
Die deutsche Aluminiumindustrie befindet sich weiter in einer „dramatischen“ Lage. Wie der Branchenverband Aluminium Deutschland (AD) mitteilt, lag die Produktion in den ersten drei Quartalen 2025 zwar in etwa auf Vorjahresniveau, befindet sich aber weiter deutlich unter dem Niveau von 2021. Es drohten Kapazitätskürzungen, Standortverlagerungen und Beschäftigungsabbau. Der Verband fordert die Politik daher zum Handeln auf, um einen dauerhaften Bedeutungsverlust des Industriestandorts Deutschland abzuwenden.
Verbandsangaben zufolge haben die Mitgliedsunternehmen in den ersten neun Monaten dieses Jahres insgesamt 2,1 Mio Tonnen recyceltes Aluminium hergestellt, davon 695.000 Tonnen zwischen Juli und September. Dabei konnte im dritten Quartal zwar ein Produktionszuwachs von zwei Prozent verzeichnet werden, die Gesamtproduktion der ersten drei Quartale lag allerdings ein Prozent unter dem Vorjahreswert.
Auch die Produktion von Aluminiumhalbzeug bewegt sich nahe dem Vorjahresniveau. Eine Gesamtmenge von 1,8 Mio Tonnen zwischen Januar und September bedeutete ein Mengenplus von einem Prozent. Während die Produktion von Walzprodukten sich leicht um zwei Prozent auf 1,4 Mio Tonnen verbesserte, ging der Output an Strangpressprodukten um ein Prozent auf 362.000 Tonnen zurück.
Aluminiumrecycling: Produktionsniveau 15 Prozent niedriger als 2021
Sorge bereitet dem Verband vor allem der Blick auf die langfristige Entwicklung. So liege das Produktionsniveau im Bereich Strangpressprodukte bei lediglich 76 Prozent des Niveaus von 2021. Auch in den Bereichen Recycling und Walzprodukte liege das Produktionsniveau 15 bzw. 13 Prozent unter dem Stand von vor vier Jahren. In allen Segmenten seien die Kapazitäten deutlich unterausgelastet.
„Die Lage der Aluminiumindustrie ist dramatisch! Um zu überleben, müssen die Unternehmen sich neu aufstellen: Kapazitätskürzungen, Standortverlagerungen und Beschäftigungsabbau können hierbei als Maßnahmen nicht ausgeschlossen werden“, warnt AD-Präsident Rob van Gils und verweist auf eine aktuelle Verbandsumfrage bei den Mitgliedsunternehmen. Demnach planen 28 Prozent der Unternehmen einen Stellenabbau oder haben diesen bereits begonnen. Drei Prozent haben Produktionsstilllegungen in Deutschland eingeleitet und weitere 13 Prozent erwägen eine Produktionsverlagerung ins Ausland.
Verband beklagt Verknappung von Aluminiumschrott
Neben der Wachstumsschwäche aus Schlüsselbranchen wie Maschinenbau und Automobilindustrie belasten laut AD vor allem schlechte wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen in Deutschland die deutschen Aluminiumwerke. Ein weiteres zentrales Hemmnis im Bereich Aluminiumrecycling sei zudem die Verknappung von Aluminiumschrotten.
Eine deutliche Verbesserung der Lage sei kurzfristig nicht zu erwarten. Weniger als ein Drittel der befragten Betriebe rechnen Verbandsangaben zufolge mit positiven Effekten aus den jüngsten Kabinettsbeschlüssen zur Stromkostenentlastung. Außerdem drohe ab 2026 eine weitere Kostensteigerung durch die Einführung des CO2-Grenzausgleichssystems CBAM.
„Gut bezahlte Industriejobs stehen auf dem Spiel. Sollte die Industrie nicht durch die Politik gestärkt werden, wird dies auch Wohlstandsverluste in Deutschland mit sich bringen“, forderte van Gils die Regierung zum Handeln auf. Für AD-Hauptgeschäftsführerin Angelika El-Noshokaty sind vor allem wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen unverzichtbar. „Industrie- und Energiepolitik, Klimapolitik, Handelsschutzinstrumente – hier besteht dringender Handlungsbedarf. Ohne entschlossene politische Begleitung droht der Industriestandort Deutschland dauerhaft an Bedeutung zu verlieren.“



