Aus für Völkerfreundschaft – früheres DDR-Kreuzfahrtschiff wird verschrottet

Rund 37 Jahre nach dem Mauerfall wird das erste Kreuzfahrtschiff der DDR abgewrackt. Das Schiff, das zwischen 1960 und 1985 unter dem Namen „MS Völkerfreundschaft“ verdiente Arbeiter und Parteiveteranen an für Ostverhältnisse zum Teil auch exotische Ziele brachte, wird bereits seit letztem Sommer auf der Recyclingwerft von Galloo im belgischen Gent auseinandergenommen.

Dabei sollen insgesamt 12.000 Tonnen Material aus dem Schiff gewonnen werden, neben Stahl auch Holz, Glas und Plastik. Über 97 Prozent des Materials will Galloo recyceln. Dennoch könne man den Wünschen vieler Menschen nach einem Andenken an das Schiff nicht nachkommen, bedauert der Leiter des Schiffsrecyclings der Werft, Peter Wyntin. Der Prozess sei durchgetaktet und für jedes Schiff, egal ob es Frachten oder Menschen transportiert habe, fast identisch. „Ich würde sagen, der einzige Unterschied ist, dass mehr Müll an Bord ist, weil es ein Kreuzfahrtschiff ist“, so Wyntin weiter.

Die DDR hatte das 1948 in Schweden gebaute rund 160 Meter lange Transatlantik-Schiff 1959 für rund 20 Mio. schwedische Kronen gekauft – damals umgerechnet etwa 16 Mio. D-Mark. Das „Traumschiff der DDR“ wurde dann 25 Jahre vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) betrieben. 1985 wurde es dann verkauft und durch die größere und viel modernere „Arkona“ ersetzt.

Wie das DDR-Museum schreibt, war die einstige „Völkerfreundschaft“ seitdem unter wechselndem Namen und Eigentümern als das am längsten im Dienst befindliche Transatlantik-Schiff der Welt unterwegs – zuletzt als „Astoria“ unter portugiesischer Flagge. Das Schiff konnte nicht mehr aus eigenem Antrieb fahren, begründet Galloo die Außerbetriebnahme. (dpa/eigener Bericht)

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