständig. Auf dem Land sollen sich in den meisten Fällen die Gemeinden und Landkreise um die Aufarbeitung und die Sanierung der Verdachtsfälle kümmern, so der BR. Viele Standorte mit PFC belastetem Boden gehen wohl auf das Konto der Bundeswehr oder der US-Army, ergänzte der öffentlich-rechtliche Sender. Häufig sei PFC-haltiger Löschschaum für die Verseuchung zuständig. Mit dem Regen können sie aus Böden ins Grundwasser oder in Bäche und Flüsse geschwemmt werden und von dort aus weiter ins Meer, ergänzte der BR.

Bundeswehr führt bisher keine Sanierungen durch

Trotz der Kontaminationen auf einigen Geländen der Bundeswehr, führt das deutsche Militär aktuell an keinem Standort eine Sanierung durch, resümierte der BR. Lediglich bei drei Standorten befinde sich das Militär in der Sanierungsplanung. Auf dem PFC verseuchten Flugplatz in Manching bei Ingolstadt soll die Sanierung beispielsweise im kommenden Jahr starten, so das staatliche Bauamt Ingolstadt im Juli.

„Die gesamtgesellschaftliche Situation, die weltpolitische Lage im nächsten Jahr müssen wir beim Bau auch irgendwie berücksichtigen. Das kann alles hemmen. Aber wir sind guter Dinge, dass wir früher als September 2023 unterwegs sind mit der Reinigung“, erklärte Thomas Sendner, stellvertretender Leiter des staatlichen Bauamts Ingolstadt im Sommer.

Auch die Bemühungen der Behörden gehen bisher nicht über reine Untersuchungen und Gutachten hinaus, erklärte der Bayerische Rundfunk.

PFC schwer schädlich und schwer zu beseitigen

Die Belastungen sind gesundheitsschädlich und sollten schnell beseitigt werden. Das gestaltet sich allerdings nicht so leicht. PFC gehört zu den sogenannten "Ewigkeitschemikalien" – chemisch ausgedrückt: Sie sind persistent, werden also in der Umwelt nicht durch Sonnenlicht oder Mikroorganismen abgebaut, erläuterte der BR. „Welche Schäden die langlebigen PFAS in der Umwelt auf Dauer anrichten können, ist häufig noch unerforscht. Wir versuchen daher, gemeinsam mit anderen europäischen Ländern, diese Stoffe in der EU so weit wie möglich zu verbieten. Dies ist aus Vorsorgegründen der richtige Schritt“, Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes.

Die Temperatur beim Verbrennen sollte mindesten 1.000 bis 1.100 Grad betragen, sonst fliegen PFAS einfach weg. Sie sollten deswegen in Anlagen für Sondermüll verbrannt werden.

Widrigkeiten für Anwohner aufgrund belasteter Böden

Die Folge von PFC-Kontaminationen sind für Anwohner häufig Auflagen durch die zuständigen Landratsämter. Bei Hausbauten kann es dadurch zu erheblichen Mehrkosten kommen. In Manching dürfen die Menschen seit Jahren in ihren Gärten nicht mehr mit Wasser aus ihren Brunnen gießen, erklärte der BR. Außerdem hätten Landwirte an verschiedenen Orten mit PFC-Verunreinigungen im Boden ein Bewässerungsverbot erhalten.

Des Weiteren wurden Lebensmittel-Monitorings auf PFC-Rückstände durchgeführt. In Neuburg an der Donau gibt es sogar immer noch eine Verzehrwarnung für Fische aus Weihern neben dem NATO-Flugplatz.

In einigen Gemeinden im Landkreis Altötting können die Menschen erst seit der Installation von Aktivkohlefiltern wieder ohne Bedenken Leitungswasser trinken, ergänzte der BR.

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