Mineralische Bauabfälle 2022 zu 90 Prozent verwertet, aber Substitutionspotenzial ausgeschöpft

Initiative Kreislaufwirtschaft Bau stellt 14. Monitoring-Bericht vor

Im Jahr 2022 wurden in Deutschland mehr als 90 Prozent aller mineralischen Bauabfälle verwertet. Von einem Gesamtabfallaufkommen von rund 208 Mio Tonnen wurden 188 Mio Tonnen einem umweltverträglichen Verwertungsverfahren zugeführt, teilte die Initiative Kreislaufwirtschaft Bau heute anlässlich der Vorstellung ihres 14. Monitoring-Berichts mit. Kritik äußerten die in der Initiative zusammengeschlossen Verbände der Baustoffindustrie, der Bauwirtschaft und der Entsorgungswirtschaft – darunter der BDE – an der unter der Woche vom Bundeskabinett beschlossenen nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS). Die darin geforderte Verdopplung der Substitutionsquote primärer Gesteinskörnungen durch Recyclingbaustoffe sei nicht zielführend.

Der Monitoring-Bericht zum Aufkommen und Verbleib mineralischer Bau- und Abbruchabfälle basiert auf Daten des Statistischen Bundesamtes und fußt bisher auf dem Rechtsrahmen der Bund/Länder Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA). Im jüngsten Berichtsjahr 2022 betrug die Verwertungsquote der vier erfassten Fraktionen mineralischer Abfälle laut Bericht durchschnittlich 90,4 Prozent. Das waren 0,9 Prozentpunkte mehr als bei der letzten Erhebung für das Jahr 2020. Im langfristigen Vergleich hat sich allerdings wenig geändert. Bereits 2006 lag die von der Initiative ausgewiesene Verwertungsquote bei 89,9 Prozent. In den Jahren 2010 und 2012 lag der Verwertungsanteil sogar schon bei über 91 Prozent.

Verwertungsquoten bei allen vier Fraktionen gestiegen

Die höchste Verwertungsquote verzeichnete die Initiative wie in den Vorjahren bei den Baustellenabfällen. Von den im Jahr 2022 angefallenen Mengen in Höhe von 12,9 Mio Tonnen wurden rund 300.000 Tonnen recycelt und 12,5 Mio Tonnen einer sonstigen Verwertung zugeführt. Dies resultierte unter dem Strich in einer Verwertungsquote von 98,8 Prozent, was einem geringfügigen Plus von 0,2 Prozentpunkten gegenüber 2020 entspricht.

Deutlich stärker gestiegen, um 2,3 Prozentpunkte auf 98,2 Prozent, ist die Verwertungsquote beim Straßenaufbruch. 15,9 Mio Tonnen von insgesamt 17,1 Mio Tonnen konnten recycelt werden. Weitere knapp 900.000 Tonnen wurden im Deponiebau und im Rahmen der Verfüllung von Abgrabungen verwertet.

Auch die Verwertungsquoten bei den mengenmäßig größten Fraktionen Bauschutt sowie Boden und Steine konnten gegenüber der vorangegangenen Erhebung gesteigert werden. Laut Bericht wurden von den 2022 angefallenen 55,2 Mio Tonnen Bauschutt 45,1 Mio Tonnen recycelt und 7,2 Mio Tonnen im Rahmen von Verfüllungen und auf Deponien verwertet. Die ausgewiesene Verwertungsquote, die zusätzlich noch verwertete Bauabfälle auf Gipsbasis inkludiert, lag bei 94,8 Prozent und damit 0,8 Prozentpunkte über dem Wert von 2020.

Mit 122,1 Mio Tonnen entfielen wie im Vorjahr auch 2022 rund 59 Prozent des Gesamtaufkommens mineralischer Bau- und Abbruchabfälle auf die Fraktion Boden und Steine. Davon wurden 91,8 Mio Tonnen im übertägigen Bergbau und in anderen Maßnahmen wie dem Deponiebau verwertet. Ferner wurden 14,0 Mio Tonnen Recycling-Baustoffe hergestellt. Unterm Strich ergibt dies eine Verwertungsquote von 86,7 Prozent, was auch hier einen Anstieg um genau einen Prozentpunkt bedeutet.

Insgesamt zeigen sich die in der Initiative Kreislaufwirtschaft Bau zusammengeschlossenen Verbände der Bau- und Entsorgungswirtschaft zufrieden mit den Ergebnissen des Berichtsjahres 2022. „Der Bausektor macht vor, wie Circular Economy funktionieren kann. Die Betriebe vermeiden die Deponierung, bereiten die Abfälle zu RC-Baustoffen auf und setzten sie dann erneut in Bauvorhaben ein. So werden natürliche Ressourcen geschont“, kommentierte Berthold Schäfer, Geschäftsführer Technik beim Bundesverband Baustoffe Steine und Erden und Sprecher der Initiative Kreislaufwirtschaft Bau.

Kritik an NKWS: „Substitutionsquote kann nicht beliebig gesteigert werden“

Allerdings beurteilen die beteiligten Verbände die Potenziale der mineralischen Bauabfälle in Bezug auf die stoffliche Substitution als nahezu ausgeschöpft. Laut Bericht wurden 2022 aus dem Gesamtaufkommen mineralischer Bau- und Abbruchabfälle insgesamt 75,3 Mio Tonnen Recycling-Baustoffe hergestellt, mit denen 13,3 Prozent des Bedarfs an primären Gesteinskörnungen in Deutschland gedeckt werden konnten. Mit Berücksichtigung der industriellen Nebenprodukte lag die Substitutionsquote nach Angaben der Initiative bei 17,9 Prozent.

Die Verbände reagieren daher mit Unverständnis auf die vom Bundeskabinett beschlossenen Zielsetzungen im Rahmen der nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, die Substitutionsquote zukünftig zu verdoppeln. „Die Substitutionsquote hängt vom Gesamtbedarf an Gesteinskörnungen und dem Abfallaufkommen ab. Wir können nicht mehr als 100 Prozent der Abfälle verwerten. Da der Bedarf für Wohnungen, Infrastrukturen oder Energiewende deutlich größer ist als das Abfallaufkommen, kann die Substitutionsquote nicht beliebig gesteigert werden. Da zukünftig zudem mehr saniert und weniger neu gebaut werden soll, ist trotz aller Bemühungen zukünftig eher mit einem Rückgang der Substitutionsquote zu rechnen“, führte Schäfer aus. Die Substitutionsquote sei daher nicht der richtige Maßstab für die Bewertung der Circular-Economy-Erfolge im Bausektor.

Verwertungsquote könnte durch Mantelverordnung sinken

Fußten die Berichte der Initiative Kreislaufwirtschaft Bau bisher auf dem durch die LAGA-Mitteilung 20 gesetzten Rechtsrahmen, wird der nächste Monitoring-Bericht mit den Daten für das Jahr 2024 erstmalig auf dem Rechtsrahmen der bundeseinheitlichen Mantelverordnung basieren. Die seit August 2023 in Kraft befindliche Verordnung zeichne sich durch nicht harmonisierte Grenzwerte zu angrenzenden Rechtsbereichen, mehr Bürokratie und höhere Kosten aus, bemängeln die Verbände in ihrer gemeinsamen Mitteilung. Die Deponierung könnte dadurch zunehmen und die Verwertungsquote sinken. Die Initiative Kreislaufwirtschaft Bau fordert daher mehr Augenmaß von der Politik. „Ambitionierte Ziele im Bereich Circular Economy sind richtig, müssen aber realistisch an Aufkommen, rechtlichen Hürden und dem absehbaren Bedarf ausgerichtet sein“, so Schäfer.

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