
Die Branche der Alttextilsammlung und -sortierung schlägt Alarm: Seit Jahresanfang ist das bestehende System durch eine drastische Verschlechterung der Sammelware, einen Anstieg von Störstoffen und unkontrollierte Entsorgungspraktiken stark unter Druck geraten, beschreibt die Gemeinschaft für textile Zukunft (GftZ) die bedenkliche Entwicklung. Immer mehr Akteure – sowohl gemeinnützige als auch private – sehen sich demnach gezwungen, ihre langfristig etablierten Strukturen aufzugeben. Eine flächendeckende Sammlung sei in vielen Regionen bereits nicht mehr gewährleistet.
Ein ganzes Bündel an Faktoren ist nach Einschätzung der GftZ, in der insbesondere große Sortierunternehmen vertreten sind, hierfür ursächlich: Seit Jahresbeginn werde vermehrt minderwertige Ware mit hohem Störstoffanteil in die Alttextilsammlung eingebracht – eine Folge der fehlenden Regulierung und missbräuchlicher Nutzung der Container. Die Sammler seien überfordert, die Sortierung leide, und der Output verschlechtere sich kontinuierlich. Der Anteil an Restabfällen steige rasant, während gleichzeitig Abnahmemärkte für sortierte Ware immer weiter wegfielen.
Hohe Transportkosten, steigende Personalkosten und ein massiver Wettbewerbsnachteil gegenüber Nachbarländern, die bereits ein System der erweiterten Herstellerverantwortung eingeführt haben, verschärfen laut GftZ die Lage zusätzlich. Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend: Viele Sammel- und Sortierbetriebe geraten in finanzielle Schieflage, langjährige Strukturen werden aufgelöst, bestehende Partnerschaften im Absatzbereich der sortierten Ware zerbrechen. Die Zahlungsfähigkeit vieler Akteure ist gefährdet – mit weitreichenden Folgen für den gesamten Kreislauf.
Vor diesem Hintergrund appellieren Vertreter der Branche eindringlich an Politik und Verwaltung und formulieren vier zentrale Forderungen. So müsse der Gesetzgebungsprozesses zur Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien sofort begonnen werden. Der aktuelle Beschluss der Umweltministerkonferenz werde ausdrücklich begrüßt, doch ein Abwarten auf die novellierte EU-Abfallrahmenrichtlinie sei nicht notwendig: Die Anforderungen seien bekannt, andere Länder machten es bereits vor. Zweitens bedürfe es einer dringenden Interimslösung: öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger müssten umgehend ihrer Verantwortung für die getrennte Sammlung gerecht werden und die erbrachten Leistungen Dritter fair vergüten. Die derzeitige Situation sei für die Beteiligten wirtschaftlich nicht mehr tragbar.
Drittens müssten Leistungen, die für öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger durch gemeinnützige oder private Sammler erbracht werden, endlich angemessen entlohnt werden und dies unbürokratisch und pragmatisch. Die letzte Forderung zielt auf eine Stärkung der Abfallberatung: Eine deutlich intensivere Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit sei nötig, um Fehlwürfe und Missbrauch künftig zu verhindern.
„Ohne sofortige Maßnahmen steht das System der Alttextilsammlung vor dem Zusammenbruch. Wir brauchen jetzt eine realistische Übergangslösung und endlich eine faire Lastenverteilung – bevor ein funktionierender Bereich der Kreislaufwirtschaft unwiederbringlich verloren geht“, so die GftZ abschließend.



