Arcelor-Mittal stoppt Pläne für deutsche DRI-EAF-Anlagen

Der Stahlhersteller Arcelor-Mittal verfolgt Pläne zur Dekarbonisierung der Flachstahlwerke in Bremen und Eisenhüttenstadt nicht weiter. Der Konzern begründet dies mit der aktuellen Marktsituation und der fehlenden Wirtschaftlichkeit einer CO2-reduzierten Stahlproduktion in Deutschland. Damit verzichtet das Unternehmen auf von der Bundesregierung bereits zugesagte Fördermittel in Milliardenhöhe.

Die ursprünglichen Pläne von Arcelor-Mittal sahen den Bau kombinierter DRI-EAF-Anlagen an den Hochofen-Standorten Bremen und Eisenhüttenstadt vor. Die am Standort Bremen in einer neuen Eisenerz-Direktreduktionsanlage hergestellten Eisenschwamm-Pellets (DRI – direct reduced iron) sollten zusammen mit Stahlschrott in drei ebenfalls neuen Elektrolichtbogenöfen (EAF) in Bremen und Eisenhüttenstadt zu Rohstahl geschmolzen werden. Im Gegenzug sollten die Hochöfen, Konverter und Sinteranlagen stillgelegt werden.

Für das Transformationsprojekt „DRIBE2“ erhielt Arcelor-Mittal Anfang 2024 eine Förderungszusage des Bundeswirtschaftsministeriums in Höhe von 1,3 Mrd €. Bedingung für die Freigabe der Gelder war, dass der Konzern bis Juni 2025 mit den Bauarbeiten für das Projekt beginnt. Dieser finalen Investitionsentscheidung erteilte der Stahlhersteller gestern nun eine Absage, da sich die politischen, energie- und marktbezogenen Rahmenbedingungen nicht in die erhoffte Richtung entwickelt hätten.

Transformationsprojekte selbst mit finanzieller Förderung nicht wirtschaftlich

„Wir wissen die Finanzierung durch die Bundesregierung und das Land Bremen sowie die Unterstützung des Landes Brandenburg für dieses Projekt zu schätzen. Aber selbst mit der finanziellen Unterstützung ist die Wirtschaftlichkeit dieser Umstellung nicht ausreichend gegeben, was das Ausmaß der Herausforderung verdeutlicht“, begründete Geert Van Poelvoorde, CEO von Arcelor-Mittal Europe, die Entscheidung.

So stehe die europäische Stahlindustrie derzeit unter einem noch nie dagewesenem Druck, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten – und das bereits ohne die zusätzlichen Kosten, die für die Dekarbonisierung erforderlich seien. Als größte Probleme, der sich die Politik dringend widmen müsse, sieht Von Poelvoorde die im internationalen Vergleich hohen Strompreise in Deutschland sowie die hohen EU-Stahlimporte in einem ansonsten von schwacher Nachfrage gekennzeichneten europäischen Markt.

„Die höchste Priorität ist derzeit, die Stahlnachfrage in Europa so wiederzubeleben, dass europäische Hersteller auch daran teilhaben können“, sprach sich der Europachef von Arcelor-Mittal für eine Begrenzung der Flachstahl-Importe auf 15 Prozent aus. „Wenn das erreicht ist, wird die Branche auch in einer viel besseren Position sein, um Investitionen in die Dekarbonisierung voranzutreiben.“

Konzern will Pläne für Bau neuer Elektrolichtbogenöfen weiterverfolgen

So versicherte Arcelor-Mittal, an dem Konzernziel festzuhalten, die CO2-Bilanz seiner Anlagen weiter zu verbessern. Es werde allerdings zunehmend unwahrscheinlich, die für 2030 gesetzten Klimaschutzziele, die eine Reduktion der CO2-Emissionen um 35 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2018 vorsehen, zu erreichen. „Es wird immer deutlicher, dass die Energiewende in allen Bereichen langsamer als erwartet vorankommt. Dazu gehört auch, dass grüner Wasserstoff noch keine tragfähige Energiequelle ist und die DRI-Produktion auf Erdgasbasis als Übergangslösung nicht wettbewerbsfähig ist“, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens.

Mit der Absicht einer schrittweisen Dekarbonisierung in Europa will sich Arcelor-Mittal daher in Bremen und Eisenhüttenstadt auf die Planung zum Bau von Elektrolichtbogenöfen konzentrieren. Auf diese Weise will das Unternehmen vorbereitet sein, wenn die Produktion über die EAF-Route dort wirtschaftlich sinnvoll sei.

Als positives Beispiel für ein Marktumfeld mit „wettbewerbsfähiger und planbarer Stromversorgung“ sieht Arcelor-Mittal Frankreich. Erst im Mai hatte der Konzern nochmals seine Absicht bestätigt, 1,2 Mrd € in einen neuen Elektrolichtbogenofen in Dünkirchen zu investieren.

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